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Tiergarten-Mord in Berlin: Russland bestellt deutschen Botschafter ein

Russland weist deutsche Diplomaten aus  

Tiergarten-Mord: Putin schlägt zurück

12.12.2019, 11:08 Uhr | rtr, dpa, job

Wladimir Putin: Ermordeter Georgier war ein "Bandit"

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den in Berlin ermordeten Georgier als "Banditen" bezeichnet. Er soll für den Tod zahlreicher Menschen verantwortlich sein. Was mit ihm passiert sei, wisse er aber nicht, so Putin. (Quelle: t-online.de)

Wladimir Putin: In Paris verriet der russische Präsident, was er von dem in Berlin ermordeten Georgier hält. (Quelle: t-online.de)


Russland reagiert: Das russische Außenministerium weist deutsche Diplomaten aus. Die Krise nach dem Attentat auf einen Georgier in Berlin spitzt sich damit weiter zu.

Das russische Außenministerium hat im Fall des ermordeten Georgiers den deutschen Botschafter in Moskau einbestellt und zwei deutsche Diplomaten ausgewiesen. Die Mitarbeiter haben sieben Tage Zeit, das Land zu verlassen, wie das Außenministerium mitteilte. Dies sei eine Reaktion auf die "grundlose Entscheidung" der Bundesregierung, zwei russische Mitarbeiter zu unerwünschten Personen in Deutschland zu erklären.

Die deutsche Regierung kritisierte die Ausweisung als "falsches Signal" und "ungerechtfertigt". Man nehme die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis, teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts mit. "Weitere Schritte in dieser Angelegenheit behält sich die Bundesregierung im Licht der Ermittlungen vor."

Auswärtiges Amt drängt auf Hilfe bei Ermittlungen

Vergangene Woche hatte das Auswärtige Amt in Berlin zwei russische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt. Das Auswärtige Amt teilte nun erneut mit, die Bundesregierung habe damit darauf reagiert, dass die russischen Behörden "trotz mehrmaliger hochrangiger Aufforderungen nicht hinreichend bei Aufklärung des Mordes" an dem Georgier Tornike K. mitgewirkt hätten. Er war im Berliner Tiergarten durch einen Kopfschuss getötet worden. Eine "ernsthafte und unverzügliche Mitwirkung" bleibe "dringend geboten". 

Präsident Wladimir Putin hatte schon nach der Ausweisung der russischen Diplomaten eine "spiegelgenaue" Reaktion angekündigt. Dass Russland und Deutschland zu solchen Maßnahmen greifen, ist ein seltener Schritt und steht in der Rangfolge der möglichen Eskalationsstufen weit oben.

Neue Ermittlungen zeigen: Um das Opfer in so kurzer Zeit zu finden, muss der Täter Hilfe gehabt haben. (Quelle: Euronews)

Deutschland wirft Russland vor, bei den Ermittlungen in dem Mordfall nicht ausreichend zu kooperieren. Der Bundesanwaltschaft zufolge gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Mord entweder im Auftrag staatlicher Stellen Russlands oder der Autonomen Tschetschenischen Republik verübt wurde. Russland wies jede Verwicklung in den Mordfall zurück.

Täter hatte wohl Helfer in Berlin

Zuvor war bekannt geworden, dass die Ermittler davon ausgehen, dass der Attentäter vor der Tat im Berliner Tiergarten mindestens einen Helfer vor Ort gehabt haben müsse. Das sagte ein Vertreter des Generalbundesanwalts am Mittwoch im Innenausschuss des Bundestages nach Angaben von Teilnehmern einer nicht-öffentlichen Sitzung.

Zur Begründung führte er demnach aus, der Täter sei frühestens einen Tag vor den tödlichen Schüssen auf Tornike K. aus Warschau in die deutsche Hauptstadt gereist. Innerhalb weniger Stunden sei es schlicht unmöglich, den Wohnort und die Gewohnheiten des Opfers auszuspähen, sowie die Flucht zu planen.

Unklar ist auch, wer dem Tatverdächtigen, der am 17. August erst von Moskau nach Paris und von dort weiter nach Polen geflogen war, die Tatwaffe vom Typ Glock 26 beschafft hat.

Erinnerungen an den Fall Skripal

Der 40-jährige Georgier, der in der russischen Teilrepublik Tschetschenien auf Seite der Separatisten gekämpft haben soll, war am 23. August in Berlin von hinten erschossen worden. Der mutmaßliche Täter, ein Russe, wurde gefasst. Er sitzt seither in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

Die Auswirkungen auf die deutsch-russischen Beziehungen hatte Putin nach dem Ukraine-Gipfel in Paris heruntergespielt. Er glaube nicht, dass das Verhältnis beider Länder in eine Krise stürze. Aber gut sei das nicht für die Beziehungen, sagte er. Mit Deutschland gab es zuletzt im Frühjahr 2018 einen diplomatischen Konflikt, als im Streit mit dem Westen um den in Großbritannien vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal jeweils vier Botschaftsmitglieder ausgewiesen wurden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters, dpa
  • Pressemitteilung des Auswärtigen Amts

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