Sie sind hier: Home > Politik > Ausland >

Behandlung in Deutschland: Bundesregierung hält Giftanschlag auf Alexej Nawalny für möglich

Behandlung in Deutschland  

Bundesregierung hält Giftanschlag auf Nawalny für möglich

24.08.2020, 12:32 Uhr | dpa, pdi

Behandlung in Deutschland: Bundesregierung hält Giftanschlag auf Alexej Nawalny für möglich. Berlin: Sanitäter vom Bundeswehr Rettungsdienst bringen die Spezialtrage, mit der Nawalny in die Charite eingeliefert wurde, zurück in den Krankenwagen. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Berlin: Sanitäter vom Bundeswehr Rettungsdienst bringen die Spezialtrage, mit der Nawalny in die Charite eingeliefert wurde, zurück in den Krankenwagen. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Der bekannte Putin-Gegner Alexej Nawalny liegt seit Tagen im Koma, seit dem Wochenende wird er in Berlin behandelt. Wurde Nawalny wirklich vergiftet? Die Bundesregierung hält das offenbar für möglich.

Die Bundesregierung hält es für gut möglich, dass auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny ein Giftanschlag verübt wurde. "Weil man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von einem Giftanschlag ausgehen kann, ist Schutz notwendig", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Die Bundesregierung fordere jedenfalls "volle Transparenz" bei der Aufklärung des Vorfalls.

"Der Verdacht ist, dass Herr Nawalny vergiftet wurde, wofür es in der jüngeren russischen Geschichte leider einige Verdachtsfälle gab", sagte Seibert. Zurückhaltender äußerte sich parallel Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Kiew. Er wolle zur Ursache der Erkrankung Nawalnys noch keine Aussage treffen.

"Ich gehöre zu denjenigen, die ihre Einschätzung auf Fakten basieren", sagte Maas bei einem Besuch in der ukrainischen Haußptstadt. "Für den Fall Nawalny fehlen noch viele Fakten – medizinische, aber wahrscheinlich auch kriminologische, und die gilt es abzuwarten." Er setze darauf, in absehbarer Zeit weitere Informationen von der Berliner Charité zu bekommen, wo Nawalny behandelt wird. Erst dann werde sich der Fall einordnen lassen.

Viele offene Fragen

Nach dem Transport des erkrankten Kremlkritikers nach Berlin könnten am Montag weitere Details zu seinem Gesundheitszustand bekannt werden. Nawalny wurde am Wochenende von deutschen Ärzten in der Charité umfassend untersucht. Mit Informationen sei frühestens am Montag zu rechnen, hieß es. Die behandelnden Ärzte wollen sich erst nach Abschluss der Untersuchungen und Rücksprache mit der Familie äußern. Auch Nawalnys Mitarbeiter wollen Auskunft geben. Wann genau, war zunächst unklar.

Berlin: Sanitäter vom Bundeswehr Rettungsdienst bringen die Spezialtrage, mit der Nawalny in die Charite eingeliefert wurde, zurück in den Krankenwagen. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)Berlin: Sanitäter vom Bundeswehr Rettungsdienst bringen die Spezialtrage, mit der Nawalny in die Charite eingeliefert wurde, zurück in den Krankenwagen. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Der Filmproduzent Jaka Bizilj, der den Flug nach Berlin organisiert hatte, geht davon aus, dass Nawalny überleben wird. Der "Bild" sagte Bizilj am Sonntagabend: "Aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage, ob er das unbeschadet übersteht und seine Rolle weiter einnehmen kann." In diesem Fall sei Nawalny aber sicherlich mindestens ein, zwei Monate politisch außer Gefecht gesetzt.

"Bitten alle darum, Geduld zu bewahren"

Die Sprecherin des Kreml-Gegners, Kira Jarmysch, zeigte sich erstaunt über diese Mitteilung. Niemand habe im Moment Zugang zu Informationen über den Zustand Nawalnys – schon gar nicht jemand, der nicht zur Familie gehöre. "Die Familie Alexejs hat niemanden beauftragt, der Presse etwas mitzuteilen über seine Gesundheit", schrieb sie im Nachrichtenkanal Telegram am frühen Montagmorgen. "Im Moment gibt es keine neuen Einzelheiten zu Alexejs Gesundheit. Wir bitten alle darum, Geduld zu bewahren und nicht auf unwahre Mitteilungen zu reagieren", meinte sie. Autorisierte Informationen könne es nur von den Ärzten oder von ihr selbst geben, betonte Jarmysch.

Alexej Nawalny: Der Kreml-Kritiker wurde offenbar vor seiner möglichen Vergiftung ständig überwacht.  (Quelle: dpa)Alexej Nawalny: Der Kreml-Kritiker wurde offenbar vor seiner möglichen Vergiftung ständig überwacht. (Quelle: dpa)

Der 44-Jährige, einer der schärften Kritiker von Kreml-Chef Wladimir Putin, liegt seit Donnerstag im Koma. Er soll nach Angaben seines Umfelds vergiftet worden sein. Die russischen Ärzte sprachen lediglich von Stoffwechselproblemen. Erst nach langem Zögern wurde der Regierungskritiker am Wochenende zur Behandlung nach Deutschland gebracht. Die Familie warf den russischen Behörden und Ärzten vor, mit dieser Verzögerungstaktik eine Vergiftung vertuschen zu wollen. Auch der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Dirk Wiese, forderte eine transparente Aufklärung des Falls.

Nawalny steht in der Klinik in Berlin-Mitte unter dem Schutz des Bundeskriminalamts (BKA). "Der polizeiliche Schutz von Alexej Nawalny wurde zunächst durch den Bund übernommen", sagte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Am Sonntag waren mehrere Einsatzkräfte vor dem Eingang der Charité. Seine Ehefrau Julia und einer seiner engsten Vertrauten durften zu Nawalny. Zuvor war der russische Oppositionelle unter starkem Polizeischutz vom Flughafen Tegel in die Klinik transportiert worden.

Kreml-Kritiker im Koma

Noch immer sind die genauen Umstände des Falls unklar. Nawalny hatte bei einer Reise in Sibirien in einem Flugzeug unter starken Schmerzen das Bewusstsein verloren. Am Wochenende wurde bekannt, dass er von Sicherheitskräften bei seiner Reise umfassend beschattet worden sein soll. Dabei soll dokumentiert worden sein, mit wem Nawalny sich getroffen, was er gegessen und wo er geschlafen hat. Sogar eine Sushi-Bestellung seiner Mitarbeiter wurde dabei angeführt.

Ein Spezialflugzeug mit dem Kremlkritiker Nawalny an Bord steht auf dem Flughafen Tegel vor einem Hangar. Eine Trage wird aus den Flieger gehoben.  (Quelle: dpa)Ein Spezialflugzeug mit dem Kremlkritiker Nawalny an Bord steht auf dem Flughafen Tegel vor einem Hangar. Eine Trage wird aus den Flieger gehoben. (Quelle: dpa)

Der Oppositionelle Ilja Jaschin kündigte an, eine offizielle Anfrage an den Inlandsgeheimdienst FSB stellen zu wollen. Es sei ungeheuerlich, dass Geheimdienstmitarbeiter einen Oppositionspolitiker bespitzelten, schrieb Jaschin auf Facebook.

Nawalny wollte am Donnerstag von Sibirien zurück nach Moskau fliegen. Am Flughafen in Tomsk habe er noch einen Tee getrunken, sagte Nawalnys Sprecherin. Während des Flugs habe er sich unwohl gefühlt und noch an Bord das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug landete dann in Omsk in Sibirien, wo er zunächst versorgt wurde.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Alba Modatchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal