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Bundestags-Gutachten warnt Eltern vor "Alexa"

Von dpa
Aktualisiert am 09.07.2019Lesedauer: 4 Min.
Der Lautsprecher Amazon Echo mit dem Sprachassistenten "Alexa".
Der Lautsprecher Amazon Echo mit dem Sprachassistenten "Alexa". (Quelle: Britta Pedersen./dpa)
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Berlin (dpa) - "Alexa, wie wird das Wetter heute?" - "Alexa, wie hat der HSV heute gespielt?" - "Alexa, spiele das Album "Western Stars" von Bruce Springsteen." - "Alexa, stelle einen Timer auf 20 Minuten." Der Umgang mit dem vernetzten Lautsprecher von Amazon ist kinderleicht. Doch was passiert, wenn tatsÀchlich Kinder mit dem Sprachassistenten kommunizieren?

Mit diesem Thema hat sich aktuell der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags beschÀftigt. Der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann hatte die Frage aufgeworfen, ob es zulÀssig ist, dass Amazon die Spracheingaben der "Alexa"-Nutzer auswertet.

Die Antwort der Rechtsexperten im Bundestag fiel zwiespĂ€ltig aus. Zum einen bescheinigte der Wissenschaftliche Dienst dem US-Konzern, sich an zentrale Bestimmungen der EuropĂ€ischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu halten. Das betrifft die Frage, ob Amazon die Anwender ausreichend ĂŒber die Datenverarbeitung informiert und nach ihrer Einwilligung fragt. In einem anderen Bereich sehen die Experten aber Probleme.

Die Risiken betreffen nach EinschĂ€tzung der Wissenschaftler vor allem MinderjĂ€hrige und unbeteiligte GĂ€ste, die ein mit "Alexa" bestĂŒcktes Smart Home besuchen. Konkret geht es darum, dass Kinder persönliche Informationen preisgeben oder mit ihrer Stimme Inhalte abrufen könnten, die fĂŒr MinderjĂ€hrige nicht geeignet sind. Außerdem stellt sich die Frage, was mit Besuchern ist, die nicht wissen, dass die Software gerade aufzeichnet.

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Mit Blick auf die USA sei außerdem unklar, "zu welchen weiteren Zwecken Amazon seine Daten zukĂŒnftig nutzen könnte", heißt es in dem Gutachten. Auch ein Datendiebstahl aus der Amazon Cloud könne nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der Masse der dort gespeicherten Informationen "könnte dies die Nutzer von "Alexa" besonders sensibel treffen".

Das Bundesinnenministerium fĂŒhlt sich in der Sache nicht zustĂ€ndig. Ein Sprecher erklĂ€rte auf Anfrage: "Die Nutzung der Sprachassistenten betrifft Datenverarbeitungen durch nichtöffentliche Stellen." FĂŒr diese lasse die Datenschutz-Grundverordnung der EU den nationalen Gesetzgebern so gut wie keinen Regelungsspielraum.

"Wir mĂŒssen darauf dringen, dass die EinwilligungserklĂ€rung fĂŒr den Nutzer auf die Gefahren und Möglichkeiten, die mit der Übertragung und Nutzung der Daten sowie der Daten von Dritten, die sich zufĂ€llig im Raum befinden, hinweist", sagt der Bundestagsabgeordnete Kamann, der das Gutachten angefordert hatte. Dies mĂŒsse detailliert erfolgen, "und nicht, indem man nur einmal ein HĂ€kchen fĂŒr alles setzt". Der Wissenschaftliche Dienst hĂ€lt fest: "Angaben zur Speicherungsdauer sind in den Nutzungsbedingungen von Amazon nicht ersichtlich."

Kamann hatte gezielt nach "Alexa" gefragt. Er betont jedoch: "Bei allen sprachbasierten Aufzeichnungssystemen gibt es diesen kritischen Punkt." Auch "Siri" von Apple, der "Google Assistant" und "Cortana" von Microsoft können Fragen beantworten, bestimmte Musik abspielen und andere Aufgaben erledigen. Laut einer aktuellen Studie werden die Sprachassistenten besonders hÀufig in Familien genutzt.

