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Russische Flugzeuge über Ostsee abgefangen: Putins Luftnummer


Russische Flugzeuge über Ostsee abgefangen
Putins Luftnummer

Von Patrick Diekmann

18.04.2023Lesedauer: 4 Min.
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Wladimir Putin schickt Kampfflugzeuge in Richtung Nato-Grenze: Was steckt dahinter?Vergrößern des Bildes
Wladimir Putin schickt Kampfflugzeuge in Richtung Nato-Grenze: Was steckt dahinter? (Quelle: imago images/ITAR-TASS imago images/SNA Montage: Uf/t-online/imago images)

Deutsche und britische Kampfflugzeuge fangen vier russische Flugzeuge über der Ostsee ab. Was steckt hinter den Provokationen von Putins Luftwaffe?

Es ist schon wieder passiert. Britische und deutsche Kampfflugzeuge haben russische Jets über der Ostsee abgefangen. Allein am vergangenen Freitag waren es nahe Estland vier russische Flugzeuge, wie die Bundeswehr "Team Luftwaffe" am Montag auf Twitter berichtete: "Viel los über der Ostsee. Heute hat die Alarmrotte gleich vier russische Flugzeuge abgefangen."

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Es war nicht das erste Mal. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine treffen immer häufiger Flugzeuge und Drohnen der Nato und Russland aufeinander.

Nicht immer gehen diese Konflikte glimpflich aus. Erst im März zwangen zwei russische Kampfflugzeuge eine US-Drohne über dem Schwarzen Meer zum Absturz. Darüber hinaus fliegen russische Flugzeuge immer wieder in Richtung der Nato-Außengrenze.

Wladimir Putins Provokationen zeigen vor allem eines: Auch in der Luft gibt es einen neuen Kalten Krieg zwischen dem Westen und Russland. Die Luftraumverletzungen sind gefährliche Muskelspiele. Aber haben die Flüge für den Kreml auch militärisch einen Sinn?

Bereits neun Alarmstarts der Luftwaffe im Jahr 2023

Wer dieser Frage nachgeht, stellt zunächst fest: Derartige Luft-Zwischenfälle an der Nato-Russland-Grenze gibt es seit dem Kalten Krieg immer wieder. In der Vergangenheit hat die Zahl im Wechsel mal zu-, mal abgenommen. Zuletzt wuchs sie stark an.

So mussten Nato-Abfangjäger im Jahr 2022 570-mal starten, um russische Militärflugzeuge abzufangen und zu eskortieren, wie zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtete und Nato-Sicherheitskreise t-online bestätigten. Damit hat sich die Zahl der Einsätze gegenüber 2021 fast verdoppelt. Damals kam es zu 290 derartigen Fällen. Insgesamt seien laut Nato im Baltikum mehr als 60 Nato-Kampfjets jederzeit einsatzbereit.

Auch die Bundeswehr ist häufiger im Einsatz. "In den Jahren 2021 gab es drei Einsätze, im Jahr 2022 mussten 30-mal Kampfflugzeuge der Luftwaffe aus Deutschland und Estland aufsteigen, um russische Militärluftfahrzeuge über dem Ostseeraum zu identifizieren und gegebenenfalls zu eskortieren", sagte ein Sprecher der Luftwaffe t-online. Im Jahr 2023 habe es bis Ende Februar "neun Alarmstarts" gegeben.

Die Auslöser in allen Fällen: russische Militärmaschinen. Darüber hinaus müssen die Alarmrotten auch aufsteigen, wenn der Funkkontakt zu zivilen Maschinen abgebrochen ist.

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Der Schutz des Luftraums an der Nato-Ostflanke wechselt, auch die deutsche Luftwaffe beteiligt sich aktuell für mehrere Wochen mit drei Eurofightern am Schutz des Luftraums über dem Baltikum. "Bislang erfolgten keine Verletzungen des deutschen oder des Nato-Luftraums durch russische Militärluftfahrzeuge", erklärt der Sprecher der Luftwaffe. "In den meisten Fällen handelte es sich um russische Aufklärungs- und Transportflugzeuge, die durch russische Kampfflugzeuge begleitet werden."

