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Nordkorea und Südkorea: Was das historische Treffen bringen kann

Echte Chance auf Frieden?  

Was der historische Korea-Gipfel wirklich bringen kann

Eine Analyse von Finn Mayer-Kuckuk, Peking

06.03.2018, 20:48 Uhr
Nordkorea und Südkorea: Was das historische Treffen bringen kann. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (rechts) trifft den südkoreanischen Gesandten Chung Eui Yong: Im April soll es ein Gipfeltreffen beider Länder geben. (Quelle: Reuters/KCNA)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (rechts) trifft den südkoreanischen Gesandten Chung Eui Yong: Im April soll es ein Gipfeltreffen beider Länder geben. (Quelle: KCNA/Reuters)

Das geplante Gipfeltreffen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In ist eine historische Chance. Beigelegt ist die Atomkrise damit aber noch nicht.

Auf den Fotos der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA lächeln die Politiker aus Süd- und Nordkorea breit. Es ist ein Durchbruch: Pjöngjang und Seoul wollen wieder direkt miteinander reden. Im April werden die beiden Länder ein Gipfeltreffen im Grenzort Panmunjom abhalten. Dabei sollen der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In direkt miteinander sprechen. 

Ziel der Gespräche ist eine Verringerung der Spannungen zwischen den Ländern, hieß es. Nordkorea hatte in den vergangenen Monaten durch aggressive Aufrüstung die Angst vor einem Krieg geschürt. Doch wie stehen die Chancen, dass die nordostasiatische Atomkrise damit wirklich beigelegt wird?

Nordkorea wird Gegenleistungen fordern

Experten zufolge wird Nordkorea bei Gesprächen für eine Abrüstung hohe Gegenleistungen fordern. "Kim wird versuchen, das Maximum für sich herauszuholen", sagte Narushige Michishita vom "National Graduate Institute for Policy Studies (Grips)" in Tokio. Kims Ziel sei es, die Wirtschaftssanktionen wieder loszuwerden. Am Ende wolle er beides haben: moderne Waffen und Handel mit dem Ausland. Das Kernwaffenprogramm sei Kims ganzer Stolz. "Wir können als Ergebnis der Gespräche realistisch gesehen allenfalls ein unbegrenztes Aussetzen neuer Tests erwarten", sagte Michishita. Eine Verschrottung der Bomben und Zerstörung der Produktionsanlagen sei sehr unwahrscheinlich.

Doch Kim ist auch darauf angewiesen, die Handelsstrafen gegen sein Land aufheben zu lassen. In den vergangenen Monaten hatte sogar China den Warenverkehr mit Nordkorea gekappt. Kims Kriegstreiberei hatte auch die Regierung in Peking zutiefst verärgert. Jetzt fehlt es in Nordkorea an Nachschub an Elektronik, Öl und Benzin und einigen Lebensmitteln. Kim will jedoch auch den Lebensstandard des Volkes heben – dafür hat er bereits vorsichtige Reformen zugelassen. Mit dem Gipfeltreffen kann er auf Wirtschaftshilfen hoffen.

Kontakte seit den Olympischen Winterspielen

Präsident Moon hatte nach seinem Amtsantritt vor einem Jahr immer wieder die Hand nach Nordkorea ausgestreckt. Jetzt kann er mit dem geplanten Treffen einen außenpolitischen Erfolg verbuchen. Die dramatische Wende ist möglich geworden, weil Kim zu den Olympischen Winterspielen in den vergangenen Wochen eine Kooperation angeboten hatte. Durch den Austausch von Delegationen kam es zu einer ersten Kontaktanbahnung, die nun zur Reise der Delegation um den Sicherheitsberater des südkoreanischen Präsidenten, Chung Eui-yong, in den Norden geführt hat.

Zwischenzeitlich war nicht klar, ob Moon das Gesprächsangebot Kims annehmen würde: Er steht im Inland bereits wegen seines vorgeblich zu weichen Kurses gegen den Norden in der Kritik. Es gehört jedoch zum erklärten Programm des ehemaligen Menschenrechtsanwalts, durch Dialog auf ein atomwaffenfreies Korea hinzuarbeiten.

