Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr fĂŒr Sie ĂŒber das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Der spÀte Kater nach der Brexit-Party

dpa, Christoph Meyer

Aktualisiert am 31.01.2021Lesedauer: 3 Min.
London: Am Brexit-Abend feierten sie noch, doch mittlerweile bereuen die meisten Briten den EU-Austritt.
London: Am Brexit-Abend feierten sie noch, doch mittlerweile bereuen die meisten Briten den EU-Austritt. (Quelle: /Reuters-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextNach Pokalfinale: Tedesco attackiert FreiburgSymbolbild fĂŒr einen TextSĂ€nger entdeckt Tumor im HalsSymbolbild fĂŒr einen TextWeitere Gewitter drohenSymbolbild fĂŒr einen TextSoldat plante offenbar AnschlĂ€geSymbolbild fĂŒr einen TextKachelmann: "Nicht auf Tornados vorbereitet"Symbolbild fĂŒr einen TextGeisterfahrerin stirbt bei KollisionSymbolbild fĂŒr einen TextMusiker sagt kurzfristig "Fernsehgarten" abSymbolbild fĂŒr einen TextAffenpocken: WHO fordert MaßnahmenSymbolbild fĂŒr einen TextPSG: Trainer-Sensation mit Löw?Symbolbild fĂŒr einen TextGina Schumacher teilt witziges SelfieSymbolbild fĂŒr einen Watson Teaser"Let's Dance"-Juror tritt gegen Promi nach

Genau ein Jahr ist der Brexit nun her. Ein Grund zur Freude ist das fĂŒr die meisten Briten jedoch nicht, denn viele Briten halten den EU-Austritt inzwischen fĂŒr einen Fehler.

England-Fahnen, Jubelgeschrei und "God save the Queen": Als Großbritannien am 31. Januar 2020 die EuropĂ€ische Union verlĂ€sst, feiern Tausende Brexit-AnhĂ€nger in London auf dem Platz vor dem Parlament. Ein Jahr spĂ€ter ist von der Euphorie nicht mehr viel zu spĂŒren. Mit dem Ende der Übergangsphase zum Jahreswechsel machen sich Schwierigkeiten fĂŒr den Handel bemerkbar. Die Briten glauben nach Umfragen inzwischen ĂŒberwiegend, dass der EU-Austritt ein Fehler war. Doch es gibt kein ZurĂŒck.

GlĂŒckliche Fische — unglĂŒckliche Fischer

Vor allem die Fischer fĂŒhlen sich betrogen. Ihnen sollte der Brexit höhere Fangquoten in den eigenen GewĂ€ssern und damit höhere Einnahmen bringen. Vor dem Referendum 2016 fuhr eine Armada von Fischerbooten die Themse hinauf vors Parlament, um fĂŒr den Austritt zu werben. Doch der Brexit brachte viel Papierkram mit sich. Nun mĂŒssen viele Fischer zusehen, wie ihr Fang verrottet, wĂ€hrend sie mit Zertifikaten zur Lebensmittelsicherheit und ZollerklĂ€rungen beschĂ€ftigt sind. Der Tory-Abgeordnete Jacob Rees-Mogg, bekannt fĂŒr eine gewisse Exzentrik, erklĂ€rte dazu: "Entscheidend ist, dass wir unseren Fisch zurĂŒckhaben. Es sind jetzt britische Fische. Und damit bessere und glĂŒcklichere Fische."

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Lautes Schweigen: Bundesliga gratuliert Leipzig nicht
Einsamer Gewinner: Leipzigs Trainer Domenico Tedesco mit dem DFB-Pokal.


"Brexit bedeutet Brexit", betonte Ex-Premierministerin Theresa May gern. Doch was Brexit bedeuten sollte, war lange unklar. Hoffnungen auf ein ein enges VerhĂ€ltnis mit der EU erfĂŒllten sich nicht. Der No-Deal-Brexit wurde abgewendet — doch es wurde auch kein weicher Brexit. Das Handels- und Partnerschaftsabkommen ist dĂŒnn. Neben den Fischern sehen auch viele andere ihre GeschĂ€fte in Gefahr. Ein niederlĂ€ndischer HĂ€ndler fĂŒr Fahrradzubehör teilte mit, er exportiere in jedes Land der Welt, nur nicht mehr nach Großbritannien — wegen des Zolls und neuer Regeln fĂŒr die AbfĂŒhrung von Mehrwertsteuer.

