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US-Geheimdienste ermitteln: War Corona doch Laborunfall aus Wuhan?

Corona-Ermittlungen von Geheimdiensten  

China wirft USA "politische Manipulation" vor

Von Maximilian Kalkhof

28.05.2021, 13:32 Uhr
Suche nach Corona-Ursprung birgt brisante Vermutung

Regierungsquellen zufolge prüfen US-Geheimdienste Berichte, wonach drei Forscher am chinesischen Wuhan Institute of Virology einen Monat vor den ersten Covid-19-Fällen schwer erkrankt waren. (Quelle: Reuters)

Prüfung des Hintergrunds: Die Suche nach dem Ursprung des Coronavirus birgt eine brisante Vermutung. (Quelle: Reuters)


Das Verhältnis zwischen China und den USA wird sich wohl weiter verschlechtern: China reagiert empört auf die Ankündigung von Joe Biden, dass seine Geheimdienste intensiver nach dem Ursprung des Coronavirus suchen.  

Nach anderthalb Jahren Corona-Pandemie ist der Ursprung des Ausbruchs noch immer unbekannt. Lange sah es danach aus, als halte eine Mehrzahl der Wissenschaftler einen Laborunfall in Wuhan für nicht plausibel. Die Labor-Hypothese schien immer mehr in der Versenkung abstruser Verschwörungsideologien zu verschwinden.

Doch spätestens jetzt ist sie zurück: US-Präsident Joe Biden hat seine Geheimdienste am Mittwoch beauftragt, ihre Ermittlungen zum Ursprung der Pandemie aufzunehmen. Die bisherigen Untersuchungen hätten kein abschließendes Urteil darüber ermöglicht, ob das Virus vom Tier auf den Menschen übergesprungen oder bei einem Unfall aus einem Labor entwichen sei.

90 Tage Zeit für Ermittlungen

"Ich habe nun die Geheimdienste gebeten, ihre Anstrengungen zu verdoppeln und mir in 90 Tagen Bericht zu erstatten. Sie sollen Informationen sammeln, analysieren, und uns einer endgültigen Schlussfolgerung näherbringen.", heißt es in einer Pressemitteilung des Weißen Hauses. Damit haben die US-Nachrichtendienste bis Ende August Zeit, um einen Bericht vorzulegen. Wieso der US-Präsident diese Frist von 90 Tagen stellte, blieb offen.

Mit dem Auftrag an seine Geheimdienste gibt Joe Biden der Labor-Hypothese neuen Aufwind. Sie könnte nun wieder als möglicher Grund für den Ausbruch der Pandemie betrachtet werden – nicht nur unter US-Geheimdienstlern, sondern auch in Geheimdienstkreisen in der ganzen Welt.

WHO hielt Hypothese für "sehr unwahrscheinlich"

Dabei sah es danach aus, als wäre die Hypothese nicht zu halten. Im März veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Bericht, der die Ergebnisse eines Forschungsaufenthalts in China zusammenfasste. Dieser bezeichnete einen Laborunfall als "sehr unwahrscheinlich". Mit diesem Urteil der Hüterin der globalen Gesundheit schien die Labor-Hypothese diskreditiert, die Debatte darüber erledigt.

Aber dann war es ausgerechnet WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus, der für eine Wende sorgte – ein Mann, den Kritiker zuvor als Peking-hörig bezeichnet hatten. Das WHO-Team habe mehrere Labore in Wuhan besucht und die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass das Virus durch einen Unfall von dort entwichen sei, sagte Tedros Ende März auf einer Pressekonferenz: "Ich glaube jedoch nicht, dass diese Bewertung umfangreich genug war. Es werden weitere Daten und Studien benötigt, um zu robusteren Schlussfolgerungen zu gelangen."

Geheimdienstbericht über infizierte Forscher

Von dort aus entspann sich die Debatte weiter. Im Mai forderten 18 Autoren, darunter weltweit führende Corona-Forscher, in dem angesehenen Wissenschaftsmagazin "Science": "Untersucht den Ursprung von Covid-19". Die Tatsache, dass es sich hierbei um Wissenschaftler handelte, verlieh dem Appell eine Glaubwürdigkeit, die über politische Forderungen hinausging.

Und so fingen auch Journalisten erneut an, die Möglichkeit eines Laborunfalls zu recherchieren. Erst vor wenigen Tagen berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen US-Geheimdienstbericht, dass drei Forscher des Wuhan Institute of Virology (WIV) im November 2019 mit Covid-19-ähnlichen Symptomen ein Krankenhaus aufgesucht hätten – also Wochen vor dem ersten Virusausbruch im Dezember 2019. Am WIV wird seit vielen Jahren an Coronaviren geforscht.

Fledermaus-Forscherin aus Wuhan

Eine der bekanntesten Forscherinnen dieses Instituts ist Shi Zhengli, die in chinesischen Medien auch als "Batwoman" bezeichnet wird. Wie sie in Interviews erklärte, sei es Teil ihres Jobs, sich nachts in schmale Höhlen zu zwängen, um Proben von Fledermausblut, -speichel und -fäkalien zu sammeln. Coronaviren kommen häufig bei Fledermäusen vor.

Erst im März 2019, nur wenige Monate vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, veröffentlichte Shi in einem schweizerischen Fachjournal gemeinsam mit Kollegen eine Studie, in der sie vor Fledermäusen und Zoonosen warnte, also vor Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen.

Dass Joe Biden die Labor-Hypothese mit dem Auftrag an seine Geheimdienste wieder salonfähig gemacht hat, gefällt Peking nicht. Zhao Lijian, ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, bezeichnete die Entscheidung des US-Präsidenten auf einer Pressekonferenz in dieser Woche als "politische Manipulation". Zhao hatte im vergangenen Jahr die US-Armee bezichtigt, das Coronavirus bei den Militärweltspielen 2019 in Wuhan nach China eingeschleppt zu haben. Dieser Vorwurf darf aber als frei erfunden gelten. Hinweise dafür gibt es nicht.

Das hält das chinesische Außenministerium aber nicht davon ab, die Beweislast weiterhin bei den USA zu suchen. "Wenn die US-Seite wirklich eine völlig transparente Untersuchung fordert, sollte sie dem Beispiel Chinas folgen und die WHO-Experten in die USA einladen, und Fort Detrick und die Biolabore in Übersee für den Rest der Welt öffnen", sagte Zhao. Fort Detrick ist ein Standort des US-Militärs im Bundesstaat Maryland, an dem in der Vergangenheit an biologischen Waffen gearbeitet wurde. Auch die chinesische Botschaft in Washington meldete sich zu Wort und bezeichnete die Entscheidung Joe Bidens als "Verleumdungskampagne" und "Verschwörungstheorie".

Die meisten Forscher gehen heute davon aus, dass der Ursprung des Coronavirus auf wissenschaftliche Weise nicht mehr aufgeklärt werden kann. Es bleibt abzuwarten, ob die US-Geheimdienste in drei Monaten zu einem anderen Ergebnis kommen.

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