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Zum journalistischen Leitbild von t-online.Ankündigung mit Eskalationspotenzial Indien will Pakistan die Lebensader abschnüren

Indiens Regierungschef Narendra Modi droht Pakistan damit, das Wasser des Flusses Indus nicht mehr über die gemeinsame Grenze fließen zu lassen. Das könnte den Konflikt weiter eskalieren lassen.
Es ist eine Ankündigung mit Sprengpotenzial. Indiens hindu-nationalistischer Premierminister Narendra Modi kündigte am Dienstagabend an, in Reaktion auf den Konflikt zwischen Indien und dem Nachbarland Pakistan den Wasserfluss des Indus über die gemeinsame Grenze stoppen zu wollen. Am Dienstagabend hatte Indien mehrere Ziele auf pakistanisch kontrolliertem Gebiet beschossen, was die Sorge vor einem größeren Krieg zwischen beiden Staaten neu entfacht.
"Indiens Wasser wird künftig für Indiens Fortschritt verwendet. Es wird für unser Land konserviert und genutzt", sagte Modi in einer Fernsehansprache. Pakistan hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, den nun von Modi angekündigten Schritt als kriegerischen Akt werten zu wollen.
Der Indus ist die Lebensader Pakistans
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Pakistan hat seit Jahren mit wachsender Wasserknappheit zu kämpfen – und der Indus ist die Lebensader des Landes mit 247 Millionen Einwohnern. Durch sein Wasser floriert die Landwirtschaft, die 23 Prozent des pakistanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmacht und mehr als zwei Drittel seiner ländlichen Bevölkerung laut einem Bericht der Weltbank mit Nahrung versorgt. Seit 1960 wird der Wasserfluss der Flüsse des Indus-Beckens durch den Indus-Wasservertrag geregelt, den Indien am 23. April einseitig aufgekündigt hat.
Wenn Narendra Modi seine Drohung wahr macht und das Wasser nach Pakistan wirklich stoppt, könnte diese Maßnahme zu geringeren Ernteerträgen, Nahrungsmittelknappheit und wirtschaftlicher Instabilität in ländlichen Gebieten führen, die von der Landwirtschaft abhängig sind, warnen Experten im Fachjournal "Journal of Public Affairs". Mehr zu weiteren Konflikten um die Ressource Wasser lesen Sie hier.
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Anschlag als Auslöser für Spannungen
Auslöser der Zuspitzung war ein Anschlag am 22. April im indischen Teil Kaschmirs, bei dem 26 Hindu-Touristen getötet wurden. Indien warf Islamabad eine Beteiligung vor, da zwei der drei Angreifer pakistanische Staatsangehörige waren. Pakistan wies die Vorwürfe zurück.
Indien beschuldigt Pakistan seit Langem, islamische Extremisten zu unterstützen. Das Kaschmirgebiet ist für den Tourismus wichtig, zugleich ist dort der Grenzverlauf umstritten. Kaschmir ist überwiegend von Muslimen bewohnt, während in Indien Hindus die Mehrheit stellen.
Die Rivalen hatten auf den Anschlag mit scharfen Maßnahmen gegeneinander reagiert – von der Aussetzung des Handels über die Schließung ihres Luftraums bis hin zur Reduzierung des Botschaftspersonals. Pakistan testete zudem binnen drei Tagen zwei Raketen. Indien kündigte Übungen des Zivilschutzes an, bei denen unter anderem Luftschutzsirenen überprüft und Evakuierungspläne aktualisiert werden sollen.
- bbc.com: "India to stop water flowing across international borders, Modi says" (Englisch)
- ndtv.com: "India Suspends Indus Waters Treaty, Shuts Attari Border In Strong Response To Pakistan" (Englisch)
- timesofindia.indiatimes.com: "Pahalgam terror attack: What is Indus Water Treaty and how will its suspension impact Pakistan?" (Englisch)
- onlinelibrary.wiley.com: "Seeking a strategic cross boundary solution to the Indus Water basin sharing decisions" (Englisch, kostenpflichtig)