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Rechte Demonstranten greifen Reporter in Chemnitz an

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 01.09.2018Lesedauer: 3 Min.
Ein rechter Demonstrant wird kurz vor dem Übergriff aggressiv: Mehrere MĂ€nner haben unseren Reporter vor Ort angegriffen – viele Journalisten waren Ziel von Übergriffen.
Ein rechter Demonstrant wird kurz vor dem Übergriff aggressiv: Mehrere MĂ€nner haben unseren Reporter vor Ort angegriffen – viele Journalisten waren Ziel von Übergriffen. (Quelle: Jan-Henrik Wiebe/T-Online-bilder)
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Teilnehmer der AfD-Demo in Chemnitz haben zahlreiche Journalisten angegriffen. Auch unser Reporter wurde Ziel eines Übergriffs. Die Polizei ermittelt.

Gewaltbereite Teilnehmer der gemeinsamen Demonstration von AfD, Pegida und Pro Chemnitz haben am Samstag zahlreiche Reporter angegriffen. Viele verschiedene Medien meldeten Übergriffe, die sie zum Teil mit Bildern und Videos dokumentierten. Auch t-online.de-Reporter Jan-Henrik Wiebe wurde Ziel eines Übergriffs am Karl-Marx-Monument.

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Auf den Videos ist zu sehen, wie mehrere deutlich zu erkennende MĂ€nner handgreiflich werden. Das Mikrofon wird ihm weggeschlagen und ging im Tumult verloren.


Einer Kollegin, die den Übergriff dokumentierte, wurde die Kamera aus der Hand gehauen. Auch sie wurde vorher bereits geschubst. Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet.

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Zuvor hatten die rechten Demonstranten eine von der Polizei mit Mannschaftswagen errichtete Sperre vor dem Karl-Marx-Monument gewaltsam durchbrochen und waren auch auf Beamte losgegangen – die die MĂ€nner allerdings weitestgehend gewĂ€hren ließen, wie ein Video zeigt. Anschließend umringten die Teilnehmer der AfD-Kundgebung einen Wasserwerfer.

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Teile der Menge skandierten die Neonazi-Parole "Frei, sozial und national" und suchten die Konfrontation mit der Polizei, wie dieses Video eines freien Journalisten ab Minute 6:30 bis etwa Minute 9:30 zeigt. Es dokumentiert auch einen weiteren Angriff. Die Polizei bemĂŒhte sich daraufhin, Journalisten in Sicherheit zu bringen. Nur wenig spĂ€ter ereignete sich schließlich der Übergriff auf den Reporter unserer Redaktion.

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Schon im Laufe des Tages waren immer wieder Angriffe auf Reporter bekannt geworden. Ein Journalist des MDR sagte, er sei eine Treppe hinunter gestoßen und dabei verletzt worden - der Bewohner des Hauses erklĂ€rte, der Journalist sei gefallen. Die Polizei ermittelt. Ein Journalist der "Zeit" gab an, drei Neonazis hĂ€tten ihn und Kollegen angegriffen und versucht, in eine Seitenstraße zu drĂ€ngen. Auch eine Reporterin der Funke-Mediengruppe wurde angegangen, wĂ€hrend sie filmte.

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Weitere Teams – unter anderem von Stern TV – waren am Abend Berichten zufolge ebenfalls von den Übergriffen betroffen. Ein Angreifer sei festgenommen worden. Ein Video von "Russia Today" zeigt, wie ein einzelner Mann bei der nicht angemeldeten Demonstration am Karl-Marx-Denkmal von einem Teilnehmer festgehalten und von einem Mann an den Pranger gestellt wird, weil der Journalist ein Foto von ihm gemacht habe. Die Menge skandiert daraufhin "Auf die Fresse, auf die Fresse".

Medien kritisieren Polizeikonzept

Der Deutsche Journalistenverband Sachsen teilte am Abend im Kurznachrichtendienst Twitter mit, man habe den Eindruck, die Polizei habe sich bemĂŒht, freie Berichterstattung zu gewĂ€hrleisten. Mehrere Chefredakteure kritisierten hingegen das Sicherheitskonzept.


Florian Harms, Chefredakteur von t-online.de, schrieb an die Polizei gerichtet: "Warum schaffen Sie es nicht, Journalisten wie unseren Reporter vor diesem Mob zu schĂŒtzen? Was muss denn noch passieren, damit Ihr solche Lagen in den Griff bekommt?"

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Auch Daniel Drepper, Chefredakteur von Buzzfeed Deutschland, wurde deutlich: "Wenn Journalistinnen nicht von Demonstrationen berichten können, ohne dass sie Angst um ihre körperliche Unversehrtheit haben mĂŒssen, dann hat die Polizei hier – erneut – versagt."

Am darauf folgenden Morgen wurden weitere Übergriffe vom Samstag bekannt. Der Leiter des ARD-Politmagazins "Monitor", Georg Restle, schrieb bei Twitter, sein Team sei nachts in der Innenstadt attackiert worden, als es den Tatort filmte. "Noch nie habe ich so viel Hass auf Medien erlebt wie an diesem Wochenende in Chemnitz."

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