• Home
  • Politik
  • Kolumne - Fabian Reinbold
  • US-Wahl: Stimmung f├╝r Trump auf dem Land ÔÇô "Ohne Trump ist unser Land tot"


Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Besuch in Pennsylvania: "Ohne Trump ist unser Land doch tot"

Eine Kolumne von Fabian Reinbold

Aktualisiert am 18.09.2020Lesedauer: 5 Min.
Anh├Ąnger bei einer Wahlkampfrally in Latrobe, Pennsylvania: Auf dem Land hat Donald Trump unersch├╝tterliche Fans.
Anh├Ąnger bei einer Wahlkampfrally in Latrobe, Pennsylvania: Auf dem Land hat Donald Trump unersch├╝tterliche Fans. (Quelle: Jeff Swensen/getty-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextLufthansa bringt Mega-Jumbo A380 zur├╝ckSymbolbild f├╝r einen TextWaldbrand in Brandenburg au├čer KontrolleSymbolbild f├╝r einen TextGelbe Giftwolke t├Âtet zehn MenschenSymbolbild f├╝r einen TextUSA: Zug mit 200 Passagieren entgleistSymbolbild f├╝r einen TextOligarchen-Jacht soll versteigert werdenSymbolbild f├╝r einen TextHut-Panne bei K├Ânigin M├íximaSymbolbild f├╝r einen TextARD-Serienstar wird ersetztSymbolbild f├╝r einen TextDeutsche Tennis-Asse souver├ĄnSymbolbild f├╝r einen TextDresden: Baukran kracht gegen WohnhausSymbolbild f├╝r ein VideoDorfbewohner stoppen RiesenkrokodilSymbolbild f├╝r einen TextErster Wolf in Baden-W├╝rttemberg entdecktSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserRoyal-Expertin sorgt sich um KateSymbolbild f├╝r einen TextJetzt testen: Was f├╝r ein Herrscher sind Sie?

Im US-Bundesstaat Pennsylvania kann sich die Pr├Ąsidentschaftswahl entscheiden. Vor Ort wird klar, wie treu die W├Ąhler auf dem Land an der Seite Donald Trumps stehen.

W├Ąhrend die USA in dieser Woche gebannt auf das Inferno in Kalifornien und den schweren Hurrikan am Golf blickten, schielte die Politik auf ein anderes Kampfgebiet.

Alle kamen sie in diesen Tagen in ein und denselben Bundesstaat: Donald Trump, der sich ebenso einer B├╝rgersprechstunde stellte wie Joe Biden. Sohnemann Donald Jr. und Biden-Vize Kamala Harris, die ihre jeweiligen Stammw├Ąhler umschmeicheln wollten, und der Kolumnist aus Deutschland, der war auch in Pennsylvania.

2016 war Pennsylvania einer jener Staaten, die Trump den ├ťberraschungssieg bescherten. Sechs Millionen B├╝rger gaben ihre Stimme ab, am Ende lag Trump mit 44.292 Stimmen vorn, ein Qu├Ąntchen. Die Politik-Datengurus von ÔÇťFivethirtyeightÔÇŁ servieren uns jetzt diese Zahlen: Wenn Biden Pennsylvania gewinnt, habe er eine 96-prozentige Chance, Pr├Ąsident zu werden. (Bei Trump wiederum seien es 84 Prozent.) Weil das US-Wahlsystem ist, wie es ist, k├Ânnte Pennsylvania der allerwichtigste der wichtigen Staaten werden.

Laut Umfragen liegt Biden hier gut vier Prozentpunkte vorn, das ist nicht viel. Trump hatte 2016 in den Gro├čst├Ądten keine Chance, schnitt sogar in den Vorst├Ądten schlecht ab, aber er gewann fast alle l├Ąndlichen Wahlkreise und viele so deutlich, dass er am Ende doch vorn lag. Das sind die drei Kampfzonen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Erster Angriff mit neuer Waffe hat drastische Folgen


Und dieses Jahr? Leuchtet am Rande der Landstra├če in Youngstown dieses Haus in der Herbstsonne.

"Trump House" in Youngstown: F├╝r Joe Biden gibt es so etwas nicht.
"Trump House" in Youngstown: F├╝r Joe Biden gibt es so etwas nicht. (Quelle: Fabian Reinbold)

Wahlkampf, wie es ihn only in America gibt. Das Geb├Ąude ist weniger Ausdruck spontaner Begeisterung als professionellen Kalk├╝ls, um Kameras anzulocken. Eine Republikanerin hatte es 2016 schon aufgestellt, sie ist f├╝r ihr Engagement mit einer Einladung ins Wei├če Haus belohnt worden. Jetzt verteilt sie gratis Schilder, T-Shirts oder MAGA-K├Ąppis, die sonst 25 Dollar kosten. Als ich sie frage, wer das alles bezahlt, wird sie schmallippig.

