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Der Militärschlag gegen Syrien hat sich gelohnt – zumindest für Trump

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Militärschlag gegen Syrien  

Der Angriff hat sich gelohnt – zumindest für Trump

Von Fabian Reinbold, Washington

15.04.2018, 14:13 Uhr
Der Militärschlag gegen Syrien hat sich gelohnt – zumindest für Trump. Donald Trump bei der Verkündung der Angriffe gegen Syrien: Die Militäraktion kommt beim Volk gut an. (Quelle: AP/dpa/Susan Walsh)

Donald Trump bei der Verkündung der Angriffe gegen Syrien: Die Militäraktion kommt beim Volk gut an. (Quelle: Susan Walsh/AP/dpa)

Donald Trump ist bei der Entscheidung für Angriffe auf Syrien auch innenpolitischen Erwägungen gefolgt. Wie reagieren die Amerikaner darauf?

Vor dem Weißen Haus steht ein Mann und denkt an Syrien. "Am liebsten hätten wir Amerikaner nichts damit zu tun", sagt Jason West und zuckt mit den Schultern, "aber irgendwer musste wohl reagieren".  Der 41-jährige ist aus Los Angeles eingeflogen und genießt in der Abendsonne den Blick auf das Weiße Haus.

Dort hatte Donald Trump knapp 24 Stunden zuvor den Vergeltungsschlag gegen Syrien verkündet. "Trump hat getan, was er gesagt hat, er ist nicht eingeknickt", sagt West, der als Demokrat eigentlich kein Anhänger des Präsidenten ist. Er findet, Trump habe "Führungsqualitäten" gezeigt. Es sei ja eine vertrackte Lage, die Russen stünden hinter Assad, das mache alles schwierig.

Er kenne keine Details, weder für die Angriffe noch über die Lage im Land, sagt er etwas entschuldigend, er sei einfach erleichtert, dass die Regierung etwas getan hat.

Zu weit weg, zu kompliziert, zu deprimierend

West bringt damit auf den Punkt, was viele seiner Mitbürger über die Militärschläge denken. Syrien ist kein Thema, das normale US-Amerikaner umtreibt. Zu weit weg, zu kompliziert und zu deprimierend. Anders als in Deutschland zwingt auch keine große Fluchtbewegung zur Beschäftigung mit dem Land.

Trumps Militärschläge kommen deshalb gut weg: Sie erinnern an die Macht der USA, setzen ein Zeichen gegen ein schlimmes Verbrechen und passen somit ins Selbstbild, das viele US-Amerikaner von ihrem Land haben: als Kraft des Guten in der Welt.

Und zugleich waren sie so begrenzt, dass sie jene beruhigen, die nach der desaströsen Nahost-Politik der vergangenen Jahre keine weiteren Abenteuer wollen. Nach jetzigem Stand sieht es so aus, dass die sehr begrenzten Schläge die USA nicht weiter in einen Krieg hineinziehen – einen Krieg, in dem es aller Wahrscheinlichkeit nach nichts zu gewinnen gibt.

Der rechte Rand heult auf 

Nur am rechten Rand von Trumps Wählerbasis herrscht Entsetzen: In der Parallelöffentlichkeit der Neurechten, die für Verschwörungstheorien empfänglich ist, schrillen die Alarmglocken. Hier wird der mutmaßlliche Chemiewaffeneinsatz als sogenannte "False Flag"-Operation gesehen, die die USA in neue Kriege drängen soll. Einer der erfolgreichsten Verschwörungstheoretiker im Trump-Orbit, Alex Jones, bricht in seiner Sendung gar in Tränen aus, weil er sich von Trump getäuscht sieht. Doch er und seine Mitstreiter werden Trump verzeihen: Auch für sie gibt es wichtigere Themen als Syrien.

Ähnlich war es Trump vor einem Jahr ergangen, als er mit einem Luftschlag auf eine Militärbasis den Chemiewaffenangriff von Chan Scheichun vergelten ließ. Die rechte Basis heulte kurzzeitig auf, doch in der Gesamtheit stiegen seine Beliebtheitswerte – wenn auch nur für wenige Tage. Dies dürfte jetzt auch passieren.

Danke, James Mattis!

Am anderen Ende des Meinungsspektrums herrscht Erleichterung wegen der Begrenztheit der Schläge, nachdem Trumps eskalierende Rhetorik Sorgen vor einer Konfrontation mit Russland hervorgerufen hatte. Die "New York Times" hält das in ihrem Leitartikel vom Samstag Verteidigungsminister James Mattis zugute.

Tatsächlich hatte dieser in internen Debatten im Weißen Haus immer wieder bei der Entscheidung gebremst, bis die Beweislage klarer war, und vor einer Konfrontation mit russischen Kräften in Syrien gewarnt. Im außenpolitischen Establishment in Washington schüttelt man dementsprechend immer noch den Kopf über Trumps wilde Kommunikation.

Im Ergebnis hat Trump allerdings, trotz allem rhetorischen Hin und Her, Wort gehalten und mit Paris und London zumindest zwei Verbündete für diesen Militärschlag gewonnen – vor einem Jahr war man noch im Alleingang vorgeprescht. Und eine Eskalation mit Russland und dem Iran, die beide zahlreiche Kämpfer in Syrien haben, wurde nach jetzigem Stand abgewendet.

Ablenkung von eskalierenden Skandalen

Für Trump hat sich das Manöver innenpolitisch also ausgezahlt. Zusätzlich verschafft es ihm kurzfristig Luft in Tagen, in denen sich parallel zur Syrien-Debatte mehrere Affären und Probleme dramatisch zugespitzt haben. Mit den Ermittlungen gegen seinen Vertrauten Michael Cohen, Konfrontationen wegen der Russland-Sonderuntersuchung und einer regelrechten Schlammschlacht mit FBI-Ex-Direktor James Comey, der eine brutale Abrechnung mit Trump in Buchform veröffentlicht hat.

Dennoch: Trumps Syrien-Politik bleibt voller Widersprüche. Priorität hat nach wie vor die Bekämpfung der Terrormiliz "Islamischer Staat"; zugleich will Trump die genau zu diesem Zweck in Syrien eingesetzten US-Soldaten so schnell wie möglich nach Hause holen. Laut Berichten von Mitarbeitern scheint ihn das Schicksal syrischer Kinder und Zivilisten bei den mutmaßlichen Giftgasangriffen wirklich zu bewegen, doch zugleich schottet er die USA für Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Land ab: Im laufenden Jahr sind gerade einmal elf Syrer aufgenommen worden.

Und noch ist völlig unklar, ob Syriens Diktator Baschar al-Assad wirklich den von Trump angedrohten "hohen Preis" für die Attacke in Duma bezahlen muss und sich tatsächlich so abschrecken lässt.

Als Trump am Samstag zum Militärschlag twittert, die Mission sei erfüllt, trifft dies also wohl nicht auf die Situation in Syrien zu. Zumindest aber im Hinblick auf seine Lage.

Verwendete Quellen:

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