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Böllerverbot an Silvester: "Wollen wir Corona-Chaoten wirklich Munition geben?"

MEINUNGBöllerverbot an Silvester  

"Wollen wir Corona-Chaoten wirklich echte Munition geben?"

Von Daniel Schreckenberg, Sonja Eichert

21.11.2020, 14:12 Uhr
Böllerverbot an Silvester: "Wollen wir Corona-Chaoten wirklich Munition geben?". Feuerwerk an Silvester? Ob es auch im Corona-Jahr eine große Knallerei geben soll, ist umstritten. (Quelle: imago images)

Feuerwerk an Silvester? Ob es auch im Corona-Jahr eine große Knallerei geben soll, ist umstritten. (Quelle: imago images)

Mit Böllern feiern trotz Corona? Ein mögliches Verbot von Feuerwerk an Silvester wird heftig diskutiert. Brauchen wir eine generelle Absage der Knallerei?

Die Corona-Fallzahlen steigen, die Intensivstationen in den Krankenhäusern sind an ihrer Kapazitätsgrenze: Das hat eine Debatte über ein mögliches Verbot von privatem Feuerwerk an Silvester ausgelöst. Mehr dazu lesen Sie hier. Mit einer Feuerwerksabsage sollen Verletzungen bei den Feiernden vermieden und so das Gesundheitssystem nicht zusätzlich beansprucht werden. Die Niederlande haben eine entsprechende Regelung bereits erlassen. Ärzte und Pfleger sollten nicht zusätzlich belastet werden, begründete die Regierung das Verbot.

In Deutschland wollen einige Städte und Gemeinden nachziehen, für die Kölner Altstadt gibt es bereits einen entsprechenden Beschluss. Der Verband der pyrotechnischen Industrie warnt jedoch nachdrücklich vor einem generellen Verbot. "Das würde für die Branche mit allergrößter Wahrscheinlichkeit die Insolvenz bedeuten, und das Feuerwerk wäre dann ein für alle Mal in Deutschland nicht mehr vorhanden", sagte Verbandschef Thomas Schreiber im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Über Sinn oder Unsinn eines Verbots von Silvesterfeuerwerk wird heiß diskutiert – auch in der t-online-Redaktion gibt es unterschiedliche Meinungen.

Daniel Schreckenberg

Redakteur Politik

Pro

Wollen wir Corona-Chaoten noch echte Munition in die Hände geben?

Es ist schon absurd: Da gipfelt jede illegale Corona-Party in diesen dunklen Pandemie-Wochen in einem gigantischen Aufschrei, trotzdem soll nun ernsthaft über kollektiven Böller-Spaß in der Silvesternacht nachgedacht werden. Ein Drittel will sich trotz aller Corona-Schreckensmeldungen nicht davon abbringen lassen. Ich kann es zum Teil sogar verstehen: 2020 gehört wirklich in die Luft gejagt.

Ein Blick auf die Fakten sagt aber, dass das keine gute Idee wäre: Am letzten Tag des Jahres wird getrunken, es wird gefeiert, es wird sich gedrückt und geherzt und am Ende millionenfach Schießpulver in die Luft gejagt. Schon in normalen Jahren endet das mit zahlreichen Verletzten auf den Intensivstationen, dort wo jetzt die Corona-Patienten liegen. Für noch mehr Schwerverletzte ist schlicht kein Platz.

Dazu kommt: Die Polizei hat sonst schon alle Hände voll zu tun, die Feierei in Groß- und Kleinstädten nicht völlig ausufern zu lassen. Sie müsste nun beim kollektiven Böllern dafür sorgen, dass Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln eingehalten werden – und das stellt sie ja jetzt schon vor Probleme. Wie sieht das erst aus, wenn sie einer betrunkenen Meute mit China-Böllern im Anschlag gegenübertritt. Die Frage ist einfach: Wollen wir Corona-Chaoten wirklich echte Munition in die Hände geben?

Nein, natürlich nicht. Statt Feiern und Böllern in der Silvesternacht sollten wir das große Feuerwerk einfach verschieben. Der Erfinder des Mainzer Impfstoffs rechnet damit, dass im Herbst nächsten Jahres 70 Prozent der Deutschen geimpft seien können. Die Herdenimmunität wäre erreicht – und wir hätten einen neuen Feiertag. Wie könnte man den besser begehen als mit einem Feuerwerk?

Sonja Eichert

Volontärin

Kontra

Ein Böllerverbot würde sich zum Eigentor entwickeln

Natürlich wäre eine Entlastung des Gesundheitssystems wünschenswert. Aber: Ein Verbot heißt nicht, dass nicht geböllert werden wird. Wenn die letzten Monate eines gezeigt haben, dann, dass sich bestimmte Personengruppen in unserer Gesellschaft nicht um Verbote, Gebote oder die Gesundheit ihrer Mitmenschen scheren.

Ärzteverbände predigen Jahr für Jahr, dass es hauptsächlich zwei Arten von Verletzungen durch Feuerwerk gibt: Zuschauer werden verletzt, weil sie zu wenig Abstand halten, oder es entstehen Verletzungen, weil unsichere, oft illegale Knallkörper verwendet werden. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov geben 64 Prozent der Deutschen an, Silvester weder mit Freunden noch mit der Familie feiern zu wollen.

Große Gruppen und Gedränge wird es also in vielen Fällen nicht geben – das Risiko für Verletzungen der ersten Art wird ohnehin geringer sein als üblich. Wer aber zu denjenigen zählt, der sich "von denen da oben" nichts verbieten lassen will, gehört erstens vermutlich zu den restlichen 36 Prozent und wird zweitens bei einem Verbot von legalem Feuerwerk auf illegale Böller ausweichen. Die Anzahl der dadurch verursachten, oft schweren Verletzungen könnte also sogar steigen.

Dagegen würden nur strenge Kontrollen helfen – laut Gewerkschaft der Polizei ist das aber personell nicht machbar. Ein Böllerverbot würde sich so zum Eigentor entwickeln. Das kann in Zeiten wie diesen niemand wollen.

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Verwendete Quellen:
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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