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Corona-Alarm auf den Kanaren

Von dpa-afx
Aktualisiert am 29.08.2020Lesedauer: 4 Min.
Blick ├╝ber die D├╝nen von Maspalomas: Die Kanarischen Inseln waren bislang nicht so stark vom Coronavirus betroffen wie das spanische Festland
Blick ├╝ber die D├╝nen von Maspalomas: Die Kanarischen Inseln waren bislang nicht so stark vom Coronavirus betroffen wie das spanische Festland (Quelle: blickwinkel)
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Lange blieben die Kanaren vom Coronavirus weitgehend verschont ÔÇô jetzt m├╝ssen die zu Spanien geh├Ârenden Atlantik-Inseln um ihre Sonderstellung und um ihre Tourismus-Branche f├╝rchten.

Wie ganz Spanien ÔÇô darunter auch die Balearen samt dem "Ballermann" ÔÇô k├Ânnten die Kanaren als bislang einzige Ausnahme nun auch von Deutschland auf die "schwarze Liste" der Risikogebiete gesetzt werden. Mit 338 F├Ąllen binnen 24 Stunden meldeten die regionalen Gesundheitsbeh├Ârden in Las Palmas am Donnerstagabend einen neuen Rekord an Neuinfektionen.

Zentrales Kriterium f├╝r die deutsche Einstufung als Risikogebiet ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Auf den Kanaren sind es bereits 79,69.

Damit stehen die Inseln vor der Westk├╝ste Afrikas inzwischen schlechter da als viele spanische Gebiete, f├╝r die seit Mitte August die Reisewarnung des Ausw├Ąrtigen Amtes gilt. Darunter die ebenfalls vom Tourismus stark abh├Ąngige Stadt Valencia (52,10) und die Region Andalusien (47,85). Auf den Balearen mit der liebsten Insel der Deutschen, Mallorca, betr├Ągt die Zahl 79,52. F├╝r ganz Spanien gab das Gesundheitsministerium in Madrid diesen Wert am Freitag mit mehr als 58 f├╝r die vergangenen sieben Tage an.

Was Urlauber nun wissen m├╝ssen

Reisen auf die Kanaren k├Ânnten f├╝r Urlauber damit noch komplizierter werden. Bislang k├Ânnen Reiser├╝ckkehrer aus Risikogebieten einen kostenlosen Corona-Test in Deutschland machen. Nach dem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und L├Ąndern am Donnerstag soll sich das bald ├Ąndern. Geplant ist, dass wieder ausschlie├člich die Quarant├Ąneregelung gelten soll. Das hei├čt: Die Betroffenen m├╝ssen sich beim Gesundheitsamt melden und sich in Quarant├Ąne begeben. Diese soll im Unterschied zur jetzigen Regelung aber erst dann verlassen werden d├╝rfen, wenn mit einem fr├╝hestens f├╝nf Tage nach der Einreise gemachten Test ein negatives Ergebnis vorgewiesen wird.

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Diese Regelung soll m├Âglichst ab dem 1. Oktober gelten. An einzelnen Flugh├Ąfen wie in Frankfurt sollen die kostenlosen Tests jedoch auch danach angeboten werden. Man sei weiterhin vom Land Hessen beauftragt, kostenlose Tests f├╝r Reise-R├╝ckkehrer anzubieten, die aus Risikogebieten mit dem Flugzeug am Frankfurter Airport ankommen, teilte eine Sprecherin des dortigen DRK-Testzentrums mit.

Welche Folgen eine deutsche Reisewarnung h├Ątte

Auf den Kanaren f├╝rchtet man schon jetzt eine m├Âgliche deutsche Reisewarnung sowie die Quarant├Ąnepflicht. Dies k├Ânne der schwer angeschlagenen Tourismusbranche, die einen Anteil von circa 35 Prozent am Regionaleinkommen hat, den "Todessto├č versetzen", warnte ein TV-Kommentator. Denn trotz der Sonderstellung herrsche auf den Inseln schon jetzt "Trostlosigkeit" und "Verzweiflung", schrieb die Zeitung "El D├şa" am Freitag und zeigte dazu Fotos leerer Stra├čen und Kneipen.

Wegen der Notlage trat der kanarische Regionalpr├Ąsident ├üngel V├şctor Torres noch am Abend sichtlich besorgt vor die Presse und gab neue Einschr├Ąnkungen bekannt, die er "drastisch" nannte. Auf den besonders schwer betroffenen Inseln Gran Canaria und Lanzarote sind Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern ab Samstag und vorerst f├╝r zwei Wochen verboten. Restaurants und Kneipen werden schon um Mitternacht schlie├čen. In der gesamten Region wird man auch am Arbeitsplatz Maske tragen m├╝ssen. Die Polizei werde mit mehr Beamten daf├╝r sorgen, dass die Vorschriften eingehalten werden, warnte Torres die 2,15 Millionen Einwohner seiner Region.

Hoffnung auf umbuchende Mallorca-Urlauber nicht erf├╝llt

"Dass es bei uns noch schlimmer kommen w├╝rde, h├Ątten wir nie gedacht", sagte Mauro, der ein Restaurant in Las Palmas de Gran Canaria betreibt, der Deutschen Presse-Agentur. Die Hoffnung, dass viele deutsche Mallorca-Fans nach der "Disqualifikation" der Mittelmeer-Insel durch das Ausw├Ąrtige Amt f├╝r die Kanaren umbuchen w├╝rden, hatte sich n├Ąmlich in den vergangenen zwei Wochen nicht erf├╝llt. "Hier herrscht schon jetzt tote Hose", klagt Mauro.

Obwohl die Kanaren seit Mitte August die einzige Region Spaniens sind, f├╝r die in Berlin bisher keine Reisewarnung herausgegeben wurde, traten zuletzt weiterhin nur relativ wenige Deutsche eine Reise nach Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote oder zu einem anderen Teil des Archipels an. "Dem typischen Mallorca-Touristen sagt das Angebot auf den Kanaren wohl nicht zu", stellte das Blatt "El Diario" dieser Tage entt├Ąuscht fest.

Mit 2,65 Millionen Besuchern im vorigen Jahr ist Deutschland hinter Gro├čbritannien (circa 5 Mio) und vor Spanien (rund 2 Mio) der zweitgr├Â├čte Herkunftsmarkt f├╝r die Kanaren. London hatte am 26. Juli eine Quarant├Ąne f├╝r alle Spanien-R├╝ckkehrer angeordnet. Das war vor allem f├╝r die Kanaren und die Balearen, die beide besonders viele Briten empfangen und wo Tourismus wie sonst nirgendwo in Spanien die Haupteinnahmequelle ist, schon ein sehr harter Schlag.

Kaum mehr Reserven ├╝brig

Wie schlimm die Lage auf den Kanaren ist, beweisen bereits die amtlichen Zahlen f├╝r Juli, obwohl die Infektionslage im vorigen Monat viel besser war als die aktuelle: Die Zahl der britischen Besucher fiel im Vergleich zum Vorjahresmonat um ├╝ber 80 Prozent von 450.000 auf unter 75.000. Die Zahl der Besucher aus Deutschland ging derweil von gut 190.000 auf unter 80.000 zur├╝ck.

Viele Reserven zum Durchhalten gibt es inzwischen nicht mehr. Im ersten Halbjahr brach die Wirtschaft der Kanaren um gut 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. In diesen sechs Monaten machten mehr als 1.200 Betriebe haupts├Ąchlich wegen Corona dicht.

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