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Corona-Ausbruch in Hamm – Oberbürgermeister: "Staatsanwaltschaft wird ermitteln"

INTERVIEWCorona-Hochzeit von Hamm  

"Die Staatsanwaltschaft wird sicher Ermittlungen aufnehmen"

Von Martin Küper

24.09.2020, 17:44 Uhr
Corona-Ausbruch in Hamm – Oberbürgermeister: "Staatsanwaltschaft wird ermitteln". Thomas Hunsteger-Petermann (CDU), Oberbürgermeister von Hamm: "Das war ein Fehler, der inzwischen auch behoben wurde." (Quelle: dpa/Fabian Strauch)

Thomas Hunsteger-Petermann (CDU), Oberbürgermeister von Hamm: "Das war ein Fehler, der inzwischen auch behoben wurde." (Quelle: Fabian Strauch/dpa)

Nach einer Hochzeit sind die Corona-Zahlen in Hamm explodiert – auf den höchsten Wert bundesweit. t-online sprach mit Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann. Er will am Sonntag wiedergewählt werden.

Nirgends in Deutschland liegt die Zahl der Corona-Neuinfektionen so hoch wie im westfälischen Hamm. 88,2 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) an diesem Donnerstag. Der Grenzwert für lokale Einschränkungen liegt bei 50. Auslöser war eine große Hochzeit mit verschiedenen Feiern in Dortmund, Werl und Hamm vor drei Wochen.

Jetzt hat der Oberbürgermeister der 180.000-Einwohner-Stadt, der CDU-Politiker Thomas Hunsteger-Petermann, neue Regeln erlassen: Seit Mittwoch dürfen sich im öffentlichen Raum nur noch fünf Personen oder Personen aus zwei Haushalten gemeinsam aufhalten, Schüler und Lehrer in weiterführenden Schulen müssen auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen und: Private Feiern mit mehr als 25 Teilnehmern müssen künftig beim Ordnungsamt angemeldet werden – wie künftig in ganz NRW. 

t-online: Herr Hunsteger-Petermann, der Corona-Ausbruch in Hamm ist auf eine größere Hochzeit zurückzuführen. Wie reagieren die Menschen in Hamm auf die neuen Einschränkungen?

Thomas Hunsteger-Petermann: Mein Eindruck ist, dass die Menschen das mittragen. Wir haben ja nicht einfach alles zugemacht, sondern uns dem aktuell größten Problem zugewandt: Veranstaltungen, die nicht angemeldet sind und bei denen wir deshalb auch nicht die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren können. Bisher gab es in Nordrhein-Westfalen keine Pflicht, größere private Feiern anzumelden. Das war ein Fehler, der inzwischen auch behoben wurde. Die Veranstalter waren also gar nicht in der Pflicht, die Feiern beim Ordnungsamt anzumelden.

Droht den Veranstaltern trotzdem ein Bußgeld?

Hunsteger-Petermann: Ich kann nicht für die Staatsanwaltschaft sprechen, aber die wird sicher Ermittlungen aufnehmen und den Veranstaltern droht auf jeden Fall ein Bußgeld. Aber bei der großen Veranstaltung sind wir gar nicht im Boot, die hat in Dortmund stattgefunden und eine zweite Feier mit vielen Betroffenen gab es in der Nachbarstadt Werl. Bei uns war nur der Junggesellinnenabschied.

Haben Sie inzwischen einen Überblick über das Infektionsgeschehen in Hamm?

Hunsteger-Petermann: Im Moment stagnieren die Zahlen, wir gehen im Moment davon aus, dass mindestens 100 der 179 Fälle (Stand: 23. September) auf diese Feiern zurückzuführen sind, auch wenn sich natürlich nicht alle dort angesteckt haben. Das Ganze hat ja schon vor drei Wochen stattgefunden und jetzt sehen wir die zweite und dritte Welle. Im Moment warten wir auf den Scheitelpunkt und dann sollte der R-Wert auch schnell wieder sinken.

Ihr Testregime funktioniert?

Hunsteger-Petermann: Das funktioniert, wir haben bis zu 13 Corona-Mobile, zum Teil Privatfahrzeuge, mit denen wir Leute mit Corona-Verdacht zu Hause aufsuchen. In einer Veranstaltungshalle im Zentrum haben wir ein großes Testzentrum aufgebaut, wo wir ganze Schulen und große Gruppen durchtesten können. Außerdem appellieren wir an die Kassenärztliche Vereinigung, ihr Fieberzentrum wieder zu öffnen. Ich glaube, unsere Hausärzte brauchen auch eine Entlastung.

Hat es schwere Verläufe im Zuge der Feiern gegeben?

Hunsteger-Petermann: Ich kann nicht sagen, ob diese Fälle auf die Feiern zurückzuführen sind, aber bisher gibt es neun Personen im Krankenhaus und eine auf der Intensivstation, also relativ wenige. Viele haben sich ja im Rollverfahren angesteckt, also einer ist infiziert, kommt nach Hause, steckt seine Mutter an, die steckt den nächsten an und so weiter. Außerdem sind zurzeit etwa 800 Schüler in Quarantäne und bekommen Digitalunterricht.

Am Sonntag wird in Hamm der Oberbürgermeister gewählt, Ihr Gegenkandidat von der SPD, Marc Herter, hat Sie schon überraschend in die Stichwahl gezwungen. Glauben Sie, dass sich der Corona-Ausbruch auf Ihre Wahlchancen auswirkt?

Hunsteger-Petermann: Ich glaube, dass ich gute Chancen habe, am Sonntag zu gewinnen. Ob Corona ein Vor- oder ein Nachteil ist, kann ich nicht beurteilen. Die Krisenführung läuft ordentlich und das wissen die Leute auch zu schätzen. Ob das am Ende Auswirkungen auf die OB-Wahl hat, weiß ich nicht, bin aber zuversichtlich, dass es klappen kann. Die Leute wissen, dass Einschränkungen nötig sind und wir haben da einen guten Mittelweg gefunden und keinen Lockdown verhängt.

Verwendete Quellen:
  • Telefonat am 24. September

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