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Brände im Amazonas: "Ein Tropenwald ist normalerweise nicht brennbar"


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"Ein Tropenwald ist normalerweise nicht brennbar"

afp, Ivan Couronne

Aktualisiert am 27.08.2019Lesedauer: 3 Min.
Brände im Brasilien: Zahlreiche Feuer zerstören unzählige Hektar Regenwald.
Brasilien: Zahlreiche Feuer zerstören unzählige Hektar Regenwald. (Quelle: Christian Niel Berlinck/ICMBio/dpa-bilder)
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Tausende Brandherde lodern seit Jahresbeginn in Brasilien, Forscher sind alarmiert. Denn die jetzt tobenden Feuer sind der endgültige Todesstoß für viele Waldgebiete des Amazonas.

Die Zahl von rund 80.000 Brandherden in Brasilien seit Jahresbeginn macht hellhörig. Kann es sich hier um klassische Waldbrände handeln mit hoch lodernden Flammen, wie sie in Nordamerika und Europa gefürchtet sind? Experten zufolge gibt es große Unterschiede zwischen diesen Waldbränden und den Verwüstungen, die derzeit zum Erschrecken der Weltöffentlichkeit die "grüne Lunge" am Amazonas bedrohen.


Die "grüne Lunge" der Erde brennt

Die Karte zeigt aktive Brände in Brasilien und Nachbarländern, die vom 15. bis 22. August mithilfe von Satelliten beobachtet wurden.
Antonio Enésio Tenharin, Anführer der indigenen Tenharin, sitzt auf einem Feld, das durch die verheerenden Brände im brasilianischen Amazonasgebiet zerstört wurde.
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Bei den meisten Bränden in Brasilien handelt es sich um ein gezieltes Abfackeln des Geländes. Es ist der endgültige Todesstoß für einen Wald. "In den Tropen, nicht nur im Amazonas-Gebiet, wird das Feuer zur Bewirtschaftung des Bodens eingesetzt", sagt Jeffrey Chambers vom US-Forschungsinstitut Lawrence Berkeley (LBNL). "So werden landwirtschaftliche Abfälle entsorgt." Zu den Abfällen zählen auch Geäst und Gestrüpp, die nach dem Abholzen von Waldbeständen übrig bleiben.

Regenwälder eigentlich zu feucht

"Diese Brände dringen meistens nicht in die Wälder ein", erläutert Chambers. "Ein Tropenwald ist normalerweise nicht brennbar." Dafür seien die Tropenwälder zu feucht. Das seien völlig andere Verhältnisse als etwa in Kalifornien, wo selbst Funken eines kleinen Feuers ein Inferno auslösen können.

Im Amazonasgebiet hat es sich seit Menschengedenken eingespielt, dass die Baumstämme nach dem Roden des Waldes abtransportiert werden. In der Trockenzeit zwischen Juli und November wird das gerodete Gelände dann abgebrannt. Das gilt auch für die bereits bestehenden landwirtschaftlichen Flächen, auf denen das Abfackeln zugleich der Unkrautvernichtung dient.

Die Zusammenhänge sind mit Satellitenaufnahmen wissenschaftlich nachweisbar. "Es gibt in diesem Jahr eine sehr hohe Korrelation zwischen der Entwaldung und den Hitzepunkten", sagt die Direktorin des brasilianischen Umweltforschungsinstituts für den Amazonas (Ipam), Ane Alencar. Die Forscher können den Menschen über die Beobachtung aus dem All dabei zusehen, wie sie aktiv zur Entstehung der Brände beitragen.

"Schlussphase der Entwaldung"

Wenn der dichte Tropenwald noch intakt ist, hat er einen gewissen Schutz gegen die Brände. Selten fressen sich Flammen in die bis zu 30 Meter hohen Baumkronen durch. Das bedeutet jedoch keine Entwarnung für die Brandschützer: Die Flammen bringen den Bäumen in Bodennähe Schäden bei, es tritt ein Verzögerungseffekt ein, bevor die Bäume absterben.

Die Brände machten die zuvor erfolgte Waldrodung "sichtbar", stellt Paulo Brando von der Universität von Kalifornien klar. "Die Brände sind die Schlussphase der Entwaldung."

In den 1970er-Jahren begannen die Menschen, großflächig die Axt an die Amazonas-Wälder zu legen. Bis etwa zur Jahrtausendwende ging die Rodung immer schneller voran. Allein 2004 wurden in Brasilien 28.000 Quadratkilometer Wald gerodet. Danach wurde die Entwaldung stark gebremst, bevor sie 2014 wieder zunahm.

Kohlendioxid wird wieder freigesetzt

Die Höchstwerte aus dem vorangegangenen Jahrzehnt wurden aber nicht wieder erreicht. Für 2018 maß das brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE eine Waldrodung von 7.500 Quadratkilometern. Zunächst zeichnete sich aber eine gefährliche Trendumkehrung ab: Allein im Juli verschwanden am Amazonas mehr als 2.000 Quadratkilometer Wald.

Derzeit sei "vor allem eine Zunahme der Brände im Zusammenhang mit der Entwaldung" zu beobachten, sagt Brando. Es sei noch nicht klar, wie weit das auf den Urwald übergreife. Dies werde von den künftigen Niederschlägen abhängen.

Brandroden am schlimmsten

Unstrittig ist, dass die zahlreichen Brände in Brasilien die CO2-Bilanz enorm verschlechtern. Die Nichtregierungsorganisation The Nature Conservancy rechnet damit, dass jeder Hektar Amazonas-Wald 459 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid bindet. Wird der Wald gerodet und das Holz genutzt, gelangt das Kohlendioxid je nach Nutzungsart früher oder später wieder in den Kreislauf der Natur.

Die eindeutig ungünstigste Nutzungsart ist das Brandroden, weil das CO2 dann unmittelbar freigesetzt wird. In Brasilien sind das in wenigen Monaten leicht mehrere Hundert Millionen Tonnen.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur AFP
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