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Iran: Amnesty wirft Regime Sexualisierte Gewalt gegen Demonstranten vor


Demonstranten im Iran
"Sie drohten damit, ihre Brüste mit Messern abzuschneiden"

Von dpa, lw

Aktualisiert am 07.12.2023Lesedauer: 3 Min.
Regimekräfte auf Motorrädern (Archivbild): Sie sind in der Regel mit Schlagstöcken, Schusswaffen und Elektroschockern bewaffnet.Vergrößern des BildesRegimekräfte auf Motorrädern (Archivbild): Sie sind in der Regel mit Schlagstöcken, Schusswaffen und Elektroschockern bewaffnet. (Quelle: WANA NEWS AGENCY/Reuters)
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Regimekräfte sollen im Iran mit sexualisierter Gewalt gegen Protestierende vorgegangen sein. Ein Bericht offenbart schockierende Details. Die jüngsten Opfer sollen zwölf Jahre jung gewesen sein.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat Regimekräften des islamischen Regimes im Iran die Vergewaltigung von Demonstranten im Zusammenhang mit der Protestwelle im Herbst 2022 vorgeworfen. Die sexualisierte Gewalt hätte sich gegen Frauen, Männer und auch Minderjährige gerichtet, mit dem Ziel, die Protestierenden einzuschüchtern, heißt es in einem von Amnesty am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Dieser stützt sich nach Angaben der Organisation auf Aussagen von Betroffenen, Angehörigen, Psychologen und anderen Inhaftierten.

Amnesty schildert teils schockierende Details zu den Vorkommnissen in Haft oder Polizeigewahrsam. So sollen bei den Vergewaltigungen zum Teil Gegenstände wie Glasflaschen oder Schlagstöcke zum Einsatz gekommen sein. Manche Demonstrantinnen seien von bis zu zehn männlichen Regimekräften vergewaltigt worden.

Insgesamt habe die Organisation 45 Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Demonstranten nach Festnahmen in verschiedenen Teilen des Landes dokumentieren können, in 16 Fällen sei es dabei zur Vergewaltigung gekommen.

"Sie drohten sogar damit, ihre Brüste mit Messern abzuschneiden"

Sahar, eine Demonstrantin der unterdrückten Belutschen-Minderheit im Iran, soll eine der Betroffenen sein. In dem Bericht erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die sogenannten Sicherheitskräfte: "Sie haben meine Brüste und Genitalien berührt. Sie haben mir gewaltsam meine Haare abgeschnitten und gesagt, ich solle sie so in der Öffentlichkeit zeigen", berichtet sie.

Behrooz, ein Demonstrant, berichtete den Menschenrechtlern, was er auf einer Polizeistation erlebt hat: "Einer Frau wurden die Nase und die Zähne gebrochen. Die Beamten drohten, die weiblichen Familienmitglieder der Männer zu vergewaltigen. (...) Sie griffen allen Frauen an die Brüste und rissen ihnen vor unseren Augen die Oberteile vom Leib, sodass ihr Oberkörper nackt war. Sie drohten sogar damit, ihre Brüste mit Messern abzuschneiden."

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"Sexualisierte Gewalt ist eine der brutalsten Waffen"

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, erklärte im Zuge des Berichts: "Sexualisierte Gewalt ist eine der brutalsten Waffen im Arsenal der iranischen Behörden, um Protestierende zu demütigen und Kritik zu unterdrücken und so um jeden Preis an der Macht zu bleiben."

Bisher sei kein einziger der Täter innerhalb der Geheimdienste und Sicherheitskräfte angeklagt worden. Die große Mehrheit der Betroffenen habe keine Anzeige erstattet, da sie kein Vertrauen in die Justiz hätten. Kamal, ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer, sagte dazu: "Die Revolutionsgarden befahlen mir, meine Beschwerde zurückzuziehen, andernfalls drohten sie, mich zu töten."

Amin, ein Demonstrant, der ebenfalls sexualisierte Gewalt erlebt haben soll, berichtete Amnesty zudem: "Der Zweck der Folter bestand oft nur darin, uns zu demütigen und uns zu brechen. Die Vernehmenden verspotteten mich, während ich nackt war. Sie traten mir in die Hoden."

"Ich habe Albträume davon"

Dem Bericht zufolge haben sich bei vielen Überlebenden langfristige physische und psychische Traumata entwickelt. Ein weiterer Demonstrant, Farzad, wurde demnach Opfer einer Gruppenvergewaltigung. Er berichtete: "Ich habe Albträume davon, dass ich im Gefängnis vergewaltigt werde. Ich nehme Schlaftabletten, um zu schlafen und zu vergessen. Ich habe Angst davor, nach draußen zu gehen."

Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich, teilte mit, unter den Betroffenen seien Kinder im Alter von zwölf Jahren. Sie prangerte an: "Ohne politischen Willen und grundlegende Verfassungs- und Rechtsreformen wird das iranische Justizsystem, das immer wieder seine Unfähigkeit und seinen Unwillen gezeigt hat, Verbrechen unter dem Völkerrecht wirksam zu untersuchen, weiterhin von strukturellen Hindernissen ausgebremst werden."

Die Proteste im Iran gegen den repressiven Regierungskurs im Vorjahr hatte die politische Führung des Landes in eine der schwersten Krisen seit Jahrzehnten gestürzt. Die Regimekräfte gingen teils mit massiver Gewalt gegen die Demonstranten vor, mehrere Hundert wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten getötet. Tausende Protestierende wurden festgenommen. Anstoß für die landesweiten Demonstrationen war der gewaltsame Tod der 22-jährigen Kurdin Jina Mahsa Amini (Hier lesen Sie mehr dazu).

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