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Corona-Sommerwelle? Nicht nur Karl Lauterbach warnt: Was erwartet uns?


Darum droht dieses Jahr eine Corona-Sommerwelle

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 22.04.2022Lesedauer: 4 Min.
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Menschen genießen am Spreeufer in Berlin die Sonne (Archivbild): Experten warnen in diesem Jahr vor einer möglichen Coronawelle im Sommer.
Menschen genießen am Spreeufer in Berlin die Sonne (Archivbild): Experten warnen in diesem Jahr vor einer möglichen Coronawelle im Sommer. (Quelle: Jochen Eckel/imago-images-bilder)
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Corona gilt als saisonales Virus, das vor allem in den Wintermonaten zuschlägt. In diesem Jahr könnte dies anders sein. Was erwartet uns im Sommer? Ein Experte gibt eine Prognose.

Die Impfpflicht ist zunächst vom Tisch. Für Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) "eine klare und bittere Niederlage". In diesem Zusammenhang warnt der Minister vor einer Sommerwelle, die Omikron uns bescheren könnte. Was bedeutet das? Wird dieser Sommer nicht so unbeschwert wie in den vergangenen Jahren, als die Sieben-Tage-Inzidenzen im einstelligen Bereich lagen? t-online fragte den Mathematiker Kristan Schneider, der die Pandemie modelliert.


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t-online: Herr Schneider, was meint Karl Lauterbach, wenn er von der Sommerwelle spricht?

Kristan Schneider: Im Frühjahr gehen die Zahlen zunächst einmal zurück. Sie werden aber, auch über den Sommer, auf einem hohen Niveau bleiben. Wir werden jedenfalls mehr Infektionen sehen als 2020 und 2021, ca. 15.000 bis 20.000 Infektionen pro Tag. Wie hoch das Infektionsgeschehen tatsächlich ist, hängt davon ab, wie gewissenhaft man Quarantänebestimmungen aufrechterhält, wie hoch die Testdisziplin bleibt und vor allem wie lange die Immunität von Genesenen und Geimpften anhält.

Woran liegt es, dass in diesem Sommer die Inzidenzen dann doch so hoch bleiben?

Die Omikron-Variante ist eben sehr ansteckend, das bremst den saisonalen Effekt aus. Omikron ist zwar im Sommer nicht so ansteckend wie im Winter, aber im Sommer noch immer ansteckender als die anderen Varianten.

Kristan Schneider
Kristan Schneider (Quelle: Helmut Hammer)


Kristan Schneider ist Mathematikprofessor an der Hochschule Mittweida, Sachsen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Modellierung epidemiologischer Prozesse.

Derzeit sinken die Inzidenzen, aber das hat nicht unbedingt damit zu tun, dass das Infektionsgeschehen nachlässt, oder?

Nein, das ist der veränderten Teststrategie geschuldet. Mit den beschlossenen Lockerungen haben wir kaum noch einen Überblick über das Infektionsgeschehen. Wenn wir aber erst dann verstehen, wo Hotspots sind, wenn die Menschen in den Krankenhäusern ankommen, ist es zu spät. Bei den neuen Regelungen ist es nun aber schwer auseinander zu halten, ob Infektionszahlen tatsächlich rückläufig sind oder nur die Dunkelziffer steigt.

Sie halten nichts von den neuen Regeln im Infektionsschutzgesetz?

Nein, es sind kaum handfeste Regelungen darin enthalten. Abgesehen davon ist der Zeitpunkt der falsche für Lockerungen. Das Signal, das etwa auch bei der Aufhebung der Quarantänepflicht verstanden wird, ist: Corona ist vorbei. Und das stimmt einfach nicht.

Was meinen Sie damit? Omikron ist doch mehr als nur eine Erkältung?

