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AfD-Politiker Arno Bausemer: Partei äußert sich zum Hochstapler


Basis rebelliert
AfD äußert sich zum Hochstapler-Kandidaten


17.08.2023Lesedauer: 3 Min.
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Arno Bausemer (AfD) Listenplatz 10 für die Wahl zum EU-ParlamentVergrößern des Bildes
Arno Bausemer (AfD): Fast sicher wird er über die Liste der Partei ins Europaparlament einziehen.

Vieles im Lebenslauf des AfD-Europakandidaten Arno Bausemer entspricht nicht der Wahrheit. Mitglieder sind empört. Doch bislang kann er auf die Parteielite zählen.

Die AfD will einen überführten Hochstapler ins Europaparlament schicken. Das hat am Donnerstag der Vorsitzende des Landesverbands Sachsen-Anhalt klargemacht, der den Kandidaten Arno Bausemer auf der Europawahlversammlung der Bundespartei ins Rennen geschickt hatte. Dort führte der Stendaler die Delegierten mit zahlreichen Falschangaben im Lebenslauf hinters Licht und ergatterte so einen der aussichtsreichsten Listenplätze. Das ist allerdings kein Grund für den Landesvorstand, von ihm abzurücken. Im Gegenteil.

"Nichts hinzuzufügen"

"Der Landesverband steht voll und ganz hinter ihrem (sic!) Kandidaten Arno Bausemer", zitierte die "Magdeburger Volksstimme" in ihrer Donnerstagsausgabe den Landesvorsitzenden Martin Reichardt. "Zu den Vorwürfen hat sich Arno Bausemer geäußert. Dem haben wir nichts hinzuzufügen." Auf eine Anfrage von t-online reagierte der Landesvorstand nicht.

Die öffentliche Parteinahme für Bausemer ist zumindest bemerkenswert: Nach den t-online-Enthüllungen rumort es in der Partei. Im Kreisverband und im Landesverband steht der Kandidat unter großem Druck, Belege für seine angeblichen Qualifikationen und Tätigkeiten vorzulegen. Mitglieder aus ganz Deutschland haben den Bundesvorstand eingeschaltet und ihm eine Frist zur Stellungnahme gesetzt. Denn mittlerweile räumt Bausemer sogar selbst teilweise ein, dass die Recherchen von t-online zutreffen.

Der fehlende Abschluss

Zunächst hatte t-online aufgedeckt, dass der AfD-Kandidat – anders als angegeben – keine abgeschlossene Berufsausbildung als Journalist hat. Sein neunmonatiges Volontariatspraktikum beim MDR erkennt der Sender nicht als Abschluss an. Und auch die Universität Leipzig und die dortige Studienordnung widersprechen seiner Behauptung, aus seinem abgebrochenen Journalistikstudium und dem MDR-Kurzvolontariat ergebe sich die Qualifikation zum Redakteur. Hinzu kamen zahlreiche falsche oder irreführende Arbeitsreferenzen.

Denn die Angaben zur Laufbahn als freier Journalist fielen ebenfalls schnell in sich zusammen: In einem Volontariat bei der "Allgemeinen Zeitung Uelzen" wurde Bausemer 2015 während der Probezeit gekündigt. Für andere angebliche Tätigkeiten bei der "Saarbrücker Zeitung" und dem privaten Lokalsender center.tv Bremen gibt es keinerlei Belege. Bei seiner Arbeit für den Saarländischen Rundfunk und die "Mitteldeutsche Zeitung" handelte es sich um kleinste Tätigkeiten vor oder während des Studiums. Bausemer beantwortete Fragen von t-online dazu nicht. Anderen Medien sagte er, er wolle sich seine "Ausbildung nicht madig machen lassen".

Der falsche "Geschäftsführer"

Für die Bewerbung auf den Listenplatz der AfD hatte Bausemer allerdings noch eine weitere Karte gespielt: seine zehnjährige Erfahrung als "Geschäftsführer" eines mittelständischen Landwirtschaftsbetriebs. Doch auch von dieser wohlklingenden Position war nach t-online-Recherchen wenig übrig geblieben. Es handelte sich um den Geflügelhof seiner Familie – der als Einzelunternehmen über keine Geschäftsführung verfügt.

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Mittlerweile bestätigte Bausemer der "Volksstimme", er sei auf dem Hof seiner Mutter lediglich fünf Jahre als "mitarbeitender Familienangehöriger" beschäftigt gewesen und habe dabei "die Geschäfte geführt". Schon Jahre zuvor hatte die Zeitung darüber geschrieben, dass er seiner Mutter "am Wochenende beim Eierverkauf und der Buchhaltung" helfe. Erst seit 2020 führe er den Betrieb, sagte er nun. Doch auch dabei ergeben sich Unstimmigkeiten.

Das falsche Stipendium

Der Geflügelhof wirbt bis heute im Internet mit einem Öko-Label der "Fachgesellschaft ÖKO-Kontrolle mbH", das er eigentlich seit 2019 nicht mehr führen darf. Die Fachgesellschaft teilte t-online bereits vergangene Woche mit, die zuständige Landesanstalt informiert zu haben. Bausemer sagte der "Volksstimme" dazu, die Internetseite sei nicht mehr aktuell.

Neben den übrigen Hochstapeleien berichtete t-online auch über weitere Falschangaben, die Bausemer schon Jahre zuvor auf einem Landesparteitag gemacht hatte. Damals hatte er behauptet, ein "Hochbegabten-Stipendium" der Friedrich-Naumann-Stiftung erhalten zu haben – dabei bietet die Stiftung ein solches Stipendium gar nicht an. Stattdessen nahm er an der "Begabtenförderung" teil.

Die Querelen um den Europa-Kandidaten Arno Bausemer haben mittlerweile auch den AfD-Bundesvorstand erreicht. Mitglieder aus zahlreichen Kreisverbänden fordern von den AfD-Sprechern Alice Weidel und Tino Chrupalla, dass Bausemer Belege für seine angegebenen Tätigkeiten im Lebenslauf liefern soll. In dem Schreiben heißt es wörtlich, dass die Vorwürfe gegen Bausemer "für die AfD nicht nur in der Außenwirkung [zu einem] schädigenden Vertrauensverlust" geführt hätten. Dem Vorstand ist für eine Stellungnahme eine Frist bis 25. August gesetzt.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Volksstimme.de: "AfD-Kandidat Arno Bausemer aus Stendal in Erklärungsnot" (Bezahlschranke)
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