Wichtiger f├╝r unsere Zwecke ist aber etwas anderes: Der Zustrom an Leuten versiegt nicht, es vergehen keine drei Minuten, ohne dass ein neues Auto vorf├Ąhrt. Sie kommen und stauben ihre Trump-Fanartikel ab. F├╝r Joe Biden gibt es nirgendwo vergleichbare Fan-Scharen geschweige denn so ein Haus.

Loading...
Symbolbild f├╝r eingebettete Inhalte

Embed

Diese Fanartikel sind wichtig, denn es geht im Kampf um Pennsylvania um Sichtbarkeit im Stra├čenbild. In St├Ądten und Vorst├Ądten stehen auch die Biden/Harris-Schilder in den Vorg├Ąrten, doch weiter drau├čen fast ohne Ausnahme Trump/Pence-Schilder. ├ťblicherweise nicht eins, sondern gleich zwei bis drei auf dem Grundst├╝ck. Besonders gern die Flagge mit der Aufschrift Trump 2020 ÔÇô No more bullshit. 95 Prozent der Schilder, Flaggen, Plakate, die am Stra├čenrand vorbeiziehen, sind f├╝r Trump.

Trump kam am Dienstag in die gr├Â├čte Stadt Philadelphia, um eine B├╝rgerversammlung abzuhalten. Das war interessant, weil er solche Veranstaltungen sonst meidet und nur mit eingefleischten Fans spricht. Doch das Format funktioniert mit ihm einfach nicht. Trump und Pennsylvanias Wechselw├Ąhler aus den St├Ądten reden aneinander vorbei. Trump beantwortet die Fragen nicht, er nimmt sie nur als Stichwort auf und ist sp├Ątestens mit dem zweiten Satz in seinem Paralleluniversum, wo er der erfolgreichste Pr├Ąsident ist und immer, aber auch wirklich immer, die anderen Schuld sind (China/Demokraten/Biden/Medien).

Joe Biden liegt dieses Format mehr, weil er auf die Fragesteller eingeht. Er beweist es am Donnerstag in seiner Geburtsstadt Scranton im Norden Pennsylvanias. Vorteil Biden.

Trump muss woanders punkten. Dort, wo sie seine Sprache aufgesogen haben, seine Welt zu ihrer gemacht haben.

Man erreicht sie, wenn man ganz in den Westen f├Ąhrt, vorbei an Pittsburgh, und dann durch das Tal des Ohio River. In Beaver County sind die Bewohner, typisch f├╝r das l├Ąndliche Pennsylvania, wei├č, wenige haben studiert. Bis in die Achtzigerjahre standen hier einige der gr├Â├čten Stahlh├╝tten auf Erden. Die meisten von ihnen sind l├Ąngst dicht, kleinere Stahlwerke und andere Industrie gibt es noch. Doch der gro├če Wohlstand ist verblichen.

Interessieren Sie sich f├╝r die US-Wahl? Unser Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt ├╝ber seine Arbeit im Wei├čen Haus und seine Eindr├╝cke aus den USA unter Donald Trump einen Newsletter. Hier k├Ânnen Sie die "Post aus Washington" kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

In einem ├ľrtchen namens Industry machen wir Halt an einer kleinen roten H├╝tte auf einem riesigen Schotterparkplatz. Trucks, die nach Ohio fahren, brettern auf der Route 68 vorbei, manche biegen ab, und bleiben mit r├Âhrendem Motor auf dem Schotter stehen. Sie kommen wegen Jeannette.

Bei JeannetteÔÇÖs Kitchen gibtÔÇÖs ab morgens um f├╝nf Eier und Barbecue: Brisket, Rippchen, Burger mit einem halben Pfund Fleisch. "Gro├če Portionen, damit die Trucker durch den Tag kommen", sagt Jeannette White und lacht.

Die Industrie schw├Ąchelt rund um Industry. Beaver County war lange demokratisches Stammrevier mit starken Gewerkschaften, w├Ąhlt aber seit gut einem Jahrzehnt republikanisch. Trump holte hier 60 Prozent der Stimmen.

Jeannette hat im Fenster ein Trump-Plakat h├Ąngen und tr├Ągt ein Trump-K├Ąppi in Tarnfarbe. Sie hat 2016, nat├╝rlich, f├╝r ihn gestimmt. ÔÇťIch bin zum allerersten Mal in meinem Leben zur Wahl gegangen, ich glaube eigentlich nicht an PolitikÔÇŁ, so sagt sie es. Jeannette White, 56, ist damit typisch f├╝r den damals ├╝berraschenden Erfolg Trumps: Er hat Leute an die Urnen getrieben, die sonst gar nicht w├Ąhlen.

