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US-Demokrat Joe Biden tischt falsche Kriegsgeschichte auf

Er will Präsident werden  

US-Demokrat Biden tischt falsche Kriegsgeschichte auf

30.08.2019, 17:24 Uhr | AFP, jmt

US-Demokrat Joe Biden tischt falsche Kriegsgeschichte auf. Der Ex-Vizepräsident Joe Biden: Eine seiner Wahlkampfreden ist offenbar zwar ergreifend – aber falsch. (Quelle: Getty Images/Spencer Platt)

Der Ex-Vizepräsident Joe Biden: Eine seiner Wahlkampfreden ist offenbar zwar ergreifend – aber falsch. (Quelle: Spencer Platt/Getty Images)

Joe Biden ist der bislang wohl aussichtsreiche Bewerber der US-Demokraten auf die Kandidatur für das Präsidentenamt. Doch nun hat er ein Problem – eine seiner patriotischen Geschichten stimmt nicht.

Der US-Präsidentschaftsbewerber Joe Biden gerät laut einem Zeitungsbericht erneut in peinliche Bedrängnis. Die "Washington Post" berichtet, eine von dem 76-Jährigen erzählte Geschichte von seiner Begegnung mit einem heldenhaften US-Soldaten in Afghanistan sei in weiten Teilen nicht korrekt. "Fast jedes Detail in der Geschichte scheint falsch zu sein", resümierte das Blatt aufgrund der eigenen Recherchen.

Die Kriegsgeschichte

Bei einem Wahlkampfauftritt vergangene Woche im Bundesstaat New Hampshire hatte Biden erzählt: Als Vizepräsident sei er trotz Warnungen in die afghanische Provinz Kunar gereist, um einem Soldaten einen Orden zu verleihen. Der Offizier habe unter Beschuss den Leichnam eines Kameraden aus einer Schlucht geborgen. Laut Bidens Schilderung lehnte der Offizier die Ehrung aufgebracht ab, weil er den Tod des Kameraden als Versagen empfunden habe.

Nun kommt heraus: Biden erzählte die patriotische Geschichte schon oft in verschiedensten Versionen – und fast alle davon sind falsch. Die "Washington Post" hat rekonstruiert, dass es sich bei der Geschichte um eine zusammengereimte Erzählung aus mindestens drei tatsächlichen Ereignissen handelt. Biden habe die Elemente "zu einer Geschichte aus Tapferkeit, Mitgefühl und Reue vermischt, die nie passiert ist", folgerte das Blatt.

Die Ehrung

Demnach habe er zwar tatsächlich eine Reise nach Afghanistan unternommen – allerdings nicht als Vizepräsident, sondern bereits 2008 als Senator. Dort habe er tatsächlich den Soldaten getroffen – der habe aber einen anderen Rang gehabt und Biden habe ihm nie eine Medaille verliehen. Hingegen habe US-Präsident Barack Obama sechs Jahre später die Ehrung des Mannes vorgenommen. Es war allerdings ein anderer Soldat, der die Ehrung eigentlich nicht empfangen wollte.

US-Soldat Kyle White bei seiner Ehrung durch Präsident Obama: Biden verlieh ihm nie einen Orden – und er lehnte ihn auch nicht ab. (Quelle: Getty Images/Mark Wilson)US-Soldat Kyle White bei seiner Ehrung durch Präsident Obama: Biden verlieh ihm nie einen Orden – und er lehnte ihn auch nicht ab. (Quelle: Mark Wilson/Getty Images)

Diesem Mann verlieh Biden tatsächlich Jahre später einen Orden als Vizepräsident – allerdings nicht bei einer seiner 20 Afghanistan-Reisen, sondern in den USA. Der Soldat hatte ebenfalls in Afghanistan versucht, einen Kameraden zu retten. Die Umstände waren aber natürlich vollkommen andere. 

Die Rechtfertigung

Biden wehrte sich nun: Was er gesagt habe, sei "absolut korrekt gewesen", sagte er einer Regionalzeitung. Der Kern seiner Geschichte habe gestimmt.  "Ich habe klargemacht, wie mutig diese Menschen sind, wie unglaublich sie sind, diese Generation von Kriegern, diese gefallenen Engel, die wie verloren haben", sagte Biden auch der "Washington Post". "Ich verstehe nicht, wo das Problem ist. Was habe ich Falsches gesagt?"

Biden gilt als einer der aussichtsreichsten Bewerber für die Kandidatur der US-Demokraten gegen US-Präsident Donald Trump bei den Wahlen im kommenden Jahr. Die Umfragewerte sprechen für ihn, er geht allerdings nicht völlig unbelastet ins Rennen. Vor mehr als 30 Jahren hatte er eine Präsidentschaftskampagne vorzeitig abbrechen müssen, weil ihm Plagiarismus nachgewiesen wurde. Auch damals hatte er bei einer Rede geschummelt.


Außerdem leistete Biden sich in den vergangenen Wochen bereits eine dichte Folge von Ausrutschern, die zu Spekulationen führten, ob sein Alter ihm zu schaffen mache: So verwechselte er die britische Ex-Premierministerin Theresa May mit ihrer seit Langem verstorbenen Vorgängerin Margaret Thatcher. Nach den Anschlägen in El Paso und im Bundesstaat Ohio sprach er von den "tragischen Ereignissen in Houston (...) und auch in Michigan". Und Biden rief auch einmal vor Anhängern aus: "Wir ziehen Wahrheit den Fakten vor!" Er wollte wohl "Fiktion" und nicht "Fakten" sagen.

Verwendete Quellen:

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