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Die Faktenlage: Was wir über Kims Waffen wissen

t-online, Martin Küper

Aktualisiert am 29.11.2017Lesedauer: 2 Min.
Straßenszene in Pjöngjang: Nach Einschätzung von Fachleuten kommen wesentliche Bauteile der nordkoreanischen Raketen aus Russland.
Straßenszene in Pjöngjang: Nach Einschätzung von Fachleuten kommen wesentliche Bauteile der nordkoreanischen Raketen aus Russland. (Quelle: Kyodo News/imago-images-bilder)
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Kaum ein Land ist so isoliert und so verarmt wie Nordkorea. Trotzdem unterhält das Kim-Regime ein Atomwaffen- und Raketenprogramm. Wie kann das sein?

Von Martin Küper

Vor elf Jahren hat Nordkorea die Welt zum ersten Mal mit einem erfolgreichen Atomwaffentest aufgeschreckt. Sechs weitere erfolgreiche Tests folgten, mittlerweile wird die Zahl der Atomsprengköpfe des Landes auf 30 bis 60 geschätzt. Neue Dringlichkeit bekommt der Konflikt um das Waffenarsenal des Landes mit dem nunmehr dritten erfolgreichen Test einer Interkontinental-Rakete.

Die Faktenlage zu den militärischen Fähigkeiten des Regimes im Überblick:

Reichweite. Kurz- und Mittelstreckenraketen hat Nordkorea schon seit den 1970er-Jahren auf der Grundlage sowjetischer Technik entwickelt. Der Durchbruch bei Interkontinental-Raketen gelang Anfang Juli 2017 mit dem erfolgreichen Test einer Hwasong-14-Rakete, die bis zu 8.000 Kilometer weit fliegen kann. Seither gehen Fachleute davon aus, dass Nordkorea tatsächlich das amerikanische Festland treffen kann.

Herkunft. Rüstungsexperten nehmen an, dass Nordkorea die Interkontinental-Raketen nicht selbst entwickelt. Ein Bericht des britischen International Institute for Strategic Studies (IISS) vom August kommt zu dem Ergebnis, dass wesentliche Teile der Hwasong-14 russisch-ukranischer Bauart sind und nach Nordkorea geschmuggelt wurden. Daran hat auch der deutsche NASA-Raketenbauingenieur Robert Schmucker keinen Zweifel. Die nordkoreanischen Techniker seien allerdings gut darin, zu improvisieren und die fremde Technik zu modifizieren.

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Atomtauglichkeit. Fraglich ist, ob Nordkorea seine Raketen mit Atomsprengköpfen bestücken kann. Um auf eine Rakete montiert zu werden, müssen Sprengköpfe verkleinert werden. Unter Fachleuten ist umstritten, ob das Regime die dafür nötige Expertise hat. Ein Foto vom März 2016 zeigt Machthaber Kim Jong Un zwar neben einem silberfarbenen, bombenförmigen Objekt, das klein genug wäre. Experten wie Melissa Hanham vom US-amerikanischen James Martin Center for Nonproliferation Studies halten den vermeintlichen Nuklearsprengkopf allerdings für eine Attrappe.

Machthaber Kim Jong Un (M.) mit Militärtechnikern, März 2016: Westliche Experten bewerten den angeblich raketenfähigen Nuklearsprengkopf als Attrappe.
Machthaber Kim Jong Un (M.) mit Militärtechnikern, März 2016: Westliche Experten bewerten den angeblich raketenfähigen Nuklearsprengkopf als Attrappe. (Quelle: imago-images-bilder)

Weiterentwicklung. In einem geleakten Bericht des US-Militärnachrichtendienstes DIA vom Juli heißt es allerdings, dass Nordkorea bereits Atomwaffen produziert habe, die sich mit einer Rakete ins Ziel bringen lassen. Die verkleinerten Sprengköpfe seien aber noch nicht getestet worden. Unklar ist auch, ob die nordkoreanischen Sprengköpfe den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen würde und ob die Raketen ausreichend treffsicher sind.

Finanzierung. Unbestritten sind die Fähigkeiten des Regimes darin, die bestehenden Handelssanktionen zu unterwandern. Ein Bericht des UNO-Sicherheitsrates von 2014 hält beispielsweise fest, dass nordkoreanische Handelsschiffe immer wieder unter fremder Flagge fahren. Weitere Geldquellen sind illegaler Waffenexport, Geldfälschung und -wäscherei, Schmuggel, Drogenhandel sowie die Ausbeutung nordkoreanischer Arbeiter in Russland, China und afrikanischen Ländern.

Schutzmächte. Umstritten ist, ob der illegale Transfer von Raketentechnologie nach Nordkorea mit der stillen Duldung Russlands und Chinas geschieht. Belege dafür gibt es nicht, es ist aber auch nicht auszuschließen. Zwar beteuern Peking und Moskau regelmäßig, kein Interesse an einem nuklear bewaffneten Nordkorea zu haben. Einen Regimewechsel in Pjöngjang wollen sie aber genauso wenig. Schließlich bildet Nordkorea einen wirksamen Puffer zu den 30.000 US-Soldaten, die in Südkorea stationiert sind.

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