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Raketenangriffen auf Israel mit drei Toten: Armee greift hunderte Ziele in Gaza an

Luftangriffe auf Palästinenser-Gebiet  

Raketenbeschuss aus Gaza hält an – drei Tote in Israel

05.05.2019, 14:59 Uhr | küp, dpa, AFP, rtr

 (Quelle: Reuters)
Gewalt zwischen Israel und Gaza eskaliert

Laut israelischen Angaben wurden seit Freitag mehr als 600 Raketen auf Israel abgefeuert, die Armee attackierte ihrerseits 220 Ziele im Gazastreifen. Die Zahl der Toten stieg am Sonntag auf beiden Seiten. (Quelle: Reuters)

Über 600 Raketen auf Israel abgefeuert: Die Gewalt zwischen Israel und Gaza eskaliert. (Quelle: Reuters)


In Israel ist die Zahl der Opfer durch Raketen aus dem Gazastreifen gestiegen, auch auf palästinensischer Seite gibt es viele Opfer. Israel zieht Truppen am Grenzzaun zusammen.

Die Gewalt zwischen Israel und den militanten Palästinenserorganisationen im Gaza-Streifen hat sich am Sonntag gefährlich hochgeschaukelt. Seit Samstag haben militante Palästinenser nach israelischen Militärangaben rund 450 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. Die Raketenangriffe dauerten auch am Sonntagnachmittag an. Nach Angaben eines Krankenhauses wurden bei den jüngsten Angriffen zwei Israelis getötet. Damit stieg die Zahl der israelischen Todesopfer auf drei.

In der Küstenstadt Aschkelon wurde nach Polizeiangaben in der Nacht zu Sonntag ein Israeli getötet, als eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete sein Wohnhaus traf. Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom wurden 83 Menschen verletzt, darunter eine 80-Jährige, die in Kiriat Gat durch Raketensplitter schwere Verletzungen erlitt.

Neun Tote im Gazastreifen

Zehntausende Menschen mussten in Schutzräume flüchten, in den betroffenen Regionen heulten immer wieder die Alarmsirenen. Mehrere Häuser in Ortschaften nahe dem Gazastreifen wurden von Raketen getroffen, eine ging nach Armeeangaben in einem verwaisten Schulhof nieder.

Das Gesundheitsministerium in Gaza teilte mit, zwei Palästinenser seien bei einem Luftangriff östlich von Gaza getötet worden. Damit stieg die Zahl der seit Samstag im Gazastreifen getöteten Palästinenser auf neun; 80 wurden verletzt.

220 Ziele in Gaza attackiert

Die israelische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben seit Samstag 220 Ziele im Gazastreifen attackiert, die Angriffe dauerten in der Nacht zu Sonntag an. Am Samstag hatten Kampfjets ein Hauptquartier der dort herrschenden radikalislamischen Hamas-Bewegung sowie mehrere Raketenwerkstätten und Waffenlager zerstört. Israelische Medien berichteten, es seien auch gezielt Wohnhäuser ranghoher Mitglieder der Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad beschossen worden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Militär angewiesen, die nach seinen Worten "massiven Angriffe" gegen militante Palästinenser im Gazastreifen fortzusetzen. Die Truppen am Gazastreifen würden zudem durch Panzer, Artillerie und Einheiten der Infanterie verstärkt, teilte Netanjahu am Sonntag mit.

Die US-Regierung erklärte sich solidarisch mit Israel und sprach dem Verbündeten die volle Unterstützung aus für dessen "Recht auf Selbstverteidigung gegen diese abscheulichen Attacken", wie Außenministeriumssprecherin Morgan Ortagus mitteilte. Die EU forderte einen sofortigen Stopp der Raketenangriffe auf Israel. Ägypten bemüht sich um eine Waffenruhe.

Schwangere Frau und Kind getötet

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza sind bei den israelischen Angriffen auch eine schwangere Frau und ihr ein Jahr altes Kind ums Leben gekommen. Die israelische Armee bestreitet allerdings die Tötung der 37-Jährigen und ihres Kindes.

Militärsprecher Jonathan Conricus sagte, die beiden seien von einer fehlgeleiteten Rakete der Hamas getötet worden. Diese Einschätzung basiere auf Geheimdienstinformationen aus verschiedenen Quellen, sagte er. "Wir sind 100 Prozent sicher, dass es nicht durch Waffen der israelischen Armee war." Es handele sich dennoch um einen traurigen und tragischen Vorfall.

Ist der ESC in Gefahr?

Die neue Eskalation passiert nur eine Woche vor dem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in Tel Aviv. Von der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die den ESC veranstaltet, hieß es: "Sicherheit steht für die EBU immer an erster Stelle." Man arbeite mit der israelischen Rundfunkanstalt KAN und der Armee zusammen, "um die Sicherheit all jener zu gewährleisten, die mit uns in der Veranstaltungshalle Expo Tel Aviv zusammenarbeiten", so EBU-Sprecher Jon Ola Sand. Man verfolge die Lage aufmerksam und die ESC-Proben gingen normal weiter.

In der jüngsten Gewalteskalation ist Tel Aviv bislang von Angriffen verschont geblieben. Militante Palästinenserorganisationen drohten jedoch mit einer Ausweitung der Angriffe auch auf die Küstenmetropole. Der Islamische Dschihad etwa machte deutlich, dass die Angriffe auch darauf abzielten, die Organisation des ESC zu stören.

Brüchiger Waffenstillstand

Die jüngste Eskalation begann am Freitag, als bei den gewaltsamsten Protesten seit Wochen an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel vier Palästinenser getötet und zwei israelische Soldaten verletzt wurden. 50 weitere Menschen wurden nach palästinensischen Angaben durch Schüsse israelischer Soldaten verletzt.


Israel und die militanten Paklästinensergruppen im Gazastreifen hatten sich vor der israelischen Parlamentswahl am 9. April auf einen von Ägypten vermittelten Waffenstillstand verständigt. Wochenlang flauten die Auseinandersetzungen merklich ab.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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