Die "Alexa"-Software sendet erst dann Sprachdaten an Amazon, wenn der Nutzer ein Aktivierungswort ausspricht - zur Auswahl stehen "Alexa", "Computer", "Echo" oder "Amazon". Im Regelfall sind die aufgezeichneten Sprachhappen nur wenige Sekunden lang. Man kann mit "Alexa" aber auch Sprachnachrichten verschicken, die natĂŒrlich auch sensiblere Themen berĂŒhren können.

FĂŒr Schlagzeilen sorgte im Mai 2018 eine Panne, bei der "Alexa" - ausgelöst durch eine Serie von Hörfehlern - die Unterhaltung eines Paares in den USA aufgenommen und versehentlich an Dritte verschickt hatte.

In die Kritik geriet Amazon auch im vergangenen Dezember, als "Alexa"-Sprachaufzeichnungen in die HÀnde eines Unbefugten gelangten. Ein Anwender hatte den Konzern um Auskunft zu seinen bei Amazon gespeicherten Daten nach der DSGVO gebeten. Amazon stellte ihm zwei Monate spÀter die Daten bereit, darunter auch Audiodateien, die offenbar von einem anderen Nutzer stammten. Er selbst hatte noch nie "Alexa" genutzt.

Dieser Vorfall löste bei der Stiftung Datenschutz harsche Kritik aus: "Wir wollen nicht technikfeindlich wirken, doch wir sagen ganz entschieden: Wer - anscheinend nicht ausgereifte - Systeme wie "#Alexa" & Co. in sein engstes Lebensumfeld lÀsst, der gefÀhrdet seine #PrivatsphÀre."

Auf Misstrauen stĂ¶ĂŸt bei den DatenschĂŒtzern auch noch eine neue Funktion: Amazon bietet den Nutzern von "Alexa" neuerdings mit dem Befehl "Alexa, lerne meine Stimme" die Möglichkeit, ein persönliches Stimmprofil einzurichten. "Gerade die Möglichkeit der Stimmerkennung wird den Datenschutz vor zusĂ€tzliche Herausforderungen stellen", schreiben die Experten des Wissenschaftlichen Dienstes.

Kritisch sieht auch die GrĂŒnen-Abgeordnete Renate KĂŒnast die neuen Möglichkeiten: "Die VerknĂŒpfung von Social-Media-Profilen mit den Daten der Stimmerkennung ist fĂŒr die Konzernlenker von Amazon und Google ein Schatz, den sie bisher ohne politische Gegenwehr erbeuten können." Sie forderte die Bundesregierung auf, "den Verbraucherschutz und insbesondere den Schutz von Kindern im digitalisierten Alltag endlich ernst zu nehmen".

Amazon kann diese Skepsis nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen: Die Stimmprofile werden einem Sprecher zufolge nur genutzt, "um das individuelle Nutzererlebnis zu verbessern". Auf den Befehl "Computer, spiele Musik" hin werden beispielsweise fĂŒr verschiedene Profile unterschiedliche Titel abgespielt.

Das GerĂ€t fĂŒr Kinder oder Mitbewohner zu sperren, erlaubt die neue Stimmerkennung aber auch nicht. "Eine zweifelsfreie biometrische Identifizierung, die Voraussetzung fĂŒr das Sperren einzelner Profile, beziehungsweise die Deaktivierung von Sprachaufzeichnung einzelner Nutzer wĂ€re, findet ĂŒber Stimmprofile nicht statt", erklĂ€rte der Sprecher.

Amazon sei sich darĂŒber im Klaren, "dass wir beim Thema Datenschutz ĂŒberzeugende Lösungen liefern mĂŒssen, um die hohen Erwartungen unserer Kunden zu erfĂŒllen", fĂŒgte er hinzu. Eine besonders einfache Methode, die Aufzeichnungen zu löschen, seien die Sprachbefehle "Alexa, lösche, was ich gerade gesagt habe" oder "Alexa, lösche alles, was ich heute gesagt habe".

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