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Die AfD wird zum Sammelbecken fĂŒr Nazis und Durchgeknallte

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 23.11.2020Lesedauer: 4 Min.
Alexander Gauland: Die AutoritÀt des AfD-Politikers ist laut t-online Kolumnist Gerhard Spörl geschrumpft.
Alexander Gauland: Die AutoritÀt des AfD-Politikers ist laut t-online Kolumnist Gerhard Spörl geschrumpft. (Quelle: /imago-images-bilder)
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WĂ€hrend Friedrich Merz davon ĂŒberzeugt ist, dass ihm niemand in sein Weihnachtsfest reinreden sollte, prĂ€sentiert sich die AfD als Pöbel-Partei. Und dennoch: Deutschland geht es so viel besser als anderen LĂ€ndern.

Die Zahl der Infizierten geht auf die Million zu, die Zahl der Toten auf 15.000. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht lautet: Die Zunahme ist nicht mehr exponentiell. Der Lockdown light zeigt damit immerhin teilweise Wirkung. Und mehr als 80 Prozent aller Deutschen finden immer noch okay, was die Bundesregierung und die Landesregierungen ihnen auferlegen.

Blöde. Unangenehm. Langweilig. Aber schlimm?

Begeistert sind sie nicht, wie auch, aber sie sehen die Notwendigkeit ein – das genĂŒgt. Nicht alles ist wie aus einem Guss. WĂ€hrend ich draußen noch Golf spielen darf, weil dort das Infektionsrisiko deutlich geringer ist, ist Tennis in der Halle verboten. Weshalb kann ich eine Galerie besuchen, jedoch nicht ein Museum? Wer sucht, findet jede Menge Fragen. DarĂŒber kann man sich aufregen, damit kann man sich jedoch genauso gut abfinden, weil nun mal derart tiefgreifende Verordnungen in einer hochdifferenzierten Gesellschaft nicht nur ĂŒberzeugend ausfallen können.

Friedrich Merz hat in einem Interview gesagt, dass er sich nicht vom Staat vorschreiben lassen möchte, in welcher Zahl und mit wem er Weihnachten feiert. Sehr naseweis – wer möchte sich da schon dreinreden lassen? Es gehört auch wenig Mannesmut dazu, der Kanzlerin im einen oder anderen Punkt zu widersprechen, denn darum geht es ihm ja: In meinem Freiheitsdrang bin ich nicht aufzuhalten, schon gar nicht von der Angela Merkel, die ich liebend gern wissen lasse, dass ich klĂŒger bin als sie – bin ich nicht großartig? Ist er nicht. Kleines Karo. Dieser Mann will zuerst Bundesvorsitzender werden und dann Kanzlerkandidat.

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Wir sind wohl besser dran

Also muss er sich heute schon daran messen lassen, was er morgen sein möchte. Erkennen lĂ€sst sich ein Muster: Flottes Dahinreden und ein ewiges Abarbeiten an der Kanzlerin, die ihn vor Jahr und Tag abgesĂ€gt hatte. DarĂŒber scheint er nicht hinweg zu kommen. Deshalb dieses viele Ich, ich, ich. Folglich redet er fahrlĂ€ssig vor sich hin, im Glauben, dass ihm ausschließlich Substantielles aus dem Mund perlt. Mehr hat er nicht zu bieten? Ja, wir bleiben eingeschrĂ€nkt. Bars und Kneipen und Restaurants: geschlossen. Pleiten en masse wird es geben, nicht alle werden durchhalten, auch wenn der Staat UnterstĂŒtzung anbietet, was nun mal richtig ist. Silvesterfeste fallen allenfalls klein aus. Immer weniger LĂ€nder auf der Erde lassen sich besuchen. Blöde. Unangenehm. Langweilig. Aber schlimm?


