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EU-Staaten wollen härter gegen Schleuser im Ärmelkanal vorgehen

Nach tödlichem Unglück  

Wie die EU-Staaten gegen Schleuser im Ärmelkanal vorgehen wollen

28.11.2021, 19:31 Uhr | dpa

EU-Staaten wollen härter gegen Schleuser im Ärmelkanal vorgehen. Migranten auf dem Ärmelkanal vor der britischen Küste: In der vergangenen Woche starben 27 Menschen bei dem Versuch, den Kanal zu überqueren. (Quelle: imago images/i Images)

Migranten auf dem Ärmelkanal vor der britischen Küste: In der vergangenen Woche starben 27 Menschen bei dem Versuch, den Kanal zu überqueren. (Quelle: i Images/imago images)

27 Migranten sind vergangene Woche im Ärmelkanal gestorben. Nun wollen die EU-Länder mehr gegen Schleuser tun – auch mithilfe eines Flugzeugs. 

Nach dem Flüchtlingsdrama im Ärmelkanal mit 27 Toten haben EU-Vertreter beschlossen, die "gemeinsame Zusammenarbeit mit Großbritannien zu verbessern". Das geht aus der Abschlusserklärung eines Krisentreffens am Sonntag im nordfranzösischen Calais hervor. Im Kampf gegen Schleuserbanden wurde zudem vereinbart, dass ab Mittwoch ein Flugzeug der EU-Grenzschutzbehörde Frontex die Küste des Ärmelkanals über.

Das Flugzeug soll "Tag und Nacht" das Gebiet von Frankreich bis zu den Niederlanden überfliegen, sagte der französische Innenminister Gérald Darmanin nach dem Treffen mit Vertretern mehrerer EU-Länder, der EU-Kommission sowie der Behörden Frontex und Europol. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten die Teilnehmer "ihr Engagement, alles zu tun, um wirksamer gegen kriminelle Schleusernetzwerke vorzugehen".

Außerdem müsse Großbritannien die illegale Beschäftigung von Flüchtlingen erschweren. Vor einigen Tagen starben im Ärmelkanal 27 Menschen auf dem Weg nach Großbritannien, weil ihr Boot kenterte.

Großbritannien wurde ausgeladen

Frankreich hatte Großbritannien von dem Treffen ausgeladen, nachdem der britische Premierminister Boris Johnson ein Abkommen mit Frankreich zur Rücknahme von Migranten gefordert hatte. Darmanin betonte, er wolle weiter mit seiner britischen Amtskollegin Priti Patel beraten. "Wir wollen mit den Briten zusammenarbeiten, die Briten sind unsere Alliierten." Allerdings wolle Frankreich sich nicht zur Geisel der britischen Innenpolitik machen lassen, für die die Migrationspolitik gerade ein heißes Eisen ist.

Auch Patel rief erneut zur Zusammenarbeit auf. "Großbritannien kann dieses Problem nicht allein beheben, wir in Europa müssen uns alle mehr anstrengen, Verantwortung übernehmen und in der Krise zusammenarbeiten", schrieb sie am Sonntag. Sonst drohten "noch schlimmere Szenen im eiskalten Wasser" in den nächsten Monaten.

Frontex soll Küste überwachen

Von der europäischen Grenzschutz-Agentur Frontex soll ab Anfang Dezember ein Flugzeug zur Überwachung der Kanalküste bereitstehen, sagte Darmanin. Zugleich betonte er die humanitäre Dimension. Es helfe nicht, die Flüchtlinge zu kriminalisieren, die französische Polizei wolle mit ihrem Einsatz an der Küste Leben retten.

Am Wochenende zeigte sich noch einmal das Ausmaß der Tragödie: Die BBC sprach mit Angehörigen einer der im Ärmelkanal verunglückten Frauen. Der Verlobte der 24-jährigen Maryam Nuri Mohamed Amin erzählte dem Sender, seine Partnerin habe ihm noch kurz vor ihrem Tod geschrieben, dass ihr Schlauchboot Luft verliere, aber Rettung auf dem Weg sei – letztlich kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Die junge Frau aus dem Irak hatte ihren Partner in Großbritannien überraschen wollen. "Als sie Kurdistan verließ, war sie sehr glücklich, sie konnte es kaum glauben, dass sie ihren Verlobten treffen würde", erzählte ihre beste Freundin, Imann Hassan. "Sie wollte ein besseres Leben leben, sie hat Großbritannien gewählt, aber sie ist gestorben."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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