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Anschläge in Sri Lanka: Terrorprediger sprengte sich in Hotel in die Luft

Sri-lankischer Islamistenführer  

Terrorprediger Hashim sprengte sich in Hotel in die Luft

26.04.2019, 16:37 Uhr | küp, AFP, dpa

 (Quelle: Reuters)
Zahl der Todesopfer von Sri Lanka nach unten korrigiert

Aufgrund ungenauer Angaben der Leichenhäuser wurden zunächst über 300 Opfer gemeldet. Behörden gehen nunmehr von 250 - 260 Todesopfern aus.

Sri Lanka: Die Zahlen der Anschlagsopfer wurden nach unten korrigiert. (Quelle: Reuters)


Zahran Hashim gilt als Drahtzieher der Anschläge in Sri Lanka, jahrelang hetzte er im Internet gegen Andersgläubige. Nun ist klar: Er war einer der Selbstmordattentäter vom Ostersonntag.

Der Hauptverdächtige der blutigen Anschlagsserie in Sri Lanka ist tot: Der gesuchte Anführer der Islamistengruppe NTJ, Zahran Hashim, habe sich am Ostersonntag als Selbstmordattentäter in dem Hotel "Shangri-La" in die Luft gesprengt, so Präsident Maithripala Sirisena. Als Reaktion auf das Versagen der nationalen Sicherheitsbehörden legte Polizeichef Pujith Jayasundara sein Amt nieder. Landesweit herrschten wegen der Freitagsgebete weiter scharfe Sicherheitsvorkehrungen.

Die Geheimdienste hätten ihm mitgeteilt, dass Hashim während der Shangri-La-Attacke in Colombo getötet worden sei, sagte der Staatschef vor Reportern. Hashim habe den Angriff auf das Luxushotel angeführt und sei von einem zweiten Attentäter begleitet worden, der als Ilham Ibrahim identifiziert worden sei.

Im Mittelpunkt eines IS-Videos

Hashim galt als der Anführer der Islamistengruppe National Thowheeth Jama'ath (NTJ), die von der Regierung in Colombo für die Anschläge verantwortlich gemacht wird. Er stand im Mittelpunkt eines Bekennervideos der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Darin leitet er sieben weitere Islamisten bei einem Treueschwur auf IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi an.

Die Erkenntnisse kommen dem Präsidenten zufolge vom Militärgeheimdienst und beruhen teils auf Bildern von Überwachungskameras am Tatort. Nach den Anschlägen vom Ostersonntag war Hashims Verbleib zunächst unklar gewesen, die Sicherheitsbehörden des südasiatischen Inselstaates fahndeten unter Hochdruck nach dem Islamisten.

Hetzerische Predigten im Internet

Vor den Anschlägen in Sri Lanka war Hashim, der etwa 40 Jahre alt gewesen sein soll, in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. In Online-Netzwerken hatte er allerdings tausende Anhänger, er veröffentlichte hetzerische Predigten auf YouTube und Facebook. Örtlichen Medien zufolge gründete Hashim die NTJ im Jahr 2014. Er stammt aus der Region Batticaloa an der Ostküste Sri Lankas, in der eine der am Sonntag attackierten Kirchen steht.

Nach neuen Zahlen der Behörden wurden bei den Anschlägen vom Ostersonntag deutlich weniger Menschen getötet als bisher angegeben. Das Gesundheitsministerium korrigierte die Zahl der Todesopfer auf nun 253 nach unten – zuvor war von 359 Toten die Rede gewesen. Die genaue Zahl sei unklar, weil die Körper extrem verstümmelt worden seien. Auch die Zahl der Verletzten wurde von 485 auf 149 korrigiert. Die Regierung in Colombo geht davon aus, dass die NTJ ausländische Unterstützung gehabt haben muss. 74 Verdächtige wurden bislang festgenommen.

Polizeichef tritt zurück

Regierung und Behörden stehen unter großem Druck, da es im Vorfeld der Anschläge konkrete Hinweise und Warnungen aus dem Ausland gegeben hatte. Die Regierung hatte schwerwiegende Versäumnisse der Sicherheitsbehörden eingeräumt. Eine vom Polizeichef am 11. April verfasste Warnung vor Anschlagsplänen der NTJ wurde nicht an die Regierung weitergeleitet.

Der Polizeichef trat zurück, vor ihm hatte am Donnerstag bereits der höchste Beamte des Verteidigungsministeriums, Hemasiri Fernando, seinen Posten geräumt. Beide müssten Verantwortung für das Sicherheitsversagen übernehmen, sagte Präsident Sirisena.

Warnungen aus Indien

Indien hatte das Nachbarland mehrfach vor möglichen Selbstmordanschlägen gewarnt, wie AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr. Bei Festnahmen von Verdächtigen mit mutmaßlichen Verbindungen zum IS in Südindien seien Dokumente mit bedrohlichen Inhalten sichergestellt worden, darunter Videos. Diese enthielten den Angaben zufolge Drohungen durch einen radikalen Anführer aus Sri Lanka, die auf mögliche Selbstmordanschläge schließen ließen. Indische Medien nannten den Namen des Mannes: NTJ-Chef Zahran Hashim.

Wegen der Freitagsgebete in den Moscheen blieben die Sicherheitsmaßnahmen landesweit hoch. Australien warnte am Freitag wie zuvor andere Staaten eindringlich vor der Gefahr neuer Anschläge in Sri Lanka. Weitere Attacken seien wahrscheinlich, erklärte das australische Außenministerium. Anschläge könnten unter anderem Orte treffen, die von Ausländern aufgesucht würden.

Auch die USA, Großbritannien, Israel und die Niederlande haben vor Reisen in das Land gewarnt. Die niederländische Stiftung Calamiteitenfonds Reizen, die in Katastrophenfällen als Versicherer und Koordinator tätig ist, kündigte für die kommenden Tage die Rückführung von bis zu 500 Niederländern an.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa

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