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Wie Honecker einst Strauß hinters Licht führte

Neue Erkenntnisse zum DDR-Milliardenkredit  

Wie Honecker einst Strauß hinters Licht führte

13.01.2017, 18:04 Uhr | t-online.de

Wie Honecker einst Strauß hinters Licht führte. Franz Josef Strauss und Erich Honecker bei einem Treffen auf der Leipziger Frühjahrsmesse am 11. März 1984. (Quelle: dpa)

FFranz Josef Strauss und Erich Honecker bei einem Treffen auf der Leipziger Frühjahrsmesse am 11. März 1984. (Quelle: dpa)

Beim legendären Milliardenkredit von 1983 soll SED-Chef Erich Honecker den CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß getäuscht haben. Das belegen dem "Spiegel" zufolge Dokumente, die das Nachrichtenmagazin ausgewertet hat.

Der mächtigste Mann der DDR verkaufte demnach dem bayerischen Ministerpräsidenten den Abbau der etwa 60.000 Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze als wichtiges Zugeständnis. Dabei hatte Honecker die Maßnahme zu diesem Zeitpunkt längst geplant und mit deren Umsetzung bereits begonnen.

Darüber soll die Bundesregierung sogar informiert gewesen sein: Wie laut "Spiegel" in den ausgewerteten Dokumenten steht, hatte Honecker am 13. September 1982 dem Staatsminister im Kanzleramt Hans-Jürgen Wischnewski mitgeteilt, die DDR sei dabei, "die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten zu 'humanisieren' durch Abbau der Selbstschussanlagen". Er nehme an, die Regierung in Bonn habe das "schon bemerkt", so Honecker weiter.

Am 17. September - vier Tage nach der Nachricht von Honecker  - zerbrach die von Bundeskanzler Helmut Schmidt geführte sozial-liberale Koalition. Helmut Kohl wurde am 1. Oktober Bundeskanzler.

Strauß rühmte sich mit dem Deal

Strauß hatten die Informationen von Honecker offensichtlich nicht erreicht. Er führte 1983 Gespräche mit DDR-Unterhändler Alexander Schalck-Golodkowski. Später erklärte er, ihm sei gelungen, woran der frühere SPD-Kanzler Schmidt gescheitert sei.

Die verschuldete DDR hatte dank des Handels mit Strauß einen Kredit über eine Milliarde D-Mark erhalten. Im Gegenzug sagte die DDR neben dem Abbau der Schussanlagen zu, auch den Zwangsumtausch in DDR-Mark für jugendliche Besucher des Landes abzuschaffen, Ausreise und Familienzusammenführung zu erleichtern und die Grenzabfertigung für Westdeutsche weniger schikanös zu gestalten.

In der Geschichte der DDR kamen mindestens zehn Menschen durch die Selbstschussanlagen ums Leben. Viele weitere wurden verletzt.

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