Am 31. Januar war endgĂŒltig Schluss

Jahrelang hatten sich die Brexit-Verhandlungen hingezogen, zuerst ĂŒber den Austritt und anschließend ĂŒber die neuen Beziehungen. Immer wieder wurden Deadlines gerissen und der Austritt verschoben. Premierminister Boris Johnson tönte einst, er wolle lieber "tot im Graben liegen", als den Brexit-Termin noch einmal zu verschieben. Er verschob ihn. Erst am 31. Januar 2020 war endgĂŒltig Schluss.

EU-ChefunterhĂ€ndler Michel Barnier hatte es im Lauf der Jahre mit vier verschiedenen Brexit-Ministern beziehungsweise ChefunterhĂ€ndlern zu tun. Mehrmals fĂŒrchtete er ein Scheitern. Immer wieder warnte er vor der tickenden Uhr. Nach Abschluss der GesprĂ€che sagte er nun: "Die Uhr tickt nicht mehr." Inzwischen schreibt Barnier an einem Buch. Er dĂŒrfte einiges zu erzĂ€hlen haben.

Rechtsbruch? Ja, aber spezifisch und begrenzt!

Schwierig war auch die Frage, wie eine harte Grenze zwischen dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland und dem EU-Mitglied Irland verhindert werden sollte. Dachte BrĂŒssel, mit dem Austrittsabkommen sei das Problem gelöst, kam London plötzlich mit einem Gesetzentwurf um die Ecke, der alles wieder infrage stellte. Das sei ein Rechtsbruch auf "spezifische und begrenzte" Art, erklĂ€rte der britische Nordirland-Minister im Unterhaus. Am Ende einigte man sich doch: Nordirland unterliegt weiterhin den Regeln von EU-Zollunion und Binnenmarkt.

Mit dem auf einen roten Bus gedruckten Versprechen, 350 Millionen Pfund statt an die EU in den Nationalen Gesundheitsdienst NHS zu stecken, fuhr Johnson durchs Land. Doch die Zahl stimmte nicht. Weder war der sogenannte Briten-Rabatt herausgerechnet worden noch das Geld, das Großbritannien ĂŒber EU-Förderprogramme wieder zurĂŒckerhielt. Johnson wurde wegen "Missbrauchs offizieller Statistiken" abgemahnt. Ob die zusĂ€tzliche Summe dem Gesundheitsdienst inzwischen zu Gute kommt, ist unklar. Die Regierung verweist auf erhebliche Investitionen in den Gesundheitssektor wegen der Corona-Pandemie.

"Der Krieg ist vorbei"

Immerhin an einer Front ist nun Ruhe: Der GrĂŒnder der Ukip (United Kingdom Independence Party), Nigel Farage, galt als treibende Kraft hinter dem Brexit. Politisch hat es sich fĂŒr ihn nicht ausgezahlt. Sein Sitz im EU-Parlament war mit dem Austritt weg. Der Sprung ins nationale Parlament blieb ihm wegen des Mehrheitswahlrechts stets verwehrt. Trotzdem zeigt sich Farage zufrieden. "Im Großen und Ganzen ist der Krieg vorbei", meint er heute. Über Johnson sagt er anerkennend: "Er hat getan, was er versprochen hatte."

Weitere Artikel

Appell an britische Einheit
Johnson auf "geheimer Mission" in Schottland unterwegs
Da war er noch willkommen: Nicola Sturgeon begrĂŒĂŸt Boris Johnson im Juli 2019 im schottischen Edinburgh.

Von der Leyens Impfdebakel
Die Moralapostel
Ursula von der Leyen (CDU) bei einer Videokonferenz beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Die EU-Kommissionschefin nimmt die Impfhersteller in die Pflicht, zugesagte Liefermengen einzuhalten.

Kanzleramtschef Helge Braun
"Bis Ende MĂ€rz bis zu 16,9 Millionen Dosen Impfstoff"
Nur nicht die Zuversicht verlieren: Kanzleramtschef Helge Braun freut sich, dass der Lockdown wirkt.


Nicht vorbei ist der Kampf der Schottischen Nationalpartei (SNP) um Schottlands UnabhĂ€ngigkeit und eine mögliche RĂŒckkehr in die EU. FĂŒr Mai sind Regionalwahlen geplant. Sollte die SNP eine absolute Mehrheit erreichen, wĂŒchse der Druck auf London, ein zweites Referendum ĂŒber die Loslösung zuzulassen. Umfragen zufolge ist inzwischen eine stabile Mehrheit der Schotten fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit. Noch ist aber nicht abzusehen, dass sich London dem Druck aus Edinburgh beugt.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • David Schafbuch
Von Martin MĂŒller und David Schafbuch
Boris JohnsonBrexitEUGroßbritannienLondonTheresa May
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website