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"Das Land versinkt im Chaos"

Von Christiane Link, London

23.03.2019Lesedauer: 3 Min.
in London demonstrieren hunderttausende Menschen gegen den Brexit. Es k├Ânnte der gr├Â├čte Protest in der Geschichte des Landes sein.
in London demonstrieren hunderttausende Menschen gegen den Brexit. Es k├Ânnte der gr├Â├čte Protest in der Geschichte des Landes sein. (Quelle: /Reuters-bilder)
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Der Druck auf Theresa May w├Ąchst. In London gehen bei einer Massendemonstration Hunderttausende gegen den Brexit auf die Stra├če und machen ihrem ├ärger Luft. Der Protest k├Ânnte alle Rekorde brechen.

Mit "Bollocks to Brexit"- Rufen haben nach Angaben der Veranstalter mehr als eine Million Menschen gegen den Brexit protestiert. Auch Stunden nach dem offiziellen Start trafen immer noch Menschen ein, um auf der Route zwischen Hyde Park, Trafalgar Square und Parlament gegen den Austritt des Vereinigten K├Ânigreichs aus der EU zu demonstrieren. W├Ąhrend die einen eine neue Volksabstimmung forderten, wollten andere den Brexit gleich ganz stoppen. "Stoppt Artikel 50", "Fromage statt Farage" oder "Verdammt nochmal, stoppt Brexit" stand unter anderem auf den Plakaten. Viele hatten sich blau gekleidet und sich sichtlich M├╝he gegeben, m├Âglichst originelle Plakate zu basteln.


London: Massendemo gegen Brexit: diese Bilder gehen um die Welt

Brexit - "People's Vote March"
Kost├╝me der Brexit-Gegner
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Die Massen zogen durch die Londoner Innenstadt zum britischen Parlament. Der Druck auf Premierministerin Theresa May w├Ąchst, die die Proteste bislang ignoriert.
Die Massen zogen durch die Londoner Innenstadt zum britischen Parlament. Der Druck auf Premierministerin Theresa May w├Ąchst, die die Proteste bislang ignoriert. (Quelle: /Reuters-bilder)
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Mit der Demonstration am Samstag hat der Brexit wohl schon wieder einen Rekord gebrochen. Die Veranstalter und auch einige britische Medien gingen davon aus, dass die Demonstration die gr├Â├čte Demonstration in der Geschichte des Landes werden k├Ânnte. Aus dem ganzen Land waren die Protestgruppen mit Z├╝gen und Bussen angereist. Zudem gingen viele Londoner auf die Stra├če. Eingeh├╝llt in eine blaue EU-Fahne lief die Britin Alison Hope zusammen mit einer Gruppe von Freunden im Demonstrationszug mit. "Ich will, dass meine Stimme geh├Ârt wird", sagte sie. Die Ost-Londonerin arbeitet f├╝r einen Verlag im Vertriebsbereich und spricht flie├čend Deutsch. "Ich bin zwei Mal im Monat in Deutschland, ├ľsterreich oder D├Ąnemark. F├╝r mich ist es wichtig, dass wir ein gutes Verh├Ąltnis mit der EU haben." Au├čerdem f├╝hle sie sich als Europ├Ąerin. "Eigentlich hatten mein Mann und ich irgendwann vor, nach Deutschland oder Spanien zu ziehen, aber das ist nach dem Brexit nicht mehr ohne weiteres m├Âglich." Auch deshalb gehe sie auf die Stra├če.


Ihre Freundin Helen Murphy stimmte ihr zu. Sie arbeitet als Physikerin und sagt, der Brexit habe schon jetzt einen massiven Einfluss auf ihre Arbeit. "Wir haben schon so viele Talente verloren, die uns verlassen haben. Das kann so nicht weitergehen." Das Volk sei belogen worden und deshalb sei es v├Âllig legitim ein zweites Referendum abzuhalten. "Anstatt dass wir uns um den Klimawandel und andere Dinge sorgen, verschwenden wir seit drei Jahren unsere Zeit mit dem Brexit. Dabei haben wir weit wichtigere Probleme, die wir dringend angehen m├╝ssten."

Die Demonstration hat das Motto "Put it to the People". Die Anti-Brexit-Aktivisten der Organisation "People's Vote" fordern eine erneute Volksabstimmung.
Die Demonstration hat das Motto "Put it to the People". Die Anti-Brexit-Aktivisten der Organisation "People's Vote" fordern eine erneute Volksabstimmung. (Quelle: /dpa-bilder)

Neben Briten schlossen sich auch in London lebende EU-B├╝rger der Demonstration an. Katharina aus der N├Ąhe von Augsburg mochte ihren Nachnamen lieber nicht sagen. Sie wisse nicht, ob ihr Arbeitgeber etwas dagegen haben k├Ânnte, wenn sie sich ├Âffentlich zum Brexit ├Ąu├čert. Die junge Frau lebt seit 3,5 Jahren in London. "Das Land, in dem ich lebe, versinkt im Chaos. Ich bin richtig verzweifelt. Da ist es sch├Ân, mit so vielen gleichgesinnten netten Menschen auf die Stra├če zu gehen und etwas dagegen zu tun", sagte sie. Auch wenn sie selbst noch keine Anfeindungen als Deutsche erlebt hat, ├╝berlegt sie derzeit, zur├╝ck nach Deutschland oder in ein anderes Land auf dem Kontinent zu gehen. "Und der Brexit beeinflusst diese Entscheidung massiv."

"Du sprichst nicht f├╝r uns"

Auch zahlreiche Politiker schlossen sich dem Marsch an. Londons B├╝rgermeister Sadiq Khan sagte, die Uhr sei abgelaufen. "Es ist keine Zeit mehr f├╝r weitere Verhandlungen." Theresa May habe den guten Willen der europ├Ąischen Nachbarn mit ihrem chaotischen und verwirrenden Verhalten verschwendet. Auch der stellvertretende Labour-Vorsitzende Tom Watson rief die Regierung dazu auf, ein zweites Referendum anzusetzen. Adressiert an Theresa May sagte er, sie solle ihre Gardienen aufmachen und aus dem Fenster schauen. "Du sprichst nicht f├╝r uns", sagte er.


F├╝r Theresa May wird es nun zunehmend schwerer die Proteste in ihrem eigenen Land zu ignorieren. Eine Petition um den Brexit zu stoppen hat zudem innerhalb von wenigen Tagen mehr als 4 Millionen Unterschriften erreicht und gilt bereits jetzt als die erfolgreichste Petition seit dem Start des Online-Petitionssystems des britischen Parlaments.

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