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Deutschland 2018 mit am st├Ąrkten von Extremwetter betroffen

Von dpa
Aktualisiert am 04.12.2019Lesedauer: 3 Min.
Starkregen hat eine Stra├če im nieders├Ąchsischen Bad Gandersheim ├╝berflutet.
Starkregen hat eine Stra├če im nieders├Ąchsischen Bad Gandersheim ├╝berflutet. (Quelle: Konstantin Mennecke/dpa./dpa)
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Madrid (dpa) - Klimawandel - eine abstrakte Bedrohung? Bei der UN-Klimakonferenz in Madrid haben Klimasch├╝tzer aufgezeigt, dass auch Deutschland die Folgen der Erderhitzung schon massiv zu sp├╝ren bekommt.

Hitzewellen, D├╝rren und St├╝rme des Jahres 2018 brachten die Bundesrepublik erstmals auf Platz drei im Klima-Risiko-Index der Entwicklungsorganisation Germanwatch. Nur Japan und die Philippinen wurden im vergangenen Jahr demnach noch st├Ąrker direkt von Extremwetter getroffen. Die Autoren mahnten aber auch, dass andere L├Ąnder insgesamt viel st├Ąrker unter der Erderhitzung litten - und viele, teils dramatische Folgen darin nicht abgebildet w├╝rden.

Betrachte man die Jahre 1999 bis 2018, seien Puerto Rico, Myanmar und Haiti am st├Ąrksten von St├╝rmen, ├ťberflutungen und D├╝rren betroffen gewesen, hei├čt es in dem L├Ąndervergleich. Er basiert auf einer Datenbank des R├╝ckversicherers Munich Re und Daten des Internationalen W├Ąhrungsfonds (IWF). Der Index vergleicht j├Ąhrlich die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachsch├Ąden nach Kaufkraftparit├Ąten, und zwar sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verh├Ąltnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt.

Die weltweite Erderw├Ąrmung l├Ąsst Extremwetter-Ereignisse wie Trockenphasen und St├╝rme h├Ąufiger und st├Ąrker werden. In den vergangenen 20 Jahren h├Ątten insgesamt mehr als 12.000 solcher Ereignisse knapp eine halbe Million Menschen das Leben gekostet und kaufkraftbereinigt rund 3,5 Billionen US-Dollar Sch├Ąden verursacht, teilte Germanwatch am Mittwoch in Madrid mit, wo seit Montag knapp 200 L├Ąnder verhandeln, wie es im Klimaschutz weitergeht. Auch die Finanzierung von Klimasch├Ąden ist ein wichtiges Thema dort.

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Die neue EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen will auch in der EU selbst mehr tun und m├Âchte f├╝r ihre Klimapolitik zwischen 2021 und 2027 eine Summe von 100 Milliarden Euro mobilisieren. Das Geld solle aus dem EU-Budget, von den EU-Staaten, aus dem Privatsektor sowie von der Europ├Ąischen Investitionsbank kommen und in einen ├ťbergangsfonds flie├čen, sagte sie am Mittwoch in Br├╝ssel. "Wir sollten uns immer dar├╝ber bewusst sein, was die Kosten des Nicht-Handels sein w├╝rden - und es gibt bereits Kosten."

In Madrid soll eine Gro├čdemo den Unterh├Ąndlern der Klimakonferenz am kommenden Freitag Dampf machen: Hunderttausende Demonstranten werden zu einem Klimamarsch in der spanischen Hauptstadt erwartet. Die schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg und der spanische Schauspieler Javier Bardem wollen zur Kundgebung kommen, wie die Veranstalter mitteilten.

Auch Papst Franziskus schickte den Unterh├Ąndlern in Madrid eine Mahnung: Vier Jahre nach dem Pariser Klimaschutzabkommen sei das Bewusstsein ├╝ber die Dringlichkeit des Themas immer noch "ziemlich schwach" und der Notlage nicht angemessen, schrieb er. Die Welt st├╝nde vor einer "Herausforderung der Zivilisation".

Dass die Klimakrise weltweit die Zahl der Hilfsbed├╝rftigen steigen l├Ąsst, machten die Vereinten Nationen am Mittwoch deutlich. Sie sch├Ątzen die Zahl auf 168 Millionen - das ist etwa jeder 45. Mensch auf der Welt. In diesem Jahr waren nach Angaben des UN-Nothilfeb├╝ros (Ocha) 146 Millionen Menschen betroffen. Humanit├Ąre Hilfe umfasst etwa Lebensmittel, Unterk├╝nfte, ├Ąrztliche Behandlung oder Notschulen. "Die Lage wird sich noch verschlimmern, wenn wir uns nicht besser um die Folgen des Klimawandels und die Ursachen von Konflikten k├╝mmern", sagte Nothilfekoordinator Mark Lowcock in Genf.

Die ├Ąrmsten Staaten der Welt seien beim Klimawandel den gr├Â├čten Risiken ausgesetzt, auch wenn Industriestaaten ├Âfter getroffen w├╝rden, sagte Maik Winges, der am Klima-Risiko-Index von Germanwatch mitgearbeitet hat. Sie bek├Ąmen bisher kaum Hilfe f├╝r Sch├Ąden und Verluste. Teils fehlten auch Daten, weswegen die Sch├Ąden in diesen L├Ąndern eher untersch├Ątzt w├╝rden. Wenn nach D├╝rren etwa Nahrungsmittel knapp seien, werde das nicht abgebildet.

Die internationale Klimafinanzierung soll ├Ąrmeren L├Ąndern helfen, ihren Treibhausgas-Aussto├č zu senken und sich an den Klimawandel anzupassen - die Finanzierung von Sch├Ąden und Verlusten ist komplizierter. Der Klimawandel steigert das Risiko f├╝r Extremwetter, aber nicht jeder Sturm oder jede D├╝rre ist damit auch eine Folge des Klimawandels. Es ist also schwierig, etwa den Industriestaaten Verantwortung zuzuweisen.

Wie bereits auch Menschen, Natur und Wirtschaft in Deutschland unter dem Klimawandel zu leiden haben, hatte Ende November ein gut 270 Seiten dicker Bericht der Bundesregierung dargelegt. F├╝r Bauern und Waldbesitzer steigt das Risiko von Missernten und Sch├Ąden, Starkregen und D├╝rrephasen setzen der Infrastruktur zu. Allergiker m├╝ssen mit mehr und neuen Pollen klarkommen, Hitzewellen f├╝hren zu vorzeitigen Todesf├Ąllen und machen besonders ├älteren, chronisch Kranken und Kindern Probleme - das sind nur ein paar von vielen Beispielen.

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