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US-Wahlkampf – Joe Bidens stärkste Rede: Er klang endlich wie ein Präsident

Rede gegen Trump  

Bidens stärkster Auftritt – mit Leidenschaft und Wut

US-Wahlkampf – Joe Bidens stärkste Rede: Er klang endlich wie ein Präsident. Joe Biden: Kämpferische Rede auf dem Parteitag. (Quelle: Reuters/Kevin Lamarque)

Joe Biden: Kämpferische Rede auf dem Parteitag. (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters)

Joe Biden hat seine Kritiker überrascht: In einer starken Parteitagsrede gelobte er, Amerikas Großkrisen zu lösen und warf Donald Trump unverzeihliches Versagen vor. Die Blitzanalyse.

Mit heftigen Attacken auf Donald Trump hat Joe Biden die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten angenommen. Der 77-Jährige lieferte eine kämpferische Rede ab und widersprach damit vor den Augen der amerikanischen Nation Trumps Behauptungen über Bidens angebliche mentale Schwäche. Er legte dar, mit welcher Strategie er Trump bei der Wahl im November besiegen will.

Die wichtigsten Erkenntnisse in der Blitzanalyse:

Darum ging es in Bidens Ansprache: Der rote Faden von Bidens 25-minütiger Rede war sein Versprechen, die Nation zu vereinen. Immer wieder beschrieb der Demokrat sein Land in einem Kampf zwischen dem Licht und der Dunkelheit und versprach: "Wir werden die Zeit der Dunkelheit überwinden."

Er zeichnete grundlegende Kontraste zwischen sich und Trump. So gelobte er, er werde sich als Präsident aller Amerikaner verstehen, auch jener, die ihn nicht wählen würden. Das war ein klarer Unterschied zu Trump, der im Amt in erster Linie auf seine treue Wählerbasis blickt. Biden übte heftige Kritik an Trumps Umgang mit Amerikas "vier Krisen": Er nannte die Pandemie, die schwere Rezession, Rassismus und Klimawandel.

Bidens Strategie gegen Trump: Am stärksten griff der Demokrat Trump für dessen Umgang mit der Corona-Pandemie an – das ist die Vorschau auf seine Strategie für die kommenden Wochen des Wahlkampfs. Trump habe "beim Schutz Amerikas versagt", so Biden. "Das ist unverzeihlich." Die USA haben bereits mehr als 170.000 Corona-Tote zu beklagen und stecken in einer tiefen Rezession. Biden sagte, nur wenn das Virus besiegt sei, könne sich das Land wirtschaftlich erholen.

Er gelobte, dass er sich von Anfang an darauf konzentrieren werde, das "Virus unter Kontrolle zu bekommen." Er versprach gar, am ersten Amtstag eine landesweite Pflicht zum Maskentragen zu erlassen. Das ist verfassungsrechtlich umstritten, diente Biden aber dazu, einen klaren Kontrast zu Trump zu zeichnen, der die Empfehlungen zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes lange unterlaufen hatte und das Virus weiterhin verharmlost. Ein bewusst gewählter Schwerpunkt: Eine Mehrheit der Amerikaner traut laut Umfragen eher Biden als Trump zu, die Pandemie zu bändigen. 

Interessieren Sie sich für die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

So war Bidens Auftritt: Der 77-Jährige lieferte einen starken und so gut wie fehlerfreien Auftritt ab. Das war bedeutsam, weil er so Unterstellungen aus dem Trump-Lager unterlief, er habe aufgrund seines Alters gar Probleme, Reden zu halten. Biden sprach eindringlich, die Inszenierung war staatsmännisch: Eine Nahaufnahme vor Flaggen mit direktem Blick in die Kamera erinnerte an eine Rede an die Nation, wie sie Präsidenten aus dem Oval Office im Weißen Haus halten.

Biden hielt die Rede in einer Mehrzweckhalle seiner Heimatstadt Wilmington, bis auf rund 30 Journalisten ohne Vor-Ort-Publikum. Es gab also keinen Applaus während der Ansprache. Trotz dieses sterilen Settings zeigte Biden Leidenschaft und auch Wut, als er über den Aufmarsch von Rassisten und Neonazis im Jahr 2017 in Charlottesville sprach – Biden nennt das Ereignis und Trumps mangelnde Verurteilung der Rechtsradikalen als ausschlaggebenden Grund für seine Kandidatur. Ihm gelang so eine bessere Rede als am Vorabend an gleicher Stelle seiner Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris.

Fazit: Biden hat geliefert. Er liegt in Umfragen vor Trump und es ist ihm gelungen, mit dem Auftritt einen klaren Kontrast zum Amtsinhaber zu ziehen – ohne dabei mit einem Fehler diesen Vorsprung zu gefährden. Bis zur Wahl ist es zwar noch ein langer Weg, doch in der wichtigsten Rede seiner politischen Laufbahn gelang Joe Biden der wohl stärkste Auftritt. Er klang wie ein Präsident.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen

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