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"Eleonore": Seenotretter Reisch soll 300.000 Euro Strafe zahlen

104 Menschen aus Mittelmeer gerettet  

Deutscher Rettungskapitän soll 300.000 Euro Strafe zahlen

Von Jonas Mueller-Töwe

05.09.2019, 09:36 Uhr
"Eleonore": Seenotretter Reisch soll 300.000 Euro Strafe zahlen. Claus-Peter Reisch, Kapitän des Seenotrettungsschiffs "Eleonore".  (Quelle: dpa)

Claus-Peter Reisch, Kapitän des Seenotrettungsschiffs "Eleonore". (Quelle: dpa)

Der Kapitän des deutschen Rettungsschiffs "Eleonore" soll laut eigenen Angaben eine enorme Strafzahlung an den italienischen Staat leisten. Claus-Peter Reisch fuhr nach einem Sturm ohne Erlaubnis nach Italien ein.

Nach der Rettung von mehr als 100 Menschen im Mittelmeer droht dem deutschen Rettungskapitän Claus-Peter Reisch eine dramatische Strafzahlung: "Ich soll 300.000 Euro zahlen – für 104 gerettete Leben", schrieb Claus-Peter Reisch am frühen Donnerstagmorgen im Kurzmitteilungsdienst Twitter, wo er auf eine Spendensammlung hinwies. Der Kapitän der "Eleonore" hatte vor mehr als einer Woche vor der Küste Libyens Menschen in Seenot gerettet, die illegal die Überfahrt nach Europa wagten.

"Lebensbedrohliche Lage an Bord"

Italien hatte die Aufnahme der Menschen wie bereits in anderen Fällen verweigert – obwohl die Lage an Bord schnell als heikel galt. Die Motorjacht war für die vielen Menschen zu klein, schließlich überflutete ein Sturm in der Nacht zu Montag das Oberdeck. "Ich musste aufgrund der lebensbedrohlichen Lage an Bord die 'Eleonore' zum Notfall erklären", schrieb Reisch daraufhin – und steuerte ohne Erlaubnis den Hafen Pozzalla an, wo lokale Behörden Entgegenkommen signalisierten. 

Während die Menschen schließlich dort an Land gehen konnten, beschlagnahmte die zuständige Finanzpolizei das Schiff unter deutscher Flagge. Gegen Reisch ermittele jetzt die Staatsanwaltschaft von Ragusa wegen Begünstigung der illegalen Einwanderung, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Der Bürgermeister Palermos verlieh dem Kapitän hingegen die Ehrenmedaille der Stadt. Nun teilte Reisch mit, er müsse Strafe zahlen. Zusätzlich entstünden Anwaltskosten, hieß es im Spendenaufruf. 

Strafzahlung trifft auch "Mare Jonio"

Eine Strafzahlung ebenfalls in Höhe von 300.000 Euro hatten italienische Behörden kurz zuvor bereits gegen die Besatzung eines italienischen Rettungsschiffs verhängt, das 98 Menschen vor Libyen gerettet und laut Angaben der Hilfsorganisation "Mediterranea" mit offizieller Genehmigung nach Lampedusa gebracht hatte. Das Schiff wurde ebenfalls beschlagnahmt. Auch der Besatzung der "Mare Jonio" werde vorgeworfen, gegen die Einwanderungsgesetze verstoßen zu haben. Das "Mediterranea"-Schiff "Alex" hatte sich im Juli spektakulär über das Einfahrtsverbot hinweggesetzt – ebenso wie "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete.

Der rechtsradikale Innenminister Matteo Salvini hatte daraufhin die rechtlichen Maßnahmen gegen die Tätigkeit privater Hilfsorganisationen verschärft. Danach können Strafzahlungen von bis zu einer Million Euro verhängt werden, wenn ein Rettungsschiff ohne Genehmigung in die italienischen Hoheitsgewässer fährt. Außerdem muss der Kapitän mit Strafverfolgung rechnen. Nun ist Salvini allerdings sein Amt los und seine Lega in der Opposition.

Mit Justizproblemen hat Kapitän Claus-Peter Reisch aus dem bayerischen Landsberg am Lech bereits Erfahrung. Auf Malta wurde er im Mai zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er das Schiff "Lifeline" ohne ordnungsgemäße Registrierung gesteuert haben soll. Im vergangenen Sommer hatte er mehr als 230 Menschen aufgenommen und nach Malta gebracht – die "Lifeline" liegt dort noch immer an der Kette. Reisch ist gegen das aus seiner Sicht "politische Urteil" in Berufung gegangen.
 

 
Ein weiteres Schiff, die "Alan Kurdi" der deutschen Hilfsorganisation "Sea Eye", ist derzeit noch mit Geretteten auf dem Weg nach Malta, nachdem es im Juli bereits Menschen nach zähen Verhandlungen an Land gebracht hatte. Das Rettungsschiff "Ocean Viking", das im August zwei Wochen in internationalen Gewässern zwischen Malta und Italien ausgeharrt hatte, ist seit Montagabend wieder im Einsatz, um vor Libyen Migranten aufzunehmen.

Verwendete Quellen:
  • eigene Recherchen
  • mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters, dpa, AFP

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