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Oligarch und Trump-Fan in Deutschland festgenommen

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 06.12.2019Lesedauer: 4 Min.
Die Ukraine will ihn: Politiker, Unternehmer und Pferdennarr Olexandr Onyschtschenko, hier 2016 vor Journalisten, wurde in Achim festgenommen.
Die Ukraine will ihn: Politiker, Unternehmer und Pferdennarr Olexandr Onyschtschenko, hier 2016 vor Journalisten, wurde in Achim festgenommen. (Quelle: Alexei Tschumatschenko/imago-images-bilder)
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Deutsche Behörden haben einen schillernden Oligarchen verhaftet, der in der Ukraine wegen Korruption gesucht wird. Der Trump-UnterstĂŒtzer hatte zuletzt behauptet, brisantes Material zu besitzen.

Nach Informationen von t-online.de haben deutsche Behörden einen ukrainischen MillionĂ€r verhaftet, der bereits seit drei Jahren von der Ukraine gesucht wird. Die Verhaftung bekommt eine zusĂ€tzliche politische Dimension, weil der Trump-UnterstĂŒtzer zuletzt behauptet hatte, belastendes Material gegen Joe Biden zu haben. Biden will PrĂ€sidentschaftskandidat der Demokraten werden und gilt als einer von Trumps grĂ¶ĂŸten Widersachern.

Olexandr Onyschtschenko ist bei weitem nicht der reichste Ukrainer, gilt aber als einer der schillerndsten Oligarchen. Der Unternehmer war Veranstalter von Miss-Wahlen in der Ukraine, umgab sich mit Hollywood-Stars, ist großer Reitsport-Fan und traf angeblich Trump bei einem Turnier auf dessen Anlage in Mar-a-Lago – und er war hochrangiger Politiker in der Ukraine.

2016 aus der Ukraine geflohen

2016 hatte er sich aber abgesetzt – wegen KorruptionsvorwĂŒrfen in seiner Heimat war seine ImmunitĂ€t aufgehoben worden. Der Manager soll beteiligt gewesen sein, als Gas des staatlichen Gasunternehmens im großen Stil zu niedrigen Preisen an fiktive Firmen verkauft wurde, die es zum höheren Marktpreis wieder an den Staatskonzern zurĂŒckverkauften. Die Differenz sollen Onyschtschenko und Komplizen eingesteckt haben.

Suchte die NĂ€he zur Welt der Unterhaltung: Onyschtschenko mit Leinwand-Legende Jean Claude van Damme und dessen Freundin Alena Kaverina 2010 in Kiew.
Suchte die NĂ€he zur Welt der Unterhaltung: Onyschtschenko mit Leinwand-Legende Jean Claude van Damme und dessen Freundin Alena Kaverina 2010 in Kiew. (Quelle: imago-images-bilder)
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Er bestreitet die VorwĂŒrfe, das Nationale KorruptionsbekĂ€mpfungsbĂŒro (NABU) der Ukraine sucht ihn aber deshalb per Haftbefehl. Onyschtschenko setzte sich zunĂ€chst nach London ab, betreibt aber auch einen Reiterhof in Herzlake im Emsland. Nach den VorwĂŒrfen gegen ihn veröffentlichte er seinerseits Aufnahmen und weitere Informationen, die eine mögliche Verstrickung anderer ukrainischer Politiker in Korruption zeigten und in der Ukraine großes Aufsehen erregten.

Angeblich Reise in die USA geplant

Nun wurde der Mann nach Informationen von t-online.de festgenommen. Die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg bestĂ€tigt der Redaktion gegenĂŒber "die Festnahme eines ukrainischen StaatsbĂŒrgers" am 28. November in Achim in Niedersachsen. Anlass sei ein Haftbefehl aus der Ukraine, der Mann sitze deshalb nun in Auslieferungshaft. Zuvor hatten ukrainische Medien von seiner Festnahme in Deutschland berichtet.

Nach Angaben einer Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft wurde den AnwÀlten des Mannes Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Das OLG Oldenburg muss dann entscheiden, ob der Mann wirklich an die Ukraine ausgeliefert wird. In der Vergangenheit hatten seine AnwÀlte erklÀrt, die Ermittlungen seien politisch motiviert und es gebe kein faires Verfahren.

Die Festnahme fĂ€llt zusammen mit Berichten, dass der Ukrainer angeblich in die USA reisen wollte, um dem Trump-Team belastende Informationen zu liefern. Dabei geht es um den Gaskonzern Burisma in der Ukraine, in dem der Sohn des frĂŒheren US-VizeprĂ€sidenten Joe Biden, Hunter Biden, einen hochbezahlten FĂŒhrungsposten hatte.

