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"Sea Watch 3": Wie sich Carola Rackete nicht inszeniert


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Die Nicht-Inszenierung der Carola Rackete

Von t-online, js

Aktualisiert am 01.07.2019Lesedauer: 3 Min.
Carola Rackete wird von Sicherheitskräften in ein Auto gebracht: Ihr droht eine lange Haftstrafe in Italien.
Carola Rackete wird von Sicherheitskräften in ein Auto gebracht: Ihr droht eine lange Haftstrafe in Italien. (Quelle: Guglielmo Mangiapane/Reuters-bilder)
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Sind Seenotretter Überzeugungstäter? Oder, wie Gegner sagen, eitle Selbstdarsteller? Der Fall der in Italien festgenommenen deutschen Kapitänin Carola Rackete ist eindeutig.

Manchmal wird Menschen, die von sich aus aufbrechen, um im Mittelmeer andere Menschen aus Seenot zu retten, vorgeworfen, es gehe ihnen vor allem: um sich. Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel warf den Aktivisten der "Lifeline" mal "moralische Selbstüberhöhung" vor. Der Autor Dirk Schümer nannte Seenotretter in einem Kommentar für die "Welt" "eitle Privatretter". Kommentatoren auf Facebook, Twitter oder Nachrichtenseiten sind oft weniger zurückhaltend.


Carola Rackete in Italien festgenommen

Carola Rackete vor Journalisten: Zwei Tage vor ihrer Festnahme sprach die Kielerin mit Medienvertretern auf der "Sea Watch 3".
"Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete: Die 31-Jährige aus Kiel hat mit ihrem Schiff Geflüchtete aus Seenot gerettet.
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Diese Vorwürfe sind meistens erkennbar politisch motiviert, um die Seenotrettung zu diskreditieren. Viele Menschen schreiben online über sich oder ihr Leben, und gerade für Menschen, deren Handeln politisch ist oder politisch diskutiert wird, wäre etwas öffentliche Kommunikation professionell, nicht eitel.

#noinsta

Umso bemerkenswerter ist, was sich online über Carola Rackete, 31, findet, die Kapitänin der "Sea Watch 3", die in der letzten Juni-Woche mit 42 Flüchtlingen an Bord den Hafen von Lampedusa angesteuert hat – nach mehr als zwei Wochen auf dem Meer, trotz eines Verbots der italienischen Regierung. Und die dafür festgenommen wurde. Eine Entscheidung über ihren Hausarrest soll Dienstag früh fallen. "Ich hatte Angst", sagte sie, Angst um die Geretteten, denn verzweifelte Flüchtlinge hätten gedroht, vom Boot zu springen.

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Man findet über Rackete nämlich: fast nichts. Keinen Twitter-Account, keinen Facebook-Account, keinen Instagram-Account (#noinsta). Keine Parolen, keine Reiseberichte, keine Videos, keine Appelle, keine Plädoyers. Der Wikipedia-Artikel über sie wurde am 27. Juni angelegt.

Ein berufliches Profil

Offensichtlich echt und leicht zu finden ist nur ein Profil auf Linkedin, einer Seite, die für die berufliche Vernetzung genutzt wird. Dort erfährt man, dass Rackete, 31 Jahre alt, nach eigenen Angaben Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch spricht und viele Jahre auf Forschungsschiffen gearbeitet hat – unter anderem auf der "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung und der "Arctic Sunrise" von Greenpeace International, was das Alfred-Wegener-Institut und Greenpeace Deutschland auf Nachfrage bestätigen. Die Arbeit für "Sea Watch" taucht als "Ehrenamt auf": Von Juni 2017 bis heute.

Das ist im Wesentlichen das, was bekannt ist über die Frau, die jetzt in allen Medien ist, für die die beiden Unterhalter Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf in kurzer Zeit mehr als eine halbe Million Euro gesammelt haben. Sie wurde in Preetz bei Kiel geboren und wuchs in Hambühren in Niedersachsen auf, das sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.


Das "Redaktionsnetzwerk Deutschland" sprach mit dem Vater Racketes. Der sagte, er mache sich Sorgen, wie seine Tochter damit umgehe, dass sie ungewollt im Rampenlicht stehe. "Das mag sie überhaupt nicht. Es ist ihr unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen".

Erst als sich die Situation auf dem Boot zuspitzte, als die "Sea Watch 3" mit Menschen unter Stress an Bord tagelang nirgends anlegen durfte, begann Sea Watch mit Öffentlichkeitsarbeit: In einem gut einminütigen Video erklärt Rackete relativ knapp, wo sie sich befindet und warum sie immer noch auf hoher See ist. Kurz vor der Einfahrt nach Lampedusa erklärte sie in einem anderen Video, dass sie beschlossen habe, ohne Erlaubnis einzulaufen.

Die Kampagne, die danach begann, mit Fotos, Hashtags, Spendenaufrufen und Solidaritätsbekundungen, wird von Unterstützern gestaltet und fokussiert sich auf die Festnahme und die drohende Haft. Sie hat einen anderen, spezifischen Anlass, nicht die Person Racketes oder auch nur ihre normale Arbeit auf dem Schiff zum Thema.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
  • Facebook-Video von "Sea Watch"
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