Sie sind hier: Home > Politik > US-Wahl 2020 >

Donald Trump: US-Präsident vergleicht sich selbst mit Winston Churchill

Nach Corona-Geständnis  

Trump vergleicht sich selbst mit Winston Churchhill

11.09.2020, 07:37 Uhr | dpa, aj

Donald Trump: US-Präsident vergleicht sich selbst mit Winston Churchill. Donald Trump: Auszüge aus dem Buch eines Investigativjournalisten bringen den Präsidenten in Bedrängnis. (Quelle: Reuters/Jonathan Ernst)

Donald Trump: Auszüge aus dem Buch eines Investigativjournalisten bringen den Präsidenten in Bedrängnis. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Vor der Wahl in den USA hat sich US-Präsident Trump selbst in Bedrängnis gebracht: Er hat eingeräumt, die Corona-Gefahr heruntergespielt zu haben. Bei einem Auftritt zieht Trump eine gewagte historische Parallele.

US-Präsident Donald Trump hat dementiert, die Amerikaner über die Gefahr durch das Coronavirus belogen zu haben. "Ich habe nicht gelogen", sagte Trump am Donnerstag im Weißen Haus auf eine entsprechende Frage eines Reporters. "Ich habe gesagt, wir müssen ruhig bleiben, wir dürfen nicht in Panik geraten."

Dann holte Trump gegen den Journalisten aus: "Wie Du deine Frage formuliert hast, ist eine solche Schande. Es ist eine Schande für den Sender ABC. Es ist eine Schande für Deinen Arbeitgeber", sagte Trump sichtlich verärgert. Der Journalist hatte ihn zuvor gefragt, warum die Menschen im Land ihm weiter glauben schenken sollten, wenn sie doch wüssten, dass er zuvor über das Virus gelogen habe.

Der Hintergrund dieser Frage ist ein neues Enthüllungsbuch über den Präsidenten samt Tonaufnahmen. In Interviews des Investigativjournalisten Bob Woodward hatte Trump im März gesagt, er habe die Gefahr durch das Virus absichtlich in der Öffentlichkeit heruntergespielt. Die entsprechenden Passagen waren am Mittwoch in Medien veröffentlicht worden. Die Aussagen haben Trump kurz vor der Präsidentschaftswahl im November in Bedrängnis gebracht.

Trump zieht Parallele zu Churchill im Zweiten Weltkrieg

Bei einem Wahlkampfauftritt nach der Pressekonferenz zog Trump dann auch noch eine Parallele zwischen seinen Beschwichtigungen in der Corona-Pandemie und dem Verhalten des britischen Premierministers Winston Churchill im Zweiten Weltkrieg. "Als Hitler London bombardierte, ging Churchill, ein großer Anführer, oft auf ein Dach in London und sprach", sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Freeland im US-Bundesstaat Michigan. "Und er sprach immer mit Gelassenheit. Er sagte, wir müssen Gelassenheit zeigen. Nein, wir haben es richtig gemacht, und wir haben eine Arbeit geleistet wie niemand sonst.

Trump verwies auf den Rat der Regierung in London an die Briten im Zweiten Weltkrieg: "Keep calm and carry on" (in etwa: Ruhe bewahren und weitermachen). "Das ist, was ich getan habe." Von Churchill ist überliefert, dass er die Bombenangriffe der Nazis auf London von einem Dach aus beobachtete, nicht aber, dass er dabei Reden hielt. Im Juni 1945 – also nach dem Kriegsende – sprach er im Wahlkampf auf einem Vordach, wie auf Fotos festgehalten wurde.

US-Präsident spielt das Thema weiter herunter

Trump stellte zudem die Lage in den USA als besser dar als in Europa. "Wenn man sich die Europäische Union im Moment ansieht, dann haben sie Ausbrüche, wie man sie noch nie zuvor gesehen haben, und offen gesagt sind ihre Zahlen auf einem Niveau, das viel schlimmer ist als die Zahlen hier", sagte er. Als Beispiele nannte er Italien, Frankreich und Spanien. Dort haben die Infektionszahlen zwar wieder zugenommen, auch in den USA sind sie aber weiterhin auf einem hohen Niveau.

Interessieren Sie sich für die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt über seine Arbeit im Weißen Haus und seine Eindrücke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier können Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Trump zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die USA die Krise bald überwinden würden. Einen weiteren "Shutdown" schloss er aus. Seinem Herausforderer bei der Wahl am 3. November, Joe Biden, warf er vor, die Pandemie für politische Zwecke zu missbrauchen.

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind nach Statistiken der Universität Johns Hopkins in Baltimore mehr als 191.000 Menschen in den USA nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen lag am Mittwoch bei mehr als 34.000. In absoluten Zahlen haben die USA weltweit die meisten Corona-Toten zu beklagen, nicht aber relativ zur Einwohnerzahl. In dieser Kategorie liegen die USA an siebter Stelle. In der EU hat demnach nur Spanien mehr Tote pro 100.000 Einwohner zu beklagen.

Verwendete Quellen:
  • Pressekonferenz von US-Präsident Trump
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team von t-online

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal