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Kreuzfahrtbranche startet in neue Saison

dpa, Thomas Kaufner

Aktualisiert am 08.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Kreuzfahrtschiff im Kieler Hafen: FĂĽr die Kreuzfahrtbranche beginnt eine neue Saison.
Kreuzfahrtschiff im Kieler Hafen: FĂĽr die Kreuzfahrtbranche beginnt eine neue Saison. (Quelle: Sina Schuldt/dpa-bilder)
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Aller guten Dinge sind drei: Die Coronajahre 2020 und 2021 haben Kreuzfahrtfans und Reedereien zweimal einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Nun plant die Kreuzfahrtindustrie zum dritten Mal ein Comeback.

Fast alle Schiffe unter Dampf und mehr als 800 Anläufe allein in Deutschland: Nach zwei Katastrophenjahren bietet die Kreuzfahrtindustrie ihren Fans im dritten Corona-Jahr wieder das volle Programm. Die vier großen Kreuzfahrthäfen Hamburg, Kiel, Warnemünde und Bremerhaven haben durchweg doppelt und dreifach so viele Abfahrten auf dem Plan wie noch 2021.


Diese Kreuzfahrtschiffe sollen 2022 starten

Die Holland-America Line hat mit der "Rotterdam" bereits in diesem Jahr einen Neuzugang in der Flotte.
Die "Seabourn Venture" wird luxuriöse Expeditionskreuzfahrten unternehmen.
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In einzelnen Häfen übersteigt die Zahl der Anläufe sogar 2019, das letzte Jahr vor der Pandemie, die den jahrelangen Boom dieser bei einer treuen Fangemeinde beliebten Urlaubsart unterbrach.

Die Schiffe sollen wieder voll ausgelastet werden

Dabei werden die Schiffe zusehends auch voller. Tui Cruises beispielsweise will im Laufe des Jahres schrittweise zur normalen Auslastung zurückkehren. Auch in Häfen geht man aufgrund von Gesprächen mit Reedereien davon aus, dass es an Bord wieder gen Vollauslastung gehen soll.

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Für die Erfolgsrechnung der Reedereien wäre das dringend nötig, denn die oft Hunderte Millionen Euro teuren und mehrere Tausend Passagiere fassenden Schiffe rechnen sich nur, wenn sie möglichst voll belegt sind. Das war aus Sicherheitsgründen 2020 und 2021 nicht der Fall, wenn die Schiffe überhaupt fuhren.

Es sind rund 810 Anläufe geplant

2020 gab es in Deutschland 112 Anläufe, im Jahr darauf immerhin 326. Nun sind es deutlich mehr: Allein in Hamburg mit seinen drei über die Stadt verstreuten Kreuzfahrtterminals sind über 300 Anläufe geplant. In Kiel sind es rund 250, in Warnemünde knapp 150 und in Bremerhaven mehr als 110.

Von dort geht es zumeist in die Ostsee und gen Westeuropa. Hinzukommen die klassischen Sonnengebiete im Mittelmeer. Neben den großen Marken – der Carnival-Tochter Aida Cruises, Tui Cruises, einer Tochter von Tui und Royal Caribbean, sowie MSC Cruises – mischen praktisch alle namhaften Kreuzfahrtanbieter wieder mit.

Kreuzfahrtschiff MSC Seaview: 2022 sollen die Kreuzfahrtschiffe nach Möglichkeit wieder voll ausgelastet sein.
Kreuzfahrtschiff MSC Seaview: 2022 sollen die Kreuzfahrtschiffe nach Möglichkeit wieder voll ausgelastet sein. (Quelle: Eibner/imago-images-bilder)

41 Milliarden Dollar Verlust in den letzten zwei Jahren

Zwar mag sich kein Unternehmen dazu äußern, wie sich das Geschäft 2021 auf dem deutschen Markt entwickelte. Einen groben Anhaltspunkt liefert aber die Jahresbilanz des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Demnach betrug der Umsatz der Hochsee- und Flusskreuzfahrten 1,1 Milliarden Euro und damit 52 Prozent weniger als im ersten Corona-Jahr. "Verglichen mit der Zeit vor Corona ist der Umsatz innerhalb von zwei Jahren um über 80 Prozent eingebrochen", heißt es beim DRV.

