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"Wenn es sein muss, schalten wir heute ab"

Von Fabian Reinbold

04.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Robert Habeck: Der Wirtschaftsminister in Abu Dhabi vor einer Solaranlage.
Robert Habeck: Der Wirtschaftsminister in Abu Dhabi vor einer Solaranlage. (Quelle: Frank Ossenbrink/imago-images-bilder)
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Wie abhängig sind wir wirklich noch von russischem Gas? Regierungsberater Georg Zachmann gibt sich optimistisch, sieht aber noch zwei Probleme – und ein Dilemma.

Beim Öl machen die Europäische Union und Deutschland jetzt Tempo: Spätestens bis zum Jahresende soll es ein vollständiges Einfuhrverbot für Öl aus Russland geben. Beim russischen Gas jedoch bremst bislang vor allem Deutschland.

Georg Zachmann, der die Bundesregierung bei Fragen der Abkoppelung von russischer Energie berät, sieht Deutschland zwar auch beim Gas auf einem guten Weg. Er sagt jedoch: "Eine Reihe von Dingen hätte besser laufen können."

t-online: Herr Zachmann, seit Monaten versucht Deutschland, sich von russischem Gas loszusagen. Sind wir auf einem guten Weg?

Georg Zachmann: Ja, Deutschland ist auf einem guten Weg. Die Bundesregierung und insbesondere das Wirtschaftsministerium haben verstanden, wie gefährlich es ist, die Abhängigkeit von Russland über den Herbst hinaus zu verlängern. Man hat angefangen, dicke Bretter zu bohren, und versucht Dinge zu tun, die so nicht zu erwarten gewesen waren.

Wie etwa?

Wie die schnellen Entscheidungen zum Kauf und Ausbau von LNG-Infrastruktur, wie nun mit den schwimmenden Terminals.

Vom Grünen Robert Habeck hätten Sie solch ein Engagement für klimaschädliches Flüssigerdgas nicht erwartet?

Nicht unbedingt. Doch es wird jetzt viel getan, um Lösungen für die Probleme zu finden, die man identifiziert hat. Ich denke, die Bundesregierung identifiziert jede Woche und jeden Tag neue Probleme. Und sie ist in einer wahrlich schwierigen Situation gestartet: Die ganze deutsche Energiepolitik war darauf ausgelegt, dass hier noch zusätzlich Gas importiert werden würde durch eine Pipeline, die jetzt fertig sein sollte…

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…Nord Stream 2…

Ja, aus einem Land, das eines unserer Partnerländer in Schutt und Asche legt und uns selbst mit Atomwaffen droht. Man steht vor den Trümmern von 35 Jahren Energiepolitik und vor diesem Hintergrund geht der Wandel vergleichsweise schnell. Aber eine Reihe von Dingen hätte besser laufen können.

Georg Zachmann, 42, arbeitet seit gut zwölf Jahren bei der Brüsseler Denkfabrik Bruegel zu Energie- und Klimapolitik. Seine Doktorarbeit schrieb er zuvor über europäische Elektrizitätsmärkte. Er hat mehrfach die Bundesregierung in diesen Fragen beraten.

Und zwar?

Zum einen Energiesparen. Hier hätte man viel schneller handeln müssen. Das kann man jetzt nicht mehr so gut aufholen. Wenn man das Energiesparen schon im vergangenen Dezember und Januar mit Maßnahmen vorbereitet hätte, dann hätten wir jetzt schon mehr Gas im Speicher. Das würde uns sehr helfen.

Tatsächlich: Vom Energiesparen spricht die Politik bislang kaum.

Der Fokus liegt beim Geldausgeben, auf der Beschaffung von zusätzlichen Gas-Molekülen und nicht beim Einsparen von Molekülen. Siehe etwa die Terminals für Flüssiggas, die nun errichtet werden. Es wird sehr, sehr viel Geld für Gaslieferungen ausgegeben. Ich sage nicht, dass das falsch ist, aber dass wir so wenig machen, was Energieeinsparung angeht, ist in meinen Augen ein Problem, das mit Politik zu tun hat. Man hat Angst hat, den Wählern zu erklären, dass sie ein bisschen kälter oder ein bisschen kürzer duschen sollen und Pullover anziehen und vielleicht einen Raum weniger heizen.

Und das zweite Problem?

Man hätte sich europäisch mehr abstimmen sollen und die Partner besser informieren. Ich verstehe, dass die Zeit drängt und der Alleingang verlockend ist. Aber man hätte stärker die Hand ausstrecken können und etwa mit einer großen europäischen Delegation nach Katar fliegen können.

Sie spielen auf die Reise von Minister Habeck an, der im März mit einer deutschen Delegation nach Katar und Dubai gereist ist, um den Kauf von Flüssiggas vorzubereiten.

