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50 Jahre 6-Tage-Krieg: Und am 7. Tag begann die Besatzung

Folgen bis in die Gegenwart  

Dieser Krieg veränderte alles

06.06.2017, 18:02 Uhr | dpa

50 Jahre 6-Tage-Krieg: Und am 7. Tag begann die Besatzung. Israelische Panzer rücken im Juni 1967 auf der Halbinsel Sinai auf ägyptische Stellungen vor. (Quelle: dpa/Israelisches Verteidigungsministerium)

Israelische Panzer rücken im Juni 1967 auf der Halbinsel Sinai auf ägyptische Stellungen vor. (Quelle: Israelisches Verteidigungsministerium/dpa)

Es war einer der kürzesten Kriege der Geschichte, doch seine Auswirkungen dauern bis heute an. Vor 50 Jahren eröffnet Israel mit einem Überraschungsangriff auf den ägyptischen Nachbarn den Sechs-Tage-Krieg. Der jüdische Staat kann sein Territorium binnen kurzer Zeit mehr als verdoppeln. Für die Araber hingegen endet der Krieg in einer vernichtenden Niederlage.

Der bis dahin dritte bewaffnete Konflikt zwischen Israel und den arabischen Nachbarstaaten bricht am 5. Juni 1967 aus. Um kurz nach acht Uhr tauchen mehr als 180 israelische Jets über dem Sinai auf und feuern die ersten Raketen ab. Noch ehe Ägyptens Armee überhaupt reagieren kann, zerstörten die Kampfflieger mehr als 300 MiG-Jagdflugzeuge am Boden.

90 Minuten dauert der Luftangriff, in dem große Teile der Streitkräfte Kairos zerstörten werden. Radar- und Abwehrstellungen liegen genauso in Trümmern wie Start- und Landebahnen. Israels Truppen besetzen den Sinai und rücken bis zum Suez-Kanal vor. Am 8. Juni stimmt Kairo einem Waffenstillstand zu, besiegt und gedemütigt. Den Verbündeten Syrien und Jordanien ergeht es kaum besser.

Im Sturm erobern israelische Bodentruppen auch das Westjordanland, den Gazastreifen, Ost-Jerusalem und die syrischen Golanhöhen, während die Welt staunend zusieht. Etwa eine Viertelmillion Menschen fliehen aus den Palästinensergebieten. Die arabische Allianz hat mehr als 15.000 Opfer zu beklagen, rund 700 Israelis sterben.

 Israelische Soldaten feiern und Tanzen im Juni 1967 an der Klagemauer in Jerusalem. (Quelle: dpa) Israelische Soldaten feiern und Tanzen im Juni 1967 an der Klagemauer in Jerusalem. (Quelle: dpa)

Beginn von 50 Jahren Besatzung

Der Krieg endet am 10. Juni 1967 - bis heute markiert er eine Zäsur. Es ist der Beginn von nunmehr 50 Jahren andauernder Besatzung in den Palästinensergebieten. Eine zum Schutz gegen Selbstmordattentäter gebaute Sperranlage und Kontrollpunkte des Militärs schränken die Bewegungsfreiheit der Menschen im Westjordanland ein. Der von der radikal-islamischen Hamas beherrschte Gazastreifen wird seit zehn Jahren blockiert. Verhandlungen für eine friedliche Lösung des blutigen Konfliktes sind immer wieder gescheitert.

Für Israelis hingegen steht der Sechs-Tage-Krieg für einen historischen Sieg. 1967 feiern sie die Eroberung des arabischen Ostteils von Jerusalem mit der Altstadt als Wunder. Ein Bild israelischer Fallschirmjäger an der Klagemauer, der wichtigsten religiösen Stätte für Juden weltweit, wird zum Symbol des Triumphs. 50 Jahre später begeht Israel die "Vereinigung" Jerusalems, das es als seine ewige, unteilbare Hauptstadt beansprucht. International ist dies nie anerkannt worden.

Israelische Soldaten lassen Gefangene am 06. Juni 1967 in Gaza in einer Reihe antreten, um sie anschließen zu identifizieren und zu verhören. (Quelle: dpa)Israelische Soldaten lassen Gefangene am 06. Juni 1967 in Gaza in einer Reihe antreten, um sie anschließen zu identifizieren und zu verhören. (Quelle: dpa)

Aufstieg des politischen Islam

Der Krieg bereitet aber auch den Boden für den Aufstieg des politischen Islam und des Extremismus. Das war nicht zuletzt dem gefährlichen diplomatischen Pokerspiel von Ägyptens damaligem Präsidenten Gamal Abdel Nasser geschuldet. Außen- wie innenpolitisch unter Druck heizte er die Spannungen mit Israel noch an. Im Frühjahr 1967 befahl er seinen Truppen, auf die Sinai-Halbinsel zu marschieren, wo UN-Truppen als Puffer zu Israel stationiert waren. Diese zogen auf Nassers Geheiß ab. Schließlich ließ er die Straße von Tiran für den Schiffsverkehr sperren. Der israelische Hafen Eilat war damit isoliert.

Doch Nassers Pokerspiel ging nicht auf. Noch vor dem Ende der Kampfhandlungen erklärte er am 9. Juni über das Radio seinen Rücktritt. Massendemonstrationen, die seinen Verbleib forderten, hielten ihn zwar noch an der Macht. Drei Jahre später aber starb er. In dem Vakuum, das er hinterließ, konnte sich der politische Islam ausbreiten, nicht zuletzt dessen radikalste Variante, der Dschihadismus. Für den US-libanesischen Autor Fawaz Gerges ist der Sechs-Tage-Krieg gar das Schlüsselerlebnis, um den Aufstieg des islamischen Extremismus zu erklären, der heute im Terror des Islamischen Staates (IS) gipfelt.

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