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Corona-Ausbruch in Deutschland: Darum sind die RKI-Zahlen so oft veraltet


Warum die deutschen Corona-Zahlen so oft veraltet sind

Von Jan-Henrik Wiebe

Aktualisiert am 31.10.2020Lesedauer: 3 Min.
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Lothar Wieler, der Chef des Robert Koch-Instituts: Das Meldesystem seiner Behörde ist veraltet.
Lothar Wieler, der Chef des Robert Koch-Instituts: Das Meldesystem seiner Behörde ist veraltet. (Quelle: Jens Schicke/imago-images-bilder)
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Die Corona-Pandemie wütet seit mehr als sieben Monaten – und noch immer meldet das RKI oft veraltete Zahlen. Das hat vor allem mit komplizierten Meldewegen und einer völlig veralteten Technologie zu tun.

Es ist 2020, Pandemiezeit – und die Ära der Faxgeräte ist in deutschen Amtsstuben immer noch nicht vorbei. Wenn in Winsen an der Luhe mal wieder neue Corona-Fälle im Gesundheitsamt für den Landkreis Harburg aus den Laboren einlaufen, dann springt das Fax-Gerät an, zusätzlich kommen E-Mails.

In dem Gebiet südlich von Hamburg hat es laut dem Kreis in den letzten sieben Tagen 140 Corona-Neuinfektionen gegeben, der Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner ist damit überschritten. 55 vermeldete der Kreis Harburg bereits am Mittwoch. Beim Robert Koch-Institut (RKI) hingegen wurde auch am Freitagmittag noch ein Inzidenzwert von 36,9 angegeben, das Land Niedersachsen wiederum vermeldet 45,6.

Wie kann es sein, dass es für einen Kreis drei verschiedene Zahlen gibt? t-online hat den Weg der Zahlen vom Labor bis zum RKI nachgezeichnet. Es ist eine abenteuerliche Reise.

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Nach Ankunft beim Gesundheitsamt tippen die Mitarbeiter jeden Fall in die Computerprogramme ISGA und SORMAS ein. Dafür müssen bei ISGA händisch 36 Felder pro Fall zwingend ausgefüllt werden, rund 20 weitere Felder können darüber hinaus mit weiteren Angaben etwa zu Symptomen ausgefüllt werden. Mit ISGA werden die Zahlen digital an das Land Niedersachsen übermittelt. Für SORMAS, das Programm für das Kontaktpersonenmanagement, müssen die Mitarbeiter im Gesundheitsamt in Winsen "noch mehr Felder ausfüllen" als bei ISGA, teilt der Kreis mit.

Beim RKI gibt es immerhin ein Problembewusstsein

"Die Meldungen an das Land erfolgen derzeit mehrmals täglich, die letzte für den jeweils aktuellen Tag spätestens gegen 18 Uhr", schreibt der Kreis Harburg auf Anfrage. Sind die Daten beim Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) in Hannover angekommen, werden sie über das Programm SurvNet einmal täglich um 9 Uhr ausgewertet. "Die erhaltenen Daten werden im NLGA einer Qualitätskontrolle unterzogen und bis circa 17.30 Uhr über SurvNet an das RKI weitergeleitet."

"Die Software SurvNet wurde am RKI entwickelt und wird seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001 für die Erfassung und Übermittlung der Meldedaten eingesetzt“, teilt das Amt mit. Zwischen der positiven Corona-Meldung aus dem Labor und der Ankunft beim RKI können so durchaus mehrere Tage vergehen.

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Dass dieses Meldeverfahren auf veralteter Software und Faxgeräten beruht, hat auch das RKI als problematisch erkannt und entwickelt derzeit das Programm mit dem Namen "Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz", kurz DEMIS.

Dieses soll die Ära der Faxgeräte ablösen. Mit der elektronischen Meldung sollen die Informationen zu SARS-CoV-2-Infektionen schneller und vollständiger beim Gesundheitsamt vorliegen und Infektionsschutzmaßnahmen zeitnah eingeleitet werden, um weitere Infektionen zu verhindern. Gleichzeitig sollen die Aufwände für das Absetzen der Meldung bei den Laboren und für die Verarbeitung der Meldung in den Gesundheitsämtern reduziert werden, heißt es beim RKI über die neue Software.

Bremen hat vorbildlich agiert

Wenn es soweit ist, wird Winsen an der Luhe einen Sprung ins 21. Jahrhundert machen. Andere Regionen sind da bereits angekommen. Denn dass die Digitalisierung in Deutschland auch rasend schnell ablaufen kann, zeigt das kleine Bundesland Bremen, das nicht auf das RKI-Programm warten wollte und innerhalb kurzer Zeit ein eigenes Programm entwickeln ließ.

Dort passiert der automatische Datentransfer per Knopfdruck. Im Mai wurde angefangen, das Programm BREMIS zu entwickeln. Erste Teile davon wurden bereits im Juli ausgerollt und derzeit weiter ausgebaut, sagt ein Pressesprecher der Stadt. Für die Zusammenarbeit zwischen IT und Behörden ist das quasi Lichtgeschwindigkeit. "Von den Laboren kommen die positiven Testergebnisse inzwischen überwiegend auf digitalem Weg ins Gesundheitsamt", heißt es weiter. Nur wenige Fälle müssten von einzelnen Laboren noch per Hand eingetragen werden.

Der Ablauf ist nach Angaben der Stadt so: In den beiden Gesundheitsämtern im Land Bremen (Bremen und Bremerhaven) werden die Daten verarbeitet und ebenfalls digital an das Landeskompetenzzentrum für Infektionsepidemiologie übermittelt. Über das Programm SurvNet, in das die Zahlen bereits überwiegend durch die digitale Übermittlung implementiert sind, werden diese dann an das RKI übermittelt. Dieser Prozess erfolgt mehrmals täglich.

Kein Wunder, dass nach Berechnungen des "Spiegel" die Corona-Fallzahlen für das Land Bremen nur in fünf Prozent der Fälle für die aktuelle Inzidenzberechnung des RKI fehlen. Beim Landkreis Harburg sind es 98 Prozent.

"Grundsätzlich ist es für Bremen sehr wichtig, dass diese offiziellen Zahlen tagesaktuell und sauber vorliegen. Auf dieser Grundlage werden die aktuellen politischen Entscheidungen getroffen, Aktualität bedeutet hier also sehr viel", heißt es aus Bremen noch. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Homepage des RKI
  • Spiegel: Darum sind die RKI-Zahlen häufig viel zu niedrig
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