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Warum im Osten die Sonne für die Union besonders tief untergeht

Von Gerhard Spörl

Aktualisiert am 02.10.2021Lesedauer: 4 Min.
Deutsche Wiedervereinigung: Der 3. Oktober ist keine schlechte Wahl als deutscher Nationalfeiertag, sagt Gerhard Spörl.
Deutsche Wiedervereinigung: Der 3. Oktober ist keine schlechte Wahl als deutscher Nationalfeiertag, sagt Gerhard Spörl. (Quelle: Langrock / Ullstein Bild)
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Große Emotionen sind nicht mehr mit dem 3. Oktober verbunden. Aber dieses Datum hat einen Vorteil: Es ist nicht derart durchtränkt mit deutscher Geschichte. Freuen wir uns einfach über die Einheit.

Für meine Kinder war die DDR das Land, in das sie den Volvo schieben durften. Wenn wir aus Hamburg nach Hof fuhren, in meine Heimatstadt, dann nahmen wir immer die Strecke durch das andere Deutschland. Die DDR-Grenzbeamten, jeder Zoll Herrschaftsmacht, ließen sich ewig Zeit, keine Überraschung. Um die beiden Buben bei Laune zu halten, ließ ich sie das Auto schieben.

Zum Tag der Wiedervereinigung schweifen die Gedanken eben auch zu eher unschuldigen Episoden ab. Ein guter Bekannter zog für ein Jahr nach Ostberlin, der Liebe und der Deutschen Kommunistischen Partei wegen. Diese Lebensentscheidung war so absurd und so wichtig für ihn, dass er jetzt darüber einen Roman schreibt.

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Lafontaines großer Fehler

Gerade las ich eine Meldung über Oskar Lafontaine und dabei fiel mir wieder sein berühmter Satz von Ende November 1989 ein, man dürfe die Bürger der Deutschen Demokratischen Republik nicht dazu auffordern, in den Westen zu kommen. Okay, aber dazu forderten sie sich schon selber auf, sodass die Wiedervereinigung so rasend schnell zustande kam. Mit seinen schlauen Sätzen grub sich Lafontaine das Grab, in das er bei der ersten gesamtdeutschen Wahl ein Jahr später fiel.

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Verdammt lang her. Man muss heute schon beinah 50 sein, damit das Hirn Erinnerungen an diese Zeit speichern konnte. Björn Höcke ist 49, wuchs im Westen auf und fand in Thüringen seine geistige Heimat, wobei ihm der Postfaschismus näherliegt. Aber auch die DDR dient ihm gern mal als Bezugsgröße im Ressentiment gegen das real existierende Deutschland. Alexander Gauland ist 80 und es fehlt eigentlich noch sein Hinweis, dass die DDR nur ein Fliegenschiss in der deutschen Geschichte war. Größer immerhin, mit 40 Jahren Verweildauer, als die 12 Hitler-Jahre.

Für andere Zeitgenossen ist die verblichene DDR ein Nostalgiefaktor besonderer Güte. Das kann man zum Beispiel in der "Berliner Zeitung" nachlesen, die einmal Großes mit sich vorhatte. So etwas wie die deutsche "Washington Post" wollte sie sein, auch lang her. Vor wenigen Jahren hat Holger Friedrich das Blatt gekauft, ein in der IT-Branche reich gewordener Unternehmer mit Stasi-Schwefelgeruch.

In der "Berliner Zeitung" kann man jetzt viel Verständnisvolles über die freundlichen Seiten der DDR finden, die rechtsstaatlich der Bundesrepublik durchaus auch überlegen gewesen ist, nicht wahr, und jedenfalls kein Unrechtsstaat war, oder? Na ja. Noch mehr Empathie für Herz und Gemüt der versunkenen Zeit bringt der Mitteldeutsche Rundfunk auf, in Filmen, Dokumentationen und Serien.

DDR spielt kaum eine Rolle

Erinnerungen sind persönlich gefärbt, wie denn auch nicht. Zugleich sind sie ein Reservoir zur politischen und kulturellen Abgrenzung. Anlass für eine Dauerbeschwerde in Sachsen-Anhalt oder Thüringen oder Sachsen bietet das Unverständnis der westlichen Eliten gegenüber den Besonderheiten des Ostens. Daran ist ja auch einiges wahr. Denn im kollektiven Gedächtnis spielt die DDR nur eine Nebenrolle. Geschichtsdebatten kreisen heute immer noch um die Nazizeit oder wie seit Kurzem um den Wilhelminischen Kolonialismus.

Nationale Feiertage werden immer gerne genommen. So haben wir Westdeutschen es mit dem 17. Juni gehalten, dem Tag des Aufstandes gegen die Arbeitsnormen im Jahr 1953, von Sowjetpanzern überrollt. Der 3. Oktober ist zum Glück weniger blutig gefärbt.

Praktische Gründe führten dazu, dass er zum nationalen Feiertag erkoren wurde. Am 12. September hatten die vier Siegermächte und die beiden deutschen Staaten den 2+4-Vertrag unterzeichnet, der die Wiedervereinigung völkerrechtlich ermöglichte. Am 2. Oktober trafen sich dann die Außenminister der KSZE-Staaten und wurden förmlich von den Signatarmächten informiert. So war der 3. Oktober 1990, ein Mittwoch, der frühestmögliche Termin. Dieser Tag ist zum Glück nicht so durchtränkt mit deutscher Geschichte wie der 9. November, die verworfene Alternative.

Laschets Tage sind gezählt

Ausgerechnet Sachsen-Anhalt richtet diesmal die Feiern aus. Dort kann sich der CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff keinesfalls auf seine CDU verlassen, die nahe bei der AfD siedelt. Wie symbolisch: Im Osten geht die Sonne für die Union besonders tief unter.

Von diesem 3. Oktober wird bleiben, dass die Grünen mit der SPD darüber reden, wie aus dem Sondieren schnell ein Verhandeln werden kann. Nebenbei liegt das Haupt von Armin Laschet schon auf dem Richtblock. Nur der Henker lässt sich noch nicht auftreiben. Laschet muss wohl warten, bis sich Christian Lindner von der Jamaika-Koalition abwendet. Wird er. Bald.

Die Gegenwart drängt sich vor, auch am nationalen Feiertag. Die Gegenwart ist der Vergangenheit immer überlegen. Sie hat das Recht dazu und nimmt es sich einfach. Und umgekehrt ist es eben auch so, dass die Vergangenheit auch nach mehr als 30 Jahren nicht einfach vergeht. Sie schwingt in der Gegenwart mit und prägt das neue Dasein auf ihre Weise.

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