Global betrachtet war das vergangene Jahr für die Branche ähnlich desaströs wie 2020. Die großen Vier – Carnival, Royal Caribbean, Norwegian und MSC – fuhren zusammen gut 20 Milliarden Dollar Verlust ein, nach 21 Milliarden im Jahr zuvor, wie aus den Geschäftsberichten hervorgeht.

Neues Jahr, neues GlĂĽck?

Dass es 2022 besser werden soll, liegt aus Sicht der Branche an der aufgestauten Reiselust, die sich laut DRV auch bei Kreuzfahrten in steigenden Vorausbuchungen niederschlägt. "Die Unternehmen sind sehr zuversichtlich, dass das Geschäft anzieht und ab Sommer und im nächsten Winter auch wieder deutlich mehr Ziele angesteuert werden können."

Auch einzelne Reedereien berichten von einem hohen und wachsenden Interesse der Kundschaft, die der Kreuzfahrtindustrie bis 2019 einen Dauerboom beschert hatte.

Einige Reisen mussten wegen Covid-Fällen abgesagt werden

Weiteren Rückenwind erhält die Branche aus Berlin. So verzichtet das Auswärtige Amt inzwischen auf den pauschalen Rat an Reisende, wegen der schwer vorhersehbaren Entwicklung der Pandemie auf Kreuzfahrten zu verzichten. Wie Deutschland Anfang April haben auch viele Zielländer ihre Corona-Regeln heruntergefahren.

Dass ein Restrisiko bleibt, hat sich allerdings um den Jahreswechsel herum gezeigt. So musste MSC winterliche Reisen ab Hamburg in europäische Metropolen aussetzen, weil Zielländer wie Großbritannien und die Niederlande scharfe Omikron-Regeln erlassen hatten. Tui Cruises musste wegen Covid-Fällen an Bord "einige wenige Reisen verkürzen beziehungsweise absagen".

Das Gesundheitskonzept an Bord scheint zu funktionieren

Gemessen an Hunderten Reisen mit Hunderttausenden Gästen halten sich solche Vorfälle in Grenzen. Die Reedereien verweisen auf den Erfolg ihrer bereits im Sommer 2020 branchenweit eingeführten Corona-Regeln.

"Wir hatten seit der Wiederinbetriebnahme unserer Kreuzfahrten nur vereinzelte Fälle an Bord der Mein-Schiff-Flotte", heißt es bei Tui Cruises. "Dank des bewährten Gesundheitskonzepts konnte in jedem Fall eine weitere Verbreitung an Bord verhindert werden, und wir mussten nur in wenigen Einzelfällen die Fahrtroute minimal anpassen."

MSC Cruises betont: "Da wir an Bord bei jeder Kreuzfahrt immer 100 Prozent der Bordbevölkerung überwachen und testen, sind wir in der Lage – dank unserer strengen Gesundheits- und Sicherheitsprotokolle – Fälle zu erkennen, die an Land meist unentdeckt geblieben wären."

Corona-Regeln bleiben fester Bestandteil

Deswegen bleiben die Reedereien auf der vorsichtigen Seite. Während bundesweite Maskenvorgaben und strenge, an den Impfstatus geknüpfte Zugangsrechte Anfang April fielen, merken Kreuzfahrtgäste noch sehr deutlich, dass eine Pandemie herrscht: Ohne doppeltes negatives Testergebnis kommt kein Erwachsener an Bord. Ohne Maske geht bei An- und Abreise und an Bord weiter nichts.

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Von Hans-Werner Rodrian, SRT
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