Die zwei vorigen Gipfeltreffen dieser Art fanden in den Jahren 2000 und 2007 statt. Damals saß auf der einen Seite Kims Vater am Tisch, auf der anderen Seite jeweils Präsidenten aus der gleichen politischen Richtung wie Moon. Auch Südkorea kennt einen Zyklus im Umgang mit dem Norden. Linksliberale Regierungen setzen auf Annäherung; als Stabschef so eines Präsidenten hat Moon seinerzeit beispielsweise eine "Sonnenscheinpolitik" mitgetragen. Konservative Regierungen neigen dagegen dazu, den Norden härter anzufassen und bereits beschlossene Kooperationsprojekte wieder zu kippen. Jetzt haben beide Seiten gerade auf Annäherung geschaltet – eine historische Chance.

Kim: Neues Kapitel in Geschichte der Wiedervereinigung

Die südkoreanische Delegation um Chung hatte am Montag und Dienstag in Pjöngjang mit Kim und seinen Spitzenbeamten gesprochen. "Der Norden hat den klaren Willen gezeigt, atomar abzurüsten", sagte Chung nach seiner Rückkehr. Kim sei auch zu Gesprächen mit den USA über eine Normalisierung der gegenseitigen Beziehungen bereit. Er wolle die Beziehungen zum Süden "energisch verbessern". Für die Dauer der Verhandlungen seien die Atomtests bereits ausgesetzt. Wenn die Sicherheit des Regimes gewährleistet sei, dann brauche Nordkorea vielleicht "gar keine Kernwaffen mehr", zitierte Chung den nordkoreanischen Machthaber.

Kim Jong Un (Mitte) mit seiner Schwester Kim Yo Jong und Kim Yong Chol, einem hohen Parteifunktionär während des Treffens mit der südkoreanischen Delegation: Vielleicht brauche Nordkorea bald "gar keine Kernwaffen mehr", wurde er zitiert. (Quelle: Uncredited/KCNA via KNS via AP/dpa)Kim Jong Un (Mitte) mit seiner Schwester Kim Yo Jong und Kim Yong Chol, einem hohen Parteifunktionär während des Treffens mit der südkoreanischen Delegation: Vielleicht brauche Nordkorea bald "gar keine Kernwaffen mehr", wurde er zitiert. (Quelle: Uncredited/KCNA via KNS via AP/dpa)

Kim kündigte laut nordkoreanischer Nachrichtenagentur KCNA ein "neues Kapitel in der Geschichte der Wiedervereinigung" an. Chung war demnach der erste Südkoreaner, der das Hauptquartier der allein regierenden Arbeiterpartei besuchen durfte.

USA und China sind skeptisch

Die beiden beteiligten Großmächte sehen die Entwicklung derweil gar nicht gerne. US-Präsident Donald Trump hält an der Kriegsrhetorik gegen Nordkorea fest und soll seine Generäle angewiesen haben, Optionen für einen Angriff auf das Land zu prüfen. Er traut den versöhnlichen Tönen nicht. Auf Twitter sprach er von einem "möglichen Fortschritt", warnte aber zugleich vor "falschen Hoffnungen".   

Auch China ist unzufrieden: Nordkorea setzt seine Alleingänge fort – erst mit den Atomtests, jetzt mit der Annäherung an den Süden und dem Gebrauch des Wortes "Wiedervereinigung". Die Existenz eines weiteren sozialistischen Staates als Puffer zu Südkorea und Japan war den chinesischen Strategen immer wichtig.

Der nordkoreanische Diktator Kim hatte in den vergangenen Jahren sowohl Atombomben als auch die passenden Interkontinentalraketen testen lassen. Korea ist seit Ende der Vierzigerjahre geteilt; seitdem befinden sich beide Seiten offiziell im Krieg. Den Norden beherrscht die Familie Kim als eine Art kommunistische Dynastie. Der Süden ist ein enger Verbündeter der USA und kapitalistisch-demokratisch verfasst. Schon Kim Jong-uns Vater hatte Atomwaffen entwickeln lassen. 

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