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Donald Trump streut jetzt auch Zweifel am US-Wahlergebnis

Debatte um Neuauszählung  

Jetzt streut auch Trump Zweifel am Wahlergebnis

28.11.2016, 08:26 Uhr | Aus Washington von Veit Medick, Spiegel Online

Donald Trump streut jetzt auch Zweifel am US-Wahlergebnis. Bald US-Präsident: Donald Trump. (Quelle: dpa)

Bald US-Präsident: Donald Trump. (Quelle: dpa)

Donald Trump ist genervt von der Diskussion über eine mögliche Neuauszählung von Wählerstimmen. Als Reaktion greift er Hillary Clinton an - und spekuliert selbst über Millionen "illegale Wähler". Was treibt ihn?

Zum Thanksgiving-Wochenende hatte Donald Trump eine besondere Botschaft an alle Bürger der USA. Er bete dafür, so betonte der neu gewählte US-Präsident in einem kurzen Video, dass sein Land nach der heftigen Wahlkampfsaison nun zusammenfinden werde: "Es ist an der Zeit, das Vertrauen unter den Bürgern wieder herzustellen. Denn wenn Amerika vereint ist, gibt es nichts, was für uns unerreichbar ist."

Das waren ungewohnt freundliche Sätze - nur hielten sie nicht lange vor: Offenbar schwer genervt von der Diskussion über eine mögliche Neuauszählung der Stimmen in Wisconsin, Michigan und Pennsylvania beendete der Milliardär am Wochenende wieder seine versöhnliche Tonlage.

Beweise? Ach, was

Auf Twitter arbeitete er sich an Hillary Clinton ab, und am Sonntagnachmittag ließ er sich zu der Behauptung hinreißen, "Millionen Menschen" hätten "illegal gewählt". Ziehe man diese ab, so Trumps These, hätte er neben den Wahlmännern auch die Mehrheit der insgesamt abgegebenen Stimmen geholt - jene Kategorie also, in der die Demokratin einen klaren Vorsprung hat.

Belege für die angeblich so vielen "illegalen Wähler"? Gab's nicht.

Man hat ja schon Vieles erlebt in diesem Jahr, aber dass ein gewählter Präsident selbst Zweifel an jenem Ergebnis streut, das ihn zum Sieger machte, ist schon ein besonderer Vorgang.

Auf dem Weg in eine Bananen-Republik

Trump hätte eigentlich viel zu tun: Er muss das tief gespaltene Land auf den Regierungswechsel vorbereiten, er muss sein Kabinett füllen und die großen Linien seiner Präsidentschaft erarbeiten. Stattdessen aber verbreitet er eine Verschwörungstheorie und befeuert damit eine Debatte darüber, wie sehr dem System zu vertrauen ist. Paul Krugman, der große amerikanische Ökonom, sieht sein Land bereits auf dem Weg in eine "Bananen-Republik".

Noch am Sonntagabend kursierten gleich mehrere mögliche Erklärungen für Trumps Agieren. Die einen spekulierten, der Wahlsieger wolle all jenen eins auswischen, die sich immer noch nicht mit seinem Sieg abfinden können. Andere meinten, Trump könne schlicht den Ärger über die anstehenden Neuauszählungen nicht unter Kontrolle halten. Wieder andere glaubten, er wolle von der Diskussion um seine Interessenskonflikte ablenken oder schon mal vorsorglich einen Hinweis darauf geben, dass das Wählen unter ihm noch schwerer werden könnte als ohnehin.

Für welche Variante auch immer man sich entscheidet: Wirklich beruhigend ist keine von ihnen. Trump sitzt bald im Oval Office, und man fragt sich, wie er eigentlich reagieren wird, wenn es mal eine wirkliche Krise in seinem Land gibt.

Trump lässt seiner Aufregung freien Lauf

Wie sehr ihn die Diskussion um eine Neuauszählung der Stimmen in einigen wenigen Staaten beschäftigt, zeigte sich bereits, als Trump aus seinem Luxusanwesen Mar-a-Lago in Florida um kurz nach sieben Uhr am Sonntagmorgen eine ganze Serie an Tweets absetzte. Er erinnerte unter anderem daran, dass Clinton am Morgen nach der Wahlnacht öffentlich ihre Niederlage eingestanden habe.

"Wir müssen das Ergebnis akzeptieren und in die Zukunft blicken. Donald Trump wird unser Präsident sein", twitterte Donald Trump die entsprechenden Zitate der Demokratin. Die Neuauszählung koste nur Geld und Zeit, kritisierte der Milliardär: "Für das gleiche Ergebnis! Traurig."

Trumps Aufregung ist auch insofern erstaunlich, als dass er sich eigentlich in einer recht komfortablen Lage befindet. Die von der grünen Präsidentschaftskandidatin Jill Stein angestoßene Neuauszählung in Wisconsin ist kein wirklich viel versprechendes Manöver.

Äußerst unwahrscheinlich

Trumps Vorsprung dort ist mit rund 10.000 Stimmen zwar recht knapp, aber selbst wenn der "recount" überraschend Clinton als Siegerin ergäbe, müsste die Demokratin außerdem das Ergebnis in Michigan und Pennsylvania drehen, um doch noch ins Weiße Haus einzuziehen.

Ob dort überhaupt noch einmal nachgezählt wird, ist auch angesichts des Vorsprungs von Trump in Pennsylvania offen: Er führt dort mit 70.000 Stimmen, eine Umkehrung des Wahlergebnisses ist äußerst unwahrscheinlich. Und so dürfte es für ihn wohl nur dann wirklich ungemütlich werden, wenn die Untersuchungen gezielte Manipulationen an den Wahlcomputern zeigten. Dafür gibt es bislang aber keine Anzeichen.

Nicht einmal in Clintons Team geht man davon aus, dass sich am Resultat etwas ändert.

Obama hält nichts davon

In ihrer Mannschaft weiß man, wie umstritten Steins Manöver ist, auch in den eigenen Reihen: Gerade im Lager von Präsident Barack Obama, der auf einen möglichst unkomplizierten und ruhigen Machtwechsel drängt, hält man nichts davon.

Clintons Anwälte wollen der grünen Kandidatin die Initiative überlassen, haben allerdings betont, die Neuauszählung unterstützen zu wollen - auch, um jegliche Zweifel an der Legitimität des Ergebnisses auszuräumen. Das war offenbar Grund genug, um Trump aus der Fassung zu bringen. Die "schlimm besiegten und demoralisierten" Demokraten würden nun der grünen Partei beispringen, schimpfte er.

Statt Steins Plan ins Leere laufen und die Demokraten streiten zu lassen, riskiert Trump mit seiner Einmischung nun, dass sich selbst die, die von der Neuauszählung nichts halten, für sie erwärmen könnten. Wenn selbst der Präsident meint, es sei bei der Abstimmung nicht alles mit rechten Dingen zugegangen, ist es schwer, gegen einen Überprüfung zu argumentieren.

Jill Stein könnte davon profitieren. Sie sammelt noch immer Geld für ihre Anfechtungen. Die nächste Frist, gegen das Ergebnis Einspruch zu erheben, läuft an diesem Montag aus - in Pennsylvania.

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