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Markus Söders Handeln in der Corona-Krise: Hat er das Zeug zum Kanzler?

Der starke Mann in der Corona-Krise  

Söder vom Polterer zum Staatsmann: Kanzlerdebatte neu entfacht

14.03.2020, 18:50 Uhr | dpa-AFX

Markus Söders Handeln in der Corona-Krise: Hat er das Zeug zum Kanzler?. Markus Söder: Der bayerische Ministerpräsident gilt seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland als engagierter Krisenmanager. (Quelle: imago images/Sven simon)

Markus Söder: Der bayerische Ministerpräsident gilt seit Ausbruch des Coronavirus in Deutschland als engagierter Krisenmanager. (Quelle: Sven simon/imago images)

In der Corona-Krise agiert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder entschlossen, sein Ansehen steigt. Nutzt er die Krise etwa doch für schon zigfach dementierte Ambitionen auf eine eigene Kanzlerschaft?

Erst nach sieben Minuten ergreift Markus Söder das Wort. "Frau Bundeskanzlerin, meine sehr verehrten Damen und Herren, durch Corona ist die Welt eine andere. Und die Auswirkungen sind wohl viel tiefgreifender, als wir das noch vor ein, zwei Wochen überhaupt hätten ahnen können", sagt der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident am Donnerstagabend bei der Pressekonferenz nach der Ministerpräsidentenkonferenz im Kanzleramt. Obwohl Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Söders Sätze mit zustimmendem Kopfnicken quittiert, erkennen viele Anwesende bei ihr auch Anzeichen für Skepsis ob des demonstrativen Selbstbewusstseins "Made in Bavaria".

Ungeachtet von Merkels Meinung über Söders Auftritt überwiegt am Tag danach bundesweit ein anderes Bild: Im Netz und sogar unter der Hand bei Anhängern anderer Parteien wird der Franke für seine klare Positionierung in der Coronavirus-Krise gelobt. Und spätestens als Söder die nun notwendige Reaktion der Politik auf die Corona-Krise mit den legendären Worten des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, einleitet – "Whatever it takes" –, ist die Debatte wieder da: Nutzt Söder die Krise als Bühne für schon zigfach dementierte Ambitionen auf eine eigene Kanzlerschaft?

Union steht in Umfragen schlecht da

Wer den ehrgeizigen Bayer kennt, muss dies einmal mehr mit Nein beantworten. Söder sieht seinen Platz derzeit wohl eindeutig in Bayern, aus vielen Gründen, wie auch er selbst immer wieder sagt. Hinzu kommt – das sehen auch in der CSU nicht wenige so – die schlechte Ausgangslage der Union. In Umfragen lagen CDU und CSU jüngst nur noch knapp vor den Grünen – je nach Umfrageinstitut sind es gerade mal zwischen 2 und 4,5 Prozentpunkte. Das könnte sich natürlich ändern.

Söders Ansinnen, welches in Berlin vielerorts für wohlwollendes Achselzucken sorgt, muss also eine andere Grundlage haben: "Unser Gesundheitssystem steht vor einer großen Bewährungsprobe, so wie unsere ganze Gesellschaft", sagt er. Und: "Ich bin entschlossen, dass wir diese Bewährungsprobe bestehen", betont er in der Staatskanzlei in München. Kurz zuvor hat er seine mit Abstand weitreichendsten Anordnungen als Regierungschef verkündet. Im Freistaat bleiben in den kommenden Wochen alle Schulen, Krippen und Kindergärten geschlossen.

Söder fordert vermehrten Einsatz der Bundeswehr

Nach dem Saarland ist Bayern damit am Freitag das zweite Bundesland, das eine so weitreichende Einschränkung der gesellschaftlichen Freiheiten beschließt. In den nächsten Stunden werden sich die meisten anderen Bundesländer dem Vorgehen anschließen. Paradoxerweise muss man sagen, denn am Donnerstag konnten sich die Ministerpräsidenten in dem Punkt nicht auf ein einheitliches Vorgehen verständigen. Doch auch hier hat das vermeintlich ewige Raubein Söder durch seine Worte und Taten andere mächtig unter Druck gesetzt.

Söder fordert mittlerweile etwa, die Bundeswehr mehr für den Kampf gegen die Corona-Epidemie einzusetzen. "Wir sollten überlegen, die Bundeswehr stärker einzubinden. Sie muss mit Pflegepersonal, Ärzten, Laboreinrichtungen und Kapazitäten in ihren Krankenhäusern mithelfen", so der bayerische Ministerpräsident gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Das ist angesichts dieser Krise unabdingbar."

"Wir dürfen die Zeit nicht verspielen"

Schon Mitte der Woche hatte Söder klargestellt: Um im Kampf gegen das Coronavirus schnell erfolgreich sein zu können, müssen alle Bundesländer einheitlich handeln. Er warnt vor schädlichem Kompetenzwirrwarr und unnützen Doppeldiskussionen. Und noch etwas ist aus seinen Worten zu lesen – das Krisenmanagement von Merkel und seinem persönlichen Freund, Gesundheitsminister Jens Spahn, ist Söder nicht schnell und konsequent genug. Auffällig ist auch, dass derzeit von den anderen Protagonisten in der CDU um den künftigen Parteivorsitz nur wenig bis kaum etwas zu hören ist.

"Wir dürfen die Zeit nicht verspielen", sagt Söder. Man dürfe sich nicht am Ende vorwerfen lassen, dass man nicht bereit gewesen wäre, Entscheidungen zu treffen. "Wir dürfen nicht nur debattieren, wir müssen entscheiden, wir müssen handeln", sagt Söder. Man müsse mit kühlem Kopf und umsichtig handeln, "aber schon mit entsprechenden Maßnahmen". "Wir müssen jetzt alle zusammen helfen", mahnt er.

Söder legt das Raubein-Image ab

Die anpackende Art beschert Söder nun bundesweit einen erneuten Sympathie-Schub. Was Söder am Ende davon haben wird, wird sich zeigen. Tatsache ist, dass er seit Oktober 2019 seinen Vorsitz in der Ministerpräsidentenkonferenz einmal mehr nutzen kann, um bundesweit seine ohnehin große Bekanntheit, mehr aber noch sein oft raues Image zu wandeln. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Söder ohne das aktuell wahrgenommene Machtvakuum in der CDU um den abgesagten Parteitag sicher nicht die Bühne hätte, die er nun nutzt.

Es entspricht Söders Naturell und Söders Anspruch, mit klaren Botschaften bundesweit Aufmerksamkeit zu erzeugen. Doch während er früher gerne als provokativer Polterer auffiel, präsentiert er sich seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im März 2018 gerne staatsmännisch. Und in der aktuellen Krise nun Tag für Tag mehr.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-AFX

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