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Jamal Khashoggi: Türkei wirft Saudi-Arabien Mord an Regierungskritiker vor

Verschwundener Regierungskritiker  

Türkei wirft Saudi-Arabien Mord in Konsulat vor

07.10.2018, 15:51 Uhr

Jamal Khashoggi: Türkei wirft Saudi-Arabien Mord an Regierungskritiker vor. Der saudiarabische Journalist Jamal Khashoggi: Seit Tagen fehlt von ihm jede Spur. (Quelle: Reuters/Osman Orsal)

Der saudiarabische Journalist Jamal Khashoggi: Seit Tagen fehlt von ihm jede Spur. (Quelle: Osman Orsal/Reuters)

Seit Tagen fehlt von einem Kritiker der saudiarabischen Regierung jede Spur. Wurde Jamal Khashoggi in einem Konsulat des Landes in der Türkei ermordet? Das zumindest vermuten die türkischen Behörden.

Im Fall des in Istanbul verschwundenen saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi geht die türkische Polizei offenbar von einem Mord aus. Ersten Erkenntnissen zufolge sei dafür eigens ein Kommando in die Türkei gereist, das das Land noch am selben Tag wieder verlassen habe, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Regierungskreisen in Ankara. Saudi-Arabien wies die Vorwürfe als "gegenstandslos" zurück.

Der regierungskritische Journalist Khashoggi ist seit einem Besuch im saudiarabischen Konsulat in Istanbul am Dienstag verschwunden. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete am Samstag unter Berufung auf die Polizei, am Dienstag seien rund 15 Saudi-Araber an Bord von zwei Flugzeugen in Istanbul gelandet und hätten das Land nach einem Besuch im Konsulat zur gleichen Zeit wie Khashoggi am selben Tag wieder verlassen.

Sie glaube nicht, dass Khashoggi getötet worden sei, schrieb seine türkische Verlobte Hatice C. im Kurzbotschaftendienst Twitter. Der 59-Jährige, der unter anderem für die "Washington Post" schreibt, war in das Konsulat gegangen, um ein Dokument für seine Hochzeit abzuholen. Laut seiner Verlobten, die währenddessen draußen wartete, kam er nicht wieder heraus. Die saudiarabischen Behörden erklärten hingegen am Donnerstag, Khashoggi sei erst nach Verlassen des Konsulats verschwunden.

Saudi-Arabien nennt Vorwürfe "gegenstandslos"

Die am Samstag erhobenen Mordvorwürfe wies Saudi-Arabien umgehend als "gegenstandslos" zurück. Ein Team saudiarabischer Ermittler sei in der Türkei und arbeite mit den dortigen Behörden zusammen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf einen nicht genannten Vertreter des Konsulats in Istanbul.

Am Mittwoch hatte das türkische Außenministerium den saudiarabischen Botschafter wegen des Falls einbestellt. Saudi-Arabien hatte der Türkei danach angeboten, das Konsulat zu durchsuchen. Kronprinz Mohammed bin Salman sagte in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, der Journalist befinde sich nicht in dem Konsulat, die türkischen Behörden könnten sich selbst davon überzeugen.

Kritiker der Politik des Kronprinzen

Der frühere Regierungsberater Khashoggi war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme ins US-Exil gegangen. Er hatte wiederholt die Politik des mächtigen Kronprinzen bin Salman sowie die Militärintervention des Königreichs im Jemen kritisiert. Bin Salman hat zwar weitreichende wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen eingeleitet, doch zugleich die Repression gegen Kritiker und Oppositionelle verschärft.

Auf der Rangliste für Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen lag Saudi-Arabien im vergangenen Jahr auf Platz 169 von 180 Ländern. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte Saudi-Arabien auf, Beweise für ein Verlassen des Konsulats durch Khashoggi vorzulegen.

Verwendete Quellen:
  • AFP

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