Jeannette ist Ureinwohnerin (ÔÇťhalb Cherokee, halb PuebloÔÇŁ) und hatte kein leichtes Leben. Sie hat das linke Bein verloren, h├Ârt nicht gut und schmei├čt ihren kleinen Laden im Alleinbetrieb, oft beginnt sie morgens um drei. 16 Leute habe sie eingestellt, aber die seien nicht zu gebrauchen gewesen: Drogen, Geldklau, einer hatte am Herd Telefonsex, so erz├Ąhlt sie es. Die Leute bek├Ąmen zu viel Arbeitslosengeld, sagt White. Hoffnung verleiht ihr nur einer: der Pr├Ąsident.

ÔÇťOhne TrumpÔÇŁ, sagt Jeannette White, ÔÇťist unser Land doch tot.ÔÇŁ

Imbissbesitzerin Jeannette White: Sie ist sich sicher, dass Trump wiedergew├Ąhlt wird.
Imbissbesitzerin Jeannette White: Sie ist sich sicher, dass Trump wiedergew├Ąhlt wird. (Quelle: Fabian Reinbold)

Schr├Ąg gegen├╝ber liegt ein Kohlekraftwerk, das 2019 dichtgemacht hat. Kann Trump, wie er versprochen hat, Kohle und Stahl zur├╝ckbringen? "Oh, aber sicher", sagt sie. "Es kam ihm ja nur das Virus dazwischen." Sie sitze auf ihrem Grundst├╝ck auch auf einem Kohlevorkommen: "Wenn Trump gewinnt, komme ich da endlich ran."

Loading...
Loading...
Loading...

White wurmt es, dass Trump immer die Schuld gegeben werde, dabei k├Ânne er doch etwa f├╝r das Virus gar nichts. W├Ąhrend in Washington Trumps Berater und Experten ihm mittlerweile auch ├Âffentlich bei seinen rosigen Ank├╝ndigungen zu einem Corona-Impfstoff widersprechen, sagt Jeannette White vier Autostunden entfernt in Industry, Pennsylvania: "Ohne ihn h├Ątten wir Ende des Jahres keinen Impfstoff. Die Demokraten h├Ątten das nicht hinbekommen."

Am Ende geht es ihr aber nicht um solche Nebens├Ąchlichkeiten, sondern um das gro├če Ganze: "Er glaubt an Amerika. Er ist f├╝rs Volk. Alles andere ist doch egal."

Drau├čen hat David Biehls gerade seinen Texan Burger verspeist, halbes Pfund Fleisch, reichlich Bacon, frittierte Zwiebelringe. Der 50-J├Ąhrige erinnert sich noch an die fetten Jahre. "Ich w├╝nschte, wir k├Ânnten wie damals leben. Damals waren wir alle wie eine Familie, heute sind wir irgendwie soÔÇŽ.", jetzt schaut er fragend seine Mutter Judy an, "gespalten?"

Biehls hat einen Job bei der Post und Freunde, die in den Werken gearbeitet haben. Sieht er einen Aufschwung? Noch nicht, sagt Biehls, aber die Industrie werde "ganz sicher" bald zur├╝ckkommen. "Trump ist mit so vielen Dingen besch├Ąftigt und das geschieht nicht ├╝ber Nacht. Wenn er wiedergew├Ąhlt wird, wird es anfangen besser zu werden."

In der Welt von Biehls und White steht Trump kurz davor, alles zu erreichen, trotz aller Gegner. Nur noch muss er wiedergew├Ąhlt werden. Wenn es um die Feinde geht, haben sie Trumps Ausdr├╝cke ├╝bernommen. Die Demokraten sind Verr├Ąter, Biden ist senil. Sie stehen unersch├╝tterlich an Donald Trumps Seite.

Sie best├Ątigen, was man schon auf der Fahrt ├╝ber die Landstra├čen sieht: Auf das Land kann Donald Trump z├Ąhlen. Joe Biden muss zusehen, dass er seine Massen in den St├Ądten mobilisiert und in den Vororten Konservative gewinnt, die nicht in der Trump-Welt leben. Sonst wird es nichts mit Pennsylvania und vielleicht auch nicht mit der ganzen Wahl.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
DeutschlandDonald TrumpJoe BidenKalifornienKamala HarrisPennsylvaniaUS-WahlUSAWashingtonWei├čes Haus
Aktuelles zu den Parteien

Politik international




t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website