Ja, man hätte aber auch ein gemeinsames europäisches Angebot für Gas aus Katar machen können. Vielleicht wäre die Vorbereitung etwas komplexer gelaufen, doch es wäre ein wichtiges Signal gewesen. Am Ende ist Deutschland beim Gas derart abhängig von seinen Nachbarn: vom Volumen, aber auch von der Infrastruktur. Da müssen wir stärker zusammenarbeiten, wenn es darum geht, die kommenden Winter ohne russische Energie überstehen zu können.

Robert Habeck bei der Kabinettsklausur in Schloss Meseberg.
Robert Habeck bei der Kabinettsklausur in Schloss Meseberg. (Quelle: Michele Tantussi/Reuters-bilder)

Wie wahrscheinlich ist es, dass Putin Deutschland den Gashahn doch noch zudreht?

Je weniger wir uns darauf vorbereiten, desto wahrscheinlicher wird dieser Fall.

Das müssen Sie erklären.

Wenn wir nichts tun, würde Putin uns erpressen und wohl bald fordern, dass wir unsere Sanktionen zurücknehmen. Und im Herbst, sobald wir wieder mehr Gas benötigen, wird er uns erst recht unter Druck setzen, der Ukraine keine Waffen oder kein Benzin mehr zu liefern: "Wenn ihr damit nicht aufhört, dann sorge ich dafür, dass die deutsche Wirtschaft den Bach runterrauscht. Das wollt ihr doch nicht wirklich." Das ist das wahrscheinliche Szenario, wenn wir uns nicht schleunigst auf ein Leben ohne russisches Gas vorbereiten.

Im Umkehrschluss heißt das: Wenn wir uns darauf vorbereiten, fließt das Gas höchstwahrscheinlich weiter?

Wir sind mal wieder in einem Präventionsdilemma – viele der teuren Vorbereitungen sind nur dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn es zum Lieferstopp kommt. Das macht die Vorbereitung für Wirtschaft und Politik so schwer. Deshalb kann es sinnvoll sein, selbst das russische Gas abzustellen. Dann haben Politik und Wirtschaft Klarheit. Aber es ist natürlich auch ein Schuss ins eigene Knie. Man verzichtet dann auf zwei Milliarden Kubikmeter, die man pro Woche aus Russland gegenwärtig noch bekommt und die nicht ganz einfach zu ersetzen sind.

Wie schnell können wir das russische Gas denn ersetzen?

Wenn es sein muss, schalten wir russisches Gas heute ab. Dann drehen wir Nord Stream 1 zu und gucken, ob die Russen weiter durch die Pipelines in der Ukraine liefern oder ob sie uns dann die lange Nase zeigen und sagen: Dann gibt es halt kein Gas mehr. Wenn dem so sein sollte, dann leben wir von den Speichern, der nordwesteuropäischen Gaserzeugung und von den LNG-Importen und fangen an, ganz massiv zu sparen.

Also doch ein bisschen frieren fĂĽr den Frieden?

Dann müssen wir die Leute dazu bringen, wirklich kälter zu duschen, nach Möglichkeit schon den Schwimmbädern verbieten, das Wasser zu heizen, und führen dann das Tempolimit ein, um mehr Diesel übrigzuhaben und im Zweifel auch ein paar Gasturbinen jetzt mit Diesel betreiben zu können. Und dann suchen wir ernsthaft nach ein paar Dutzend Atombrennstäben, damit unsere Kernkraftwerke noch etwas länger laufen können und fragen die Gesellschaft für Reaktorsicherheit, ob es doch sicher geht, die Kernkraftwerke statt 34 nun 36 Jahre laufen zu lassen.

So richtig realistisch klingt das nicht.

Von den Zahlen her ist das auf europäischer Ebene möglich. 60 Prozent unseres Gases bekommen wir eh nicht aus Russland, 20 Prozent können wir zusätzlich insbesondere via Flüssiggas importieren und 20 Prozent müssen Haushalte und Industrie einsparen oder durch andere Energieträger ersetzen. Das ist machbar. Aber die politischen Kosten sind natürlich hoch, wahrscheinlich zu hoch, als dass das jemand sehenden Auges jetzt so entscheiden würde. Deswegen hören wir immer diese Aussage der deutschen Politik: Wenn uns Russland den Gashahn zudreht, wird es schon irgendwie gehen. Aber wir selbst wollen den Schritt nicht gehen.

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Polen und Bulgarien ist der Hahn bereits zugedreht worden.

Das zeigt doch, dass Russland im Zweifelsfall nicht vertragstreu ist. Diese Erkenntnis ist leider noch nicht ĂĽberall in Deutschland angekommen.

Herr Zachmann, vielen Dank für das Gespräch.

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Von Liesa Wölm
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