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Der Ministerpr├Ąsident, der nicht auf dicke Hose machen will

Von afp
Aktualisiert am 28.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Daniel G├╝nther: Er verbrachte bereits sein ganzes Berufsleben in der CDU.
Daniel G├╝nther: Er verbrachte bereits sein ganzes Berufsleben in der CDU. (Quelle: imago-images-bilder)
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"Bei mir wissen, glaube ich, viele Menschen, was sie an mir haben": Unaufgeregt, aber selbstbewusst geht Daniel G├╝nther in Schleswig-Holstein ins Rennen. Er gilt als der beliebteste Ministerpr├Ąsident Deutschlands.

Martialische T├Âne und Machtgesten sind Daniel G├╝nthers Sache eher nicht. Betont unaufgeregt und ausgleichend regiert der 48-j├Ąhrige schleswig-holsteinische Ministerpr├Ąsident sein Land seit 2017 an der Spitze einer Dreierkoalition aus CDU, Gr├╝nen und FDP. Schon vor Jahren sagte der Hobbyl├Ąufer in einem Interview einmal, er sei "von Natur aus der Zur├╝ckhaltende und nicht der Welterkl├Ąrer". Bei den W├Ąhlerinnen und W├Ąhlern in Schleswig-Holstein kommt das gut an.

F├╝r ihn habe ein "starker Mann" nichts damit zu tun, "einen auf dicke Hose zu machen", f├╝gte G├╝nther an. Was nicht hei├čt, dass der in Eckernf├Ârde wohnende verheiratete Vater zweier T├Âchter kein Vollprofi w├Ąre. Es sei falsch, ihm mangelnden Durchsetzungswillen zu unterstellen, sagte der Regierungschef in einem Interview.

Es gehe durchaus um "F├╝hrung" und "klare Linien". Aber es helfe in der Politik nichts, "laut herumzuschreien", erg├Ąnzte G├╝nther. Das gelte auch "bei internen Besprechungen". Es gehe eben immer darum, "Menschen zu ├╝berzeugen" und "Meinungen zusammenzuf├╝hren".

G├╝nthers Karrierestationen

G├╝nther verbrachte bereits sein ganzes Berufsleben in der CDU, er war Landesgesch├Ąftsf├╝hrer und sitzt seit 2009 als Abgeordneter im Landtag. Von 2014 bis 2017 war er CDU-Fraktionschef und damit auch Oppositionsf├╝hrer, bevor er 2017 seinen Amtsvorg├Ąnger Torsten Albig von der SPD aus der Kieler Staatskanzlei verdr├Ąngte und das Ruder selbst ├╝bernahm. Im Jahr zuvor war er auch CDU-Landeschef geworden.

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Der Aufstieg ins Ministerpr├Ąsidentenamt kam f├╝r einige seinerzeit durchaus ├╝berraschend. G├╝nther war eher "eingesprungen", nachdem der damalige CDU-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende Ingbert Liebing nur ein knappes halbes Jahr vor der Wahl hingeworfen hatte. Teils galt er als Notnagel, dessen Erfolgschancen eher fraglich waren.

Daniel G├╝nther im Jahr 2016: In Umfragen ist er der beliebteste Ministerpr├Ąsident Deutschlands.
Daniel G├╝nther im Jahr 2016: In Umfragen ist er der beliebteste Ministerpr├Ąsident Deutschlands. (Quelle: Eibner/imago-images-bilder)

Grundstimmung hielt sich

Nach dem erfolgreichen Urnengang von 2017 allerdings arbeitete der studierte Politikwissenschaftler mit seiner moderierenden und eher pr├Ąsidentiellen Art zielstrebig auf eine neuartige Koalition mit Gr├╝nen und FDP hin, die seitdem recht problemlos regiert. Schon bei den Koalitionsgespr├Ąchen damals war den Beteiligten anzumerken, dass die Atmosph├Ąre stimmte. Das war im hohen Norden nicht immer so.

Und die Grundstimmung hielt sich. Trotz einiger Konflikte in Sachfragen zogen die drei Partner an einem Strang, was sich auch im Wahlkampf bemerkbar macht. Prinzipielle Trennlinien sind nicht auszumachen. Neben den Gr├╝nen etwa sehen auch CDU und FDP in der Energiewende eine gro├če Chance f├╝r das teils strukturschwache Bundesland, mit seinem Windkraftpotenzial zu Wohlstand zu kommen.

G├╝nther ist gl├Ąubiger Katholik

Auch gesellschaftspolitisch fand G├╝nther seine Position inzwischen. Aus seiner Zeit als Kieler Oppositionsf├╝hrer ist noch in Erinnerung, dass er vor dem Hintergrund der Fl├╝chtlingskrise 2015 einen Antrag f├╝r Schweinefleischgerichte in Kantinen vorlegte, was ihm neben Spott den Vorwurf des Rechtspopulismus einbrachte. Eine Wiederholung gab es nicht.

Der Ministerpr├Ąsident, der selbst gl├Ąubiger Katholik ist und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angeh├Ârt, z├Ąhlt inzwischen l├Ąngst zu den Wortf├╝hrern einer liberaleren CDU. So trat er stets f├╝r die in seiner Partei umstrittene Homoehe ein.

Der beliebteste Ministerpr├Ąsident Deutschlands

Sorgen um seine Wiederwahl muss sich G├╝nther bei einem Blick auf die Umfragen kaum machen. Von Wechselstimmung ist zwischen Nord- und Ostsee weit und breit nichts zu sehen. Laut einer aktuellen Befragung ist G├╝nther der derzeit beliebteste Ministerpr├Ąsident Deutschlands. In Schleswig-Holstein sind 76 Prozent der Menschen mit ihm zufrieden. Auch sein Kieler Regierungsb├╝ndnis ist beliebt.

Anlass f├╝r Selbstzweifel und Kurskorrekturen sieht der Amtsinhaber jedenfalls nicht. "Bei mir wissen, glaube ich, viele Menschen, was sie an mir haben", merkte G├╝nther mit dem f├╝r ihn typischen leichten Schmunzeln an ÔÇô und machte zugleich erst gar keinen Hehl daraus, dass er in der n├Ąchsten Legislaturperiode politisch und koalitionstechnisch am liebsten einfach weitermachen w├╝rde. "Ich glaube, dass Jamaika Schleswig-Holstein in den letzten Jahren gutgetan hat."

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