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Corona: Leopoldina empfiehlt Impfpflicht und Kontaktbeschränkungen


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Leopoldina empfiehlt sofortige strikte Kontaktbeschränkungen

Von dpa, lw

Aktualisiert am 27.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Virus an Bord: So gelangt die potenziell gefährliche Corona-Variante derzeit nach Europa. (Quelle: Reuters)
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Weil sich die Corona-Lage immer mehr zuspitzt, fordern Wissenschaftler strengere Maßnahmen. Die Leopoldina rät, Kontakte umfassend einzuschränken.

Um der rasanten Zunahme der Corona-Neuinfektionen zu begegnen, empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina sofortige umfassende Kontaktbeschränkungen. "Unmittelbar wirksam ist es aus medizinischer und epidemiologischer Sicht, die Kontakte von Beginn der kommenden Woche an für wenige Wochen deutlich zu reduzieren", heißt es in einer am Samstag veröffentlichten Stellungnahme.


Booster-Impfung: Für wen sie besonders wichtig ist

Senior: Über 80-Jährige sollten sich den dritten Piks abholen, weil bei ihnen die Immunantwort nach der Impfung oft nicht so stark ausfällt. Zudem zählen sie generell zu den Risikogruppen für einen schweren Verlauf von Covid-19. (Symbolbild)
Tabletteneinnahme: Bestimmte Medikamente wie Immunsuppressiva führen zu einer Immunschwäche. Diese wiederum kann die Wirkung der Corona-Impfung beeinträchtigen. Allen Personen mit Immunschwäche wird deshalb eine Booster-Impfung empfohlen. (Symbolbild)
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"Aufgrund der nachlassenden Immunität müssten diese Maßnahmen vorübergehend auch für Geimpfte und Genesene gelten, die in dieser Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten müssen." Neue Virusvarianten machten schnelles und konsequentes Handeln noch dringlicher.

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Die Impfkampagne müsse massiv verstärkt und eine Impfpflicht stufenweise eingeführt werden, so die Forscher. Ungeimpfte müssten so schnell wie möglich geimpft werden, dazu müssten sie motiviert oder in die Pflicht genommen werden. Wichtig sei eine rasch eingeführte berufsbezogene Impfpflicht für Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Fachberufe. Insgesamt sollten bis Weihnachten neben Erst- und Zweitimpfungen rund 30 Millionen Drittimpfungen ermöglicht werden, so die Leopoldina.

Kontaktreduzierungen im privaten Bereich

Unterdessen seien strikte Kontaktreduzierungen im privaten Bereich, in Innenräumen und Situationen mit vielen Menschen, etwa bei Veranstaltungen, in Bars und Klubs, nötig. Wo sich persönliche Kontakte nicht vermeiden ließen, müsse eine generelle Maskenpflicht gelten. Die 2G-Regeln müssten konsequent durchgesetzt und auch die AHA-L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften) eingehalten werden.

"Diese Option würde bei stringenter Umsetzung den exponentiellen Anstieg der Neuinfektionen in der vierten Welle beenden und somit auch der Überlastung des Gesundheitssystems entgegenwirken." Eine konsequente Durchsetzung der 2G-Regeln allein wäre weniger effektiv, es müsste mit einem längeren Verlauf der vierten Welle und mehr Todesopfern gerechnet werden, so die Experten, zu denen auch der Berliner Virologe Christian Drosten gehört.

Leopoldina empfiehlt vorgezogene Weihnachtsferien

Mit Blick auf Kinder und Jugendliche empfiehlt die Leopoldina vorgezogene Weihnachtsferien und regelmäßige Corona-Tests mindestens dreimal pro Woche. Während des gesamten Aufenthalts in den Schulen sollten Lehrer und Schüler aller Klassenstufen Masken tragen. "Eine Aussetzung der Präsenzpflicht und ein Wechselunterricht an Schulen sowie die Schließung von Kitas sollten möglichst vermieden werden."

In ihrer Ad-hoc-Stellungnahme schrieben die Wissenschaftler zur Gesamtsituation: "In diesen Tagen steht Deutschland vor einer erneuten, verschärften Eskalation der Covid-19-Krise. Es ist zu befürchten, dass Teile der Politik und Öffentlichkeit die Dramatik der Situation nicht in ihrem vollen Ausmaß erfassen." Dazu trügen eine Vielstimmigkeit bei öffentlich vorgetragenen Einschätzungen von Fakten und Prognosen sowie ein gewisser Gewöhnungseffekt bei.

Die Leopoldina berät die Politik unabhängig und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu gesellschaftlich relevanten Themen. Die Spannbreite reicht von ethischen Fragen in der Medizin bis hin zur Digitalisierung. Der Akademie gehören rund 1.600 Mitglieder an, darunter Nobelpreisträger. Die Leopoldina gilt als die Stimme der Wissenschaft im In- und Ausland.

Scholz kündigt konsequentes Handeln an

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz kündigte in der sich dramatisch zuspitzenden Corona-Pandemie konsequentes Handeln an. Man werde alles tun, was getan werden muss, sagte Scholz am Samstag in Frankfurt beim Bundeskongress der Jusos und sprach von "wieder neuen dramatischen Herausforderungen".

Es gebe nichts, was nicht in Betracht gezogen werde. Ehrgeiziges Ziel sei, dass jetzt alle Betreffenden eine Booster-Impfung zur Auffrischung bekommen. Er habe ja bereits angekündigt, dass ein Krisenstab eingesetzt werden soll. Es gebe derzeit eine enge Zusammenarbeit der künftigen und der jetzigen Regierung, sagte Scholz am Rande des Bundeskongresses.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), spricht sich angesichts neuer Forderungen der Wissenschaftsakademie Leopoldina für ein schnelles Bund-Länder-Treffen ausgesprochen. Die Äußerungen des wissenschaftlichen Beratergremiums könnten nicht ignoriert werden, sagte Holetschek. "Ich bin immer dafür, auf die Wissenschaft zu hören", sagte der CSU-Politiker. "Das ist ein Weckruf par excellence der Leopoldina", sagte er. Der Bund müsse dieses Signal nun unverzüglich aufnehmen.

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"Omikron" bereitet Sorge

In den vergangenen Tagen wurden immer wieder Höchstwerte bei den Neuinfektionen gemeldet, Krankenhäuser stoßen an Kapazitätsgrenzen auf ihren Intensivstationen. Corona-Intensivpatienten müssen verlegt werden. Hierbei hilft seit Freitag auch die Luftwaffe.

Sorge bereitet zudem die zuerst im südlichen Afrika nachgewiesene Omikron-Variante (B.1.1.529), die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "besorgniserregend" eingestuft wird. Diese neue Variante ist nach Angaben des hessischen Sozialministers Kai Klose (Grüne) "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" in Deutschland angekommen. Lesen Sie hier mehr dazu.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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