Omikron ist sehr gefährlich, das zeigt etwa der Blick nach Hongkong. In China haben nur knapp 20 Prozent der über 80-Jährigen eine Auffrischimpfung erhalten und nur etwa 50 Prozent von ihnen sind vollständig geimpft. Hongkong hat die meisten Todesfälle pro 100.000 Menschen. Mitte März starben dort ca. 290 Menschen pro Tag am Virus. Auf Deutschland hochgerechnet wären das ca. 3.500 Menschen, tatsächlich starben in Deutschland weniger als 200 Menschen pro Tag.

Das zeigt, wie gut und wichtig die Impfung ist und wie gefährdet Ungeimpfte sind. Weil in Europa viele Menschen geimpft sind, ist die Sterblichkeit zurzeit niedrig. Das hohe Infektionsgeschehen sorgt aber trotz Impfung und verfügbarer Medikamente dafür, dass eine Covid-Infektion eben nicht nur ein harmloser Schnupfen ist. Krankenhauseinweisungen und Todesfälle sehen wir immer zeitversetzt. Erst wenn die Fallzahlen zwei bis drei Wochen kontinuierlich sinken, sinkt auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle.

Der Rückgang bei den gemeldeten Infektionen liegt aber auch daran, dass nicht mehr getestet wird. Man muss also nicht glauben, die Sterblichkeit würde auch plötzlich zurückgehen.

Nun wurde die Maskenpflicht faktisch aufgehoben. Was bringt es eigentlich für den Infektionsschutz, wenn Menschen jetzt teilweise freiwillig Masken tragen?

Freiwillig Masken tragen ist etwa so sinnvoll, wie freiwillig Steuern zahlen. Da machen nicht genug mit. Masken sind minimalinvasiv und hocheffektiv. Der volle Effekt entfaltet sich aber nur, wenn alle Masken tragen und diese korrekt sitzen. Tragen zwei Menschen eine FFP2-Maske, die die Virusweitergabe, sagen wir, um 90 Prozent verringert, besteht ein 99-prozentiger Schutz vor der Infektion für beide. Trägt nur einer von beiden eine Maske, ist die Ansteckungsgefahr um das Zehnfache höher.

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Das heißt, die Infektion ist dann fast unvermeidbar.

Ja, Masken sind sehr effizient, wenn alle sie tragen. Ist man aber der Einzige, kann man sich mit einer Maske nicht mehr hinreichend vor einer Infektion und möglichen Folgen schützen.

Wie riskant ist dieses Konzept der Durchseuchung?

Durchseuchung funktioniert in einfachen mathematischen Modellen sehr gut, aber im wirklichen Leben ist es schwieriger. Es treten immer neue Virusvarianten auf. Es setzen sich immer Varianten durch, die ansteckender sind oder bei denen zumindest die Impfung nicht so gut vor Ansteckung vorbeugt. Wann und wo welche neue Variante auftaucht und wie gefährlich diese ist, kann man nicht sagen. Man kann aber sagen, dass neue Varianten dann auftreten, wenn die Infektionszahlen hoch sind.

Gäbe es eine Alternative zur Durchseuchung?

Medikamente und die Impfung waren zwei wichtige Schritte in der Pandemie. Zwei weitere Schritte fehlen noch. Zum einen Long Covid besser zu verstehen und behandeln zu können. Zum anderen die spontane Übertragbarkeit des Virus zu verringern. Etwa durch zusätzliche Nasensprayimpfstoffe, die Antikörper in den Nasenschleimhäuten anregen.

Wir brauchen neue Impfstoffe?

Ja, bisher stand die Vorbeugung der schweren Erkrankungen im Mittelpunkt der Impfstoffentwicklung, der nächste Schritt ist die Übertragbarkeit. Daran sollte jetzt mit Hochdruck gearbeitet werden. Es gibt sehr vielversprechende Ansätze. In der öffentlichen Diskussion sollte nicht die Abschaffung der Maskenpflicht im Vordergrund stehen, sondern die rasche Entwicklung von Impfstoffen, mit denen die Virusübertragung verhindert wird. Das würde uns tatsächlich die Normalität zurückbringen.

Herr Schneider, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Interview mit Kristan Schneider
  • Eigene Recherche
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