Schaut euch doch mal um: Österreich, Frankreich, England, Spanien, Balearen. Amerika. Asien. Wer ist da wohl besser dran als wir? Wer beneidet da wohl wen? Und, hey, zweitens, vielleicht schon in dieser Woche kommt in den USA der Impfstoff aus dem Mainzer Labor des Ehepaares Sahin/TĂŒreci auf den Markt. Er wird nicht der einzige bleiben, das ist jetzt schon klar. Ab jetzt geht es rasant voran. Es ist schon abzusehen, dass die Pandemie eingedĂ€mmt werden kann. Wenn wir ganz kĂŒhn sein wollen, ist es im Hochsommer mit alledem vorbei. Kein Lockdown mehr. Restaurants: offen. Bars und Kneipen auch. Theater spielen wieder, Orchester spielen wieder, Musicals etc. spielen wieder. Das Leben hat uns wieder. Können wir uns nicht mal in Zuversicht ĂŒben?

Bund und LĂ€nder einigen sich am Ende wieder auf Kompromisse

Ich vermute mal, das erstaunlich ungebrochene Vertrauen in die Regierung hĂ€ngt mit dieser Aussicht auf das Ende der dicken und dĂŒnnen Lockdowns zusammen. Vermutlich denken sich die Leute mit ihrem gesunden Menschenverstand, was die Kanzlerin in ihrer ĂŒbergroßen Vorsicht auf den Pressekonferenzen nicht sagt. Wenn sie ab und zu mal Reden zur Lage der Nation hielte wie andere Regierungschefs, was sie aber eben nicht tut, weil sie ist, wie sie ist, dann könnte sie uns zur Geduld mahnen – mit dem Ausblick auf das Impfen in absehbarer Zukunft. So wird es noch eine Weile zugehen wie zuletzt.

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Die Kanzlerin und die MinisterprĂ€sidenten setzen sich an diesem Mittwoch wieder zusammen, streiten ĂŒber das Ausmaß der Maßnahmen in Anbetracht der neuesten Zahl an Infizierten und Gestorbenen und einigen sich am Ende auf Kompromisse, die dann mehr oder weniger ĂŒberzeugen. Und diejenigen, die sich Querdenker nennen, ziehen daraufhin durch die StĂ€dte auf der Suche nach maximaler Provokation. Dazu gehören Figuren wie Jana aus Kassel, die sich fĂŒr Sophie Scholl hĂ€lt, weil sie den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie nicht kennt. Dazu gehören die Eltern einer ElfjĂ€hrigen, die ihren Geburtstag nicht so feiern durfte, wie sie wollte, und ihr einredeten, sie sei so arm dran wie Anne Frank. Dazu gehören auch die Abgeordneten der AfD, die Pöbler und Hetzer in den Bundestag einschleusen, damit sie Politiker, die nicht der AfD angehören, beschimpfen und belĂ€stigen konnten.

Gaulands AutoritÀt ist geschrumpft

Die AfD hat erreicht, was sie seit Monaten erreichen wollte: Sie hat Einfluss auf die außerparlamentarische Opposition gewonnen, die sich in den Corona-Monaten gebildet hat. Ums Dabeisein ging es ihr zuerst. Ums Kapern ging es ihr dann, als drei Polizisten Eindringlinge in den Bundestag abwehrten. Die Entschuldigung von Alexander Gauland im Bundestag ("unzivilisiert und ungehörig") ist vielleicht sogar ernst gemeint, aber sie bleibt unangemessen und zeigt am ehesten, dass seine AutoritĂ€t geschrumpft ist. Das ist kein gutes Zeichen.

Die AfD öffnet sĂ€mtliche Schleusen und herein strömen nicht nur Impfgegner und Spiritualisten und einzelne Durchgeknallte wie Attila Hildmann, die es nach fĂŒnf Minuten Ruhm drĂ€ngt, sondern Nazis, ReichsbĂŒrger und was auch immer antidemokratisch sein will. Aus der Angst, abgehĂ€ngt zu werden, verĂ€ndert sich die AfD zur Kenntlichkeit: als Pöbel-Partei. In 30 Tagen ist Weihnachten. Wie es aussieht, wird fĂŒr die Feiertage die eine oder andere Sanktion gelockert werden. Dann beginnt das neue Jahr mit der Aussicht, dass wir uns gegen Corona impfen lassen. Wir sollten geduldig bleiben und aufs Beste hoffen – auch darauf, dass die Demokratie gestĂ€rkt aus der Pandemie hervorgeht.

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