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Ungarn: Enorme Hilfsbereitschaft f├╝r Geflohene

Von dpa
Aktualisiert am 05.03.2022Lesedauer: 3 Min.
Aus der Ukraine geflüchtete Menschen nahe einer Flüchtlingsunterkunft im ungarischen Beregsurány.
Aus der Ukraine geflüchtete Menschen nahe einer Flüchtlingsunterkunft im ungarischen Beregsurány. (Quelle: Marton Monus/dpa./dpa)
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Tiszabecs (dpa) - Mehr als eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer hat Russlands Krieg in die Flucht geschlagen. In den Notunterk├╝nften entlang der 140 Kilometer langen Grenze Ungarns zur Ukraine sind fast ausschlie├člich Frauen und Kinder anzutreffen. Das Gesicht der Flucht ist hier weiblich.

Frauen wollen ihre betagten, an Krankheiten leidenden M├╝tter und Gro├čm├╝tter in Sicherheit bringen, junge M├╝tter ihre kleinen Kinder. Am Steuer der Autos, die ├╝ber die Grenze kommen, sitzen fast nur Frauen. M├Ąnner im wehrf├Ąhigen Alter, das in der Ukraine von 16 bis 60 Jahren reicht, lassen die ukrainischen Grenzbeamten nicht durch.

Mitgef├╝hl, Solidarit├Ąt und Hilfsbereitschaft

Jewgenija (20), eine Journalistin aus der umk├Ąmpften Millionenstadt Charkiw, bringt es so auf den Punkt: "Wenn du jetzt kein K├Ąmpfer, kein Soldat bist, musst du sehen, dass du ├╝berlebst." Mit ihrer alten Gro├čmutter hat sie das Erstaufnahmezentrum der ungarischen Baptisten in Tiszabecs erreicht.

Die Wohnviertel von Charkiw seien vom russischen Milit├Ąr gnadenlos mit Raketen beschossen worden, sagt Jewgenija, die ihren vollen Namen nicht nennen wollte. "Nach vier Tagen, die wir meist im Bunker verbrachten, entschlossen wir uns zur Flucht." Das Ziel der beiden Frauen ist Konstanz am Bodensee, wo Jewgenijas Eltern bereits leben.

In Ungarn treffen die Geflohenen aus der Ukraine auf viel Mitgef├╝hl, Solidarit├Ąt und Hilfsbereitschaft. Menschen aus ganz Ungarn geben am Hilfszentrum in Tiszabecs haltbare Lebensmittel, Decken, Kleider, Kinderspielzeug, Hygienebedarf ab. Andere bieten Mitfahrgelegenheiten und Unterkunft in ihren H├Ąusern und Wohnungen an. Die Menschen aus dem Nachbarland k├Ânnen die ungarische Eisenbahn und die ├Âffentlichen Verkehrsmittel in Budapest kostenfrei nutzen.

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Im Hilfszentrum von Tiszabecs arbeiten 30 Mitarbeiter des Hilfswerks der ungarischen Baptisten sowie Freiwillige, die sich oft spontan gemeldet haben. "Es ist zutiefst beeindruckend, wie sich ganz Ungarn f├╝r die Menschen aus der Ukraine einsetzt", sagt Reka Berczelly, eine Sprecherin des Hilfswerks. Die Lager mit Hilfsg├╝tern seien voll. Aber man weise nichts zur├╝ck, da niemand wissen k├Ânne, wie sich die Lage weiter entwickelt.

Eine der spontanen Freiwilligen ist die Budapester Start-up-Unternehmerin Dalma Teveli (26). Sie und ihre Freundin h├Ątten sich kurzfristig entschlossen. Mal stehen sie unmittelbar am nahen Grenz├╝bergang, um den Ank├Âmmlingen Sandwiches, Schokoriegel und Trinkwasser zu reichen, mal helfen sie im Hilfszentrum aus. "Die Anstrengungen werden hier von Zivilorganisationen, Kirchengemeinden wie den Baptisten und privaten Freiweilligen getragen", sagt sie.

Rechtsnationale Regierung reagierte 2015 anders

Teveli hatte schon 2015, im Jahr der gro├čen Fl├╝chtlingswanderung in Europa, am Budapester Ostbahnhof gestanden. "Da haben wir Menschen aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan geholfen", erinnert sie sich. Doch die rechtsnationale Regierung von Ministerpr├Ąsident Viktor Orban hie├č die damaligen Fl├╝chtlinge gar nicht willkommen.

Der m├Ąchtige Regierungschef, der seit 2010 amtiert, schwadronierte damals von einer "gelenkten illegalen Migration", die die Eliten des Westens angezettelt h├Ątten. Mit islamischen Einwanderern h├Ątten sie die "christliche und nationale Identit├Ąt" der europ├Ąischen V├Âlker zerst├Âren wollen. Die Ukrainer seien hingegen "gute Christen", die sich leicht integrieren lie├čen, hei├čt es aus Orbans Umfeld.

Heute h├Ąngt Orban aber eher nach, dass er jahrelang eine politische Freundschaft mit dem russischen Pr├Ąsidenten Wladimir Putin pflegte. Inzwischen tr├Ągt er die EU-Sanktionen gegen Russland, die Beschl├╝sse der Union zu Waffenlieferungen an die Ukraine mit. Die von ihm kontrollierten staatlichen Medien rufen zur Solidarit├Ąt mit den Kriegsfl├╝chtlingen aus der Ukraine auf.

Am 3. April stehen in Ungarn Parlamentswahlen an. Erstmals seit zw├Âlf Jahren sieht sich der Regierungschef einer geeinten Opposition gegen├╝ber, die zumindest eine Chance hat, ihn abzuw├Ąhlen. Orban reitet geschickt auf der Welle des Mitgef├╝hls mit den ukrainischen Opfern seines langj├Ąhrigen Freundes im Kreml. Und er wirbt mit einem popul├Ąren Versprechen: "Wir werden Ungarn aus dem Krieg heraushalten."

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