Über eine Bewaffnung der russischen Flugzeuge wollte die Luftwaffe dagegen keine Angaben machen. Bisher konnten sie jedoch immer rechtzeitig vor dem Erreichen des Nato-Luftraums abgefangen werden.

Test der Nato-Verteidigungsbereitschaft

Doch was steckt nun hinter den russischen Provokationen?

Zum einen testen die Nato und Russland regelmäßig die Reaktionsfähigkeit der Gegenseite. Für Russland geht es dabei unter anderen um die Frage, wie lange die Nato-Jets brauchen, um auf russische Anflüge zu reagieren. Im Falle eines militärischen Konflikts wären das wichtige Informationen für einen strategischen Erstschlag oder Gegenangriff. Das ist der militärische Hintergrund.

Doch viel signifikanter für Russland ist zum anderen die politische Demonstration der militärischen Stärke gegenüber der Nato. Putin verliert aktuell durch die hohen russischen Verluste in der Ukraine massiv an militärischem Abschreckungspotenzial. Russland ist zwar die größte Atommacht der Welt, aber bei den konventionellen Streitkräften ist eigentlich nur noch die russische Luftwaffe gut aufgestellt, wenngleich es Putins Kampfflugzeugen vor allem an gelenkten Raketen fehlt.

Erhöhtes Konfliktpotenzial

Es ist außerdem im politischen Interesse Putins, die westlichen Gesellschaften zu verunsichern, um so den westlichen Rückhalt für die Ukraine zu schwächen. Der Kreml spielt hier mit der Angst vor einem Krieg zwischen der Nato und Russland oder mit der Furcht vor einer atomaren Auseinandersetzung. Deswegen fliegen auch gelegentlich russische atomwaffenfähige Bomber in Richtung Nato-Grenze. Dieses atomare Muskelspiel dient vor allem der Einschüchterung.

Fakt ist bei all dem: Es gibt zwar deutlich mehr russische Provokationen, aber auch Nato-Flugzeuge fliegen regelmäßig in Richtung russischer Grenze. Im März flog ein US-Bomber vom Typ B-52 über internationalem Gewässer gerade auf Sankt Petersburg zu, um dann in Richtung Süden mit Kurs auf Estland abzudrehen.

Die USA verletzten damit zwar nicht den russischen Luftraum, aber die Botschaft an Moskau war klar: Die B-52 kann auch mit Atomwaffen bestückt werden. Kurz danach folgten die riskanten Manöver der russischen Kampfflugzeuge gegen die US-Drohne über dem Schwarzen Meer.

Die Eskalationsspirale dreht sich demnach auch in der Luft weiter – und das macht die Lage gefährlich.

Putin weiß, dass der Westen einen direkten Konflikt mit Russland vermeiden will. Deswegen versucht seine Luftwaffe offenbar, mit Einschüchterungsversuchen die Nato dazu zu bewegen, vorsichtiger bei eigenen Spionage- und Drohnenflügen zu agieren. Die Provokationen erhöhen aber in jedem Fall die Wahrscheinlichkeit, dass menschliche Fehler zu Zwischenfällen führen könnten, die Menschenleben kosten können. Und dadurch wächst wiederum das Konfliktpotenzial, auch über der Ostsee.

Verwendete Quellen
  • Statement der deutschen Luftwaffe auf Anfrage von t-online
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • twitter.com: Team Luftwaffe
  • rnd.de: Nato fängt in 570 Fällen russische Jets ab – doppelt so viele wie im Vorjahr
  • zdf.de: So wird der Nato-Luftraum geschützt
  • zeit.de: Kalter Krieg in der Luft
  • spiegel.de: Nato-Jets absolvierten rund 290 Alarmstarts wegen russischer Flugzeuge
  • n-tv.de: Russische Militärflugzeuge nähern sich öfter NATO-Luftraum
  • rnd.de: Russische Militärflugzeuge bei Polen abgefangen
  • welt.de: Royal Airforce fängt russische Flugzeuge ab
  • merkur.de: Putin-"Provokation" nahe Estland: Britische und deutsche Kampfjets fangen russische Flugzeuge ab
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