Besuchte Deutschland hÀufiger: Onyschtschenko im Mai 2019 beim Deutschen Spring- und Dressur-Derby in Hamburg.
Besuchte Deutschland hÀufiger: Onyschtschenko im Mai 2019 beim Deutschen Spring- und Dressur-Derby in Hamburg. (Quelle: imago-images-bilder)

Angeblich belastendes Material gegen Biden

Joe Biden hat nach Ansicht von Trump als US-VizeprĂ€sident seinen Sohn vor der ukrainischen Justiz schĂŒtzen wollen. Beweise dafĂŒr hat der US-PrĂ€sident bis heute nicht vorgelegt. Trumps mutmaßlichen Versuch, mit politischem Druck auf die Ukraine Ermittlungen gegen Biden anzustoßen, stehen im Mittelpunkt des möglichen Amtsenthebungsverfahrens. Trumps Anwalt Guliani ist gerade in die Ukraine gereist und hat dort einen anderen Parlamentsabgeordneten getroffen, der mehrmals von belastendem Material gegen Biden gesprochen hatte.

Onyschtschenko hatte Anfang November einer unbekannten rechts-gerichteten Seite gesagt, Hunter Biden habe abseits der offiziellen BuchfĂŒhrung Millionen erhalten. "Es gab offizielle und inoffizielle Zahlungen an die Biden-Familie", zitierte die Seite ihn. Der Bericht hatte kaum Aufmerksamkeit bekommen. Die Seite berichtete auch, dass der Ukrainer fĂŒr seine Aussage ein Visum fĂŒr die USA erhalten habe und zeigte einen Screenshot.

FBI wies Onyschtschenko 2016 zurĂŒck

Die angeblich belastenden Informationen können auch ein Versuch des Trump-UnterstĂŒtzers Onyschtschenko gewesen sein, in den USA Schutz vor der ukrainischen Justiz zu finden. Onyschtschenko hatte 2016 schon einmal versucht, mit Material fĂŒr das FBI Hilfe zu bekommen. TonbĂ€nder sollten demnach seinen frĂŒheren engen WeggefĂ€hrten, den damaligen PrĂ€sidenten Petro Poroschenko, belasten – behauptete er. Das FBI bestĂ€tigte GesprĂ€che, erklĂ€rte aber, den Kontakt abgebrochen zu haben.

Schwerreicher Pferdenarr: Olexandr Onyschtschenko bei den Olympischen Spielen 2012 in London.
Schwerreicher Pferdenarr: Olexandr Onyschtschenko bei den Olympischen Spielen 2012 in London. (Quelle: imago-images-bilder)

Poroschenkos Administration warf dem frĂŒheren Parlamentsabgeordneten damals vor, im Dienste Russlands eine Desinformationskampagne gegen die ukrainische FĂŒhrung zu fĂŒhren. Onyschtschenko hat sich unter anderem auch dafĂŒr ausgesprochen, die annektierte Krim Russland zu ĂŒberlassen. Er erklĂ€rte, einer von vier Finanziers der Maidan-Proteste gewesen zu sein und wollte fĂŒrs PrĂ€sidentenamt kandidieren.

MillionÀr mit Ryanair-ReiseplÀnen?

Onyschtschenko war PrĂ€sident des ukrainischen Reitverbands, nahm 2008 und 2012 als Reiter an den Olympischen Spielen teil und baute ein Team mit Top-Reitern unter anderem aus Deutschland auf. 2016 durfte er auf Betreiben des Sportministers nicht mehr fĂŒr die Ukraine starten. Die Deutsche Welle berichtete Ende 2016, das ĂŒber eine zyprische Briefkastenfirma, die in der Ukraine Gasfelder betrieb, Onyschtschenkos Hobby in Deutschland mit Millionen finanziert wurde.

Die "Deutsche Welle" hatte 2018 berichtet, dass Onyschtschenko ein Visum fĂŒr Deutschland verweigert wurde. Das hatte er bei der deutschen Botschaft in Madrid beantragt. In Spanien selbst verdichteten sich dem Bericht zufolge auch die Anzeichen, dass Onyschtschenko an die Ukraine ausgeliefert werden könnte.

Er selbst hatte im November der "Kyev Post" gesagt, sich freiwillig den Ermittlungen in der Ukraine stellen zu wollen. Der millionenschwere Jetsetter hatte eine Buchung eines Ryanairflugs als Beleg prĂ€sentiert: am 13. Dezember ab Barcelona. Den Flug dĂŒrfte er nun nicht benötigen.

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