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Erdogan will "bis zur irakischen Grenze" vorrücken

Von dpa, dru

26.01.2018Lesedauer: 3 Min.
Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede in Ankara: "Bis kein einziger Terrorist bis zur irakischen Grenze übrig bleibt."
Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede in Ankara: "Bis kein einziger Terrorist bis zur irakischen Grenze übrig bleibt." (Quelle: Yasin Bulbul/Pool Photo/ap-bilder)
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Die türkische Offensive gegen kurdische Milizen ist in vollem Gange. Doch Erdogan denkt schon weiter: Er will die Operation Hunderte Kilometer nach Osten ausdehnen – bis an die irakische Grenze.

Trotz anhaltender US-Kritik will der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Militäroperation in Nordwestsyrien Hunderte Kilometer nach Osten ausweiten. Nach der Region Afrin werde die Türkei die Region Manbidsch "von Terroristen säubern", sagte er am Freitag vor Bürgermeistern seiner islamisch-konservativen AKP in Ankara. "Und dann werden wir unseren Kampf so lange fortsetzen, bis kein einziger Terrorist bis zur irakischen Grenze übrig bleibt." Mit "Terroristen" meint Erdogan die syrischen Kurden.


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Die von kurdischen Milizen kontrollierte Stadt Manbidsch liegt östlich von Afrin. Von dort bis zur irakischen Grenze sind es noch mehrere Hundert Kilometer. Auf syrischer Seite wird die rund 900 Kilometer lange Grenze zum größten Teil von den kurdischen Volksschutzeinheiten YPG kontrolliert, die mit den USA verbündet sind.

Ankara sieht die YPG als syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, die nicht nur in der Türkei, sondern auch in Europa und den USA auf der Terrorliste steht. Allerdings wäre ein Vormarsch der Türkei in Richtung Manbidsch enorm heikel: Bis zuletzt hatten die USA dort Ausbilder stationiert. Es besteht die Sorge, dass es zwischen den eigentlich verbündeten USA und Türkei zu Zusammenstößen kommen könnte.

Erdogan kritisierte die USA erneut für ihre Unterstützung der YPG und sagte: "Unser größtes Bedauern ist, dass im Moment diese Terrororganisationen mit den Flaggen Amerikas in dieser Region frei herumlaufen. Womit sollen wir das erklären?"

Erdogan: "Kein Kinderblut an unseren Händen"

Unterdessen gibt es unterschiedliche Angaben über zivile Opfer bei der türkischen Militäroffensive. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben allein am Freitag fünf Zivilisten durch türkische Luftschläge: eine Familie, darunter zwei Kinder. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle soll es bislang 38 zivile Todesopfer geben.

Erdogan hingegen betonte, die türkische Armee habe "kein Blut von Frauen, kein Blut von Unschuldigen an den Händen, und das wird auch nie passieren". Das Volk und die Armee habe "definitiv kein Kinderblut an den Händen." Erdogan sagte, die türkische Armee gehe mit Bedacht vor, um zivile Opfer zu vermeiden.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, hatte gesagt, Washington habe "enorme Sorge" über den Tod von Zivilisten und fordere die Türkei dazu auf, mehr zu tun, "um zu versuchen, zivile Opfer zu vermeiden."

Ankara: 343 gegnerische Kämpfer "neutralisiert"

Die türkischen Streitkräfte teilten mit, in der Nacht zum Freitag habe die Luftwaffe im Rahmen der Operation "Olivenzweig" Verstecke und Waffenlager der YPG bombardiert. Dabei seien 23 Ziele zerstört worden. Seit Beginn der Offensive am vergangenen Samstag seien 343 gegnerische Kämpfer "neutralisiert" worden. Mit "neutralisiert" ist in der Regel getötet gemeint, der Begriff kann aber auch verletzt oder gefangen genommen bedeuten. Die Syrische Beobachtungsstelle allerdings kommt aufgrund von Angaben vor Ort nur auf 54 getötete kurdische Kämpfer.

Nach Angaben des türkischen Gesundheitsministers Ahmet Demircan wurden bislang drei türkische Soldaten, sowie elf Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) getötet, die von der Türkei unterstützt wird. 130 FSA-Kämpfer wurden demnach verletzt. Unabhängige Quellen kamen auch hier auf andere Angaben: sieben türkische und 58 arabische Soldaten wurden demnach getötet.

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