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Moria-Brand bewegt Leser: "Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit"


"Das sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

  • Sophie Loelke
Von Sophie Loelke

Aktualisiert am 14.09.2020Lesedauer: 3 Min.
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Nach Brand in Moria: Viele Familien sind nun obdachlos und warten auf Hilfe.
Nach Brand in Moria: Viele Familien sind nun obdachlos und warten auf Hilfe. (Quelle: ALKIS KONSTANTINIDIS/Reuters-bilder)
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Nach den Bränden im Flüchtlingslager Moria beschäftigen die obdachlos gewordenen Migranten Europa. Auch die t-online-Leser sind besorgt: Was kann Deutschland tun, wo liegen die Grenzen der Hilfsbereitschaft? Die Meinungen sind gespalten.

Die verheerenden Brände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sorgen für weltweite Diskussionen. Die Europäische Union berät über mögliche Hilfeleistungen: Welche Länder nehmen wie viele der 12.000 Flüchtlinge auf? Was kann vor Ort getan werden? Inwiefern sollte die EU an einem Strang ziehen?


Feuer in Moria: Flammenhölle im Flüchtlingslager

Große Teile des griechischen Flüchtlingslagers Moria auf der Insel Lesbos standen in Flammen. Noch ist nicht sicher, wie es zu dem Unglück kommen konnte.
Fire burns at the Moria camp for refugees and migrants on the island of Lesbos
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Auch die t-online-Leser befassen sich mit diesem Thema und machen sich Gedanken, was in dieser akuten Krisensituation getan werden sollte. In Hunderten Kommentaren und Lesermails werden besonders zwei Seiten deutlich.

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Deutschland sollte nicht als einziges Land helfen

Zum einen bezweifeln viele Leser, dass Deutschland erneut in der Lage ist, viele Geflüchtete aufnehmen zu können. Sie kritisieren dabei auch, dass sich einige Länder konsequent dagegen sträuben. Deutschland solle nicht als einziges Land helfen.

Insel Lesbos: Brände im Flüchtlingslager Moria haben das wegen Covid-19 unter Quarantäne stehende Lager zerstört.
Insel Lesbos: Brände im Flüchtlingslager Moria haben das wegen Covid-19 unter Quarantäne stehende Lager zerstört. (Quelle: ANE Edition/imago-images-bilder)

Gefordert wird mehr Solidarität der EU-Staaten. t-online-Leser Manfred Hengst schreibt dazu: "Es ist mir zu einfach, nur die Griechen zur Verantwortung zu ziehen. Wo war Europa, wo war Deutschland mit seiner viel gepriesenen Ratspräsidentschaft? Es war nicht tätig. Auch ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland allein diese Menschen aufnehmen sollte. Aber ich erwarte eine Initiative gegen die Gegner von Aufnahmen."


Auch andere Leser befürchten, dass Europas Kapazitäten zur Flüchtlingsaufnahme nicht ausreichen. Es sei außerdem ein "falsches Signal", die Geflüchteten aufzunehmen, die vorher aus wohl taktischen Gründen ihr Lager entzündet hätten, schreibt t-online-Leser Peter Wüger: "Europa ist nicht in der Lage, alle Menschen in Not aufzunehmen. Da schon 2015 von Deutschland eine Million Menschen aufgenommen wurden, hat unser Land viel Menschlichkeit gezeigt. Werden jetzt die 'Brandstifter' von Lesbos aufgenommen, ist das ein falsches Signal, das mit Sicherheit Nachahmer findet. Richtig ist es, den Menschen auf ihrem Kontinent zu helfen."

Vorrübergehende Zelte auf Lesbos: Einige der obdachlos gewordenen Flüchtlinge können hier erst einmal unterkommen.
Vorrübergehende Zelte auf Lesbos: Einige der obdachlos gewordenen Flüchtlinge können hier erst einmal unterkommen. (Quelle: ELIAS MARCOU/Reuters-bilder)

Im Ursprungsland helfen, Fluchtursachen bekämpfen: Auch das ist ein viel diskutiertes Thema der Leser. Sie wünschen sich, dass früher geholfen wird – und nicht erst, wenn die Lage wie in Moria eskaliert ist.

Die Kapazitäten des Landes sind lange nicht ausgeschöpft

Zum anderen schreiben viele, dass Deutschland sehr wohl deutlich mehr Geflüchtete aufnehmen sollte. Sie bemängeln die "Unmenschlichkeit der Politik" und machen sich Gedanken über mögliche Hilfskonzepte. Dankwart Bette schreibt in einer E-Mail: "Wo sind die Charterflüge, die die Menschen jetzt in Sicherheit bringen? Wir verraten unsere Werte, wir verlieren unsere menschliche Würde. Für mich sind das Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und sie müssten geahndet werden. Meine verzweifelt-verrückte Idee ist, dass viele Europäer nach Griechenland reisen und mit den Flüchtlingen ausharren. Damit die Politiker sehen, dass nicht alle Bürger mit ihnen wegschauen und sich mitschuldig machen."

Moria: Frauen und Kinder des zerstörten Flüchtlingscamps Moria demonstrieren mit Transparenten und Tafeln gegen die Situation der Flüchtlinge auf Lesbos.
Moria: Frauen und Kinder des zerstörten Flüchtlingscamps Moria demonstrieren mit Transparenten und Tafeln gegen die Situation der Flüchtlinge auf Lesbos. (Quelle: ANE Edition/imago-images-bilder)

Viele Leser bemühen sich um eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem so wichtigen Thema. W.-R. S. schlägt beispielsweise vor: "Wo ist das Problem mit den Flüchtlingen von Lesbos? Das einzige Land in Europa, das in der Lage ist, dieses Problem zu lösen, sind wir, Deutschland! Wir haben zigtausende leerstehende Zimmer in Aufnahmelagern, überquellende Lager mit Hilfsgütern und Kleidung, die niemand will und in allen Ämtern genug Personal – bereit zur Aufnahme! Hier geht es nicht um Hunderttausende, sondern um gerade einmal 13.000 Menschen. Auch ist es kein Problem diese Menschen einzufliegen! Schließlich waren wir vor wenigen Wochen in der Lage, zigtausende Deutsche aus aller Welt zurückzuholen."

So wird in den Leserkommentaren deutlich, dass die Menschen in Deutschland geteilter Meinung sind. Einige fürchten eine erneute große Flüchtlingswelle – ausgelöst durch die Aufnahme der aus Moria Geflüchteten. Sie haben Bedenken, dass das Anzünden von Lagern nun zur einer Taktik für andere Flüchtlingslager werde. Andere sind der Meinung, dass diesen Menschen geholfen werden muss und Deutschland sehr wohl in der Lage sei, viele dieser Menschen aufzunehmen.

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Verwendete Quellen
  • Leserstimmen per Mail und in den Kommentaren zum "Tagesanbruch"
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