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Was sagt die Kriminalstatistik aus?

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Was die neuen Zahlen bedeuten  

Die Kriminalstatistik und ihre Grenzen

08.05.2018, 12:52 Uhr | dpa, t-online.de, so

Was sagt die Kriminalstatistik aus?. Horst Seehofer bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik: Die neuen Zahlen beinhalten nicht alle Straftaten, die in Deutschland begangen werden. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Horst Seehofer bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik: Die neuen Zahlen beinhalten nicht alle Straftaten, die in Deutschland begangen werden. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Die neue Kriminalstatistik wurde vorgestellt. Die registrierten Straftaten sollen demnach in Deutschland gesunken sein. Doch wie aussagekräftig sind die Zahlen?

Mit fast sechs Millionen Straftaten wurden im vergangenen Jahr rund zehn Prozent weniger Straftaten in Deutschland registriert. Es ist der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung, sagt die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik, die am Dienstagmorgen von Horst Seehofer vorgestellt wurde. Doch welche Straftaten fasst die Kriminalstatistik zusammen? Kann man von einem allgemeinen Rückgang der Kriminalität ausgehen?

Welche Straftaten wertet die Kriminalstatistik aus?

Die Kriminalstatistik spricht von rund sechs Millionen Straftaten in 2017. Die Zahl bezieht sich jedoch nicht auf alle tatsächlich begangenen Straftaten. Wird eine Straftat nicht der Polizei gemeldet, geht diese nicht in die Statistik ein. Wissenschaftler sprechen in solchen Fällen von einem Dunkelfeld. André Schulz, der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sagte gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus: „Die tatsächlichen Fallzahlen liegen weit über den in 2017 registrierten Straftaten. Die Wissenschaft geht aufgrund von Erkenntnissen aus der Dunkelfeldforschung und Hochrechnungen von jährlich mindestens 20 bis 25 Millionen Straftaten in Deutschland aus.“ Damit liefert die Kriminalstatistik kein genaues Bild über die tatsächliche Kriminalität in Deutschland – und auch nicht über ihre genaue Entwicklung. Beispiel: Gehen die angezeigten Fälle zurück, kann das an weniger Kriminalität liegen, aber auch an einer geringeren Verfolgungsintensität der Polizei oder einfach an weniger Anzeigen. 

Welche Straftaten werden selten angezeigt?

Eine Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen fand heraus, dass bei Sexualdelikten nur 6,2 Prozent der Straftaten angezeigt werden. Die Mehrheit würde somit nicht in die Kriminalstatistik einfließen. Bei Raub werden etwa 37 Prozent der Fälle der Polizei gemeldet. Auch bei Körperverletzungen gelangen nur knapp über 35 Prozent der Fälle an die Polizei. Bei Wohnungseinbruch und Kfz-Diebstahl hingegen wird bei der Mehrheit der Straftaten die Polizei alarmiert.

Wird Terrorismus in der Statistik ausgewertet?

Außer der nicht angezeigten Straftaten gibt es Delikte, die nicht in die Kriminalstatistik einfließen. Nicht enthalten sind Verstöße gegen Landesgesetze, Ordnungswidrigkeiten, Finanz- und Steuerdelikte, einige Verkehrsdelikte und politische motivierte Straftaten, zu denen Terrorismus zählt. Straftaten, die unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden, wie etwa Aussagedelikte, sind im Jahrbuch auch nicht enthalten. Die Kriminalstatistik erfasst außerdem nur Straftaten, wenn deren Tatort der Polizei bekannt ist und er in Deutschland liegt. 

Sind die Kriminalstatistiken miteinander vergleichbar?

Der Rückgang der Zahlen in Bezug auf vorherige Kriminalstatistiken ist ebenso problematisch. Die Statistiken unterschiedlicher Jahre seien aufgrund veränderter Definitionen nur schwer miteinander zu vergleichen, sagte André Schulz gegenüber Focus. In den letzten zehn Jahren habe es 245 Änderungen an Begriffen und Definitionen in den „Richtlinien für die Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik“ des Bundeskriminalamtes gegeben, hieß es nach einer schriftlichen Anfrage des Berliner FDP-Abgeordneten Marcel Luthe.

Die Kriminalstatistik bedeutet also nicht zwingend den Rückgang der Kriminalität in Deutschland. Ihre Zahlen umfassen nicht alle Straftaten und sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. 

Verwendete Quellen:
  • Bericht von Spiegel Online
  • Bericht von Focus
  • dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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