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Auschwitz: Holocaust-Überlebende hält emotionale Rede – und kritisiert AfD

Gedenken im Bundestag  

Holocaust-Überlebende hält emotionale Rede – und kritisiert AfD

27.01.2021, 13:14 Uhr | AFP

Holocaust-Überlebende im Bundestag: AfD klatscht teilweise – dann folgt der stärkste Satz

Vor 76 Jahren ist das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden Bei einer Sondersitzung im Bundestag sprach auch Charlotte Knobloch. Die Holocaust-Überlebende richtete deutliche Worte in Richtung AfD. (Quelle: t-online)

"Passen Sie auf": Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch richtete im Bundestag deutliche Worte in Richtung der AfD. (Quelle: t-online)


Heute vor 76 Jahren ist das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Bei einer Sondersitzung im Bundestag sprechen zum Gedenken zwei Frauen. Eine von ihnen richtet sich an die AfD.

In ihrer Rede in der Gedenkstunde des Bundestags für die Opfer des Nationalsozialismus hat die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, vor einem Erstarken des Antisemitismus gewarnt. Die Holocaust-Überlebende richtete sich dabei im Plenum des Bundestags ausdrücklich an die AfD. "Ich kann nicht so tun, als kümmerte es mich nicht, dass Sie hier sitzen", sagte sie am Mittwoch an die AfD-Abgeordneten gewandt.

Sie wolle zwar kein pauschales Urteil über die AfD fällen, betonte Knobloch: "Vielleicht ist die eine oder andere noch bereit zu erkennen, an welche Traditionen da angeknüpft wird." Den "Übrigen in Ihrer Bewegung" sage sie aber: "Sie werden weiter für Ihr Deutschland kämpfen, und wir werden weiter für unser Deutschland kämpfen – und ich sage Ihnen: Sie haben Ihren Kampf vor 76 Jahren verloren."

"Ich hatte eine Heimat verloren"

Knobloch bezeichnete sich in ihrer Rede als "stolze Deutsche". Sie fügte hinzu: "Ich hatte eine Heimat verloren, ich habe für sie gekämpft, ich habe sie wiedergewonnen und werden sie verteidigen." Sie wisse: "Unser Land leistet viel, dass jüdische Menschen sicher sind und hoffentlich nie wieder allein." Sie sei "stolz auf unsere Demokratie, auch wenn ich sie mir wehrhafter wünsche". Knobloch richtete einen Appell an die Zuhörer: "Ich bitte Sie: Passen Sie auf auf unser Land."

Zweite Gedenkrednerin im Bundestag war die Publizistin Marina Weisband. Sie berichtete davon, dass es für Juden und Jüdinnen in Deutschland auch heute noch fast unmöglich sei, "einfach nur Mensch" zu sein. Sie müssten aus Sicherheitsgründen ihr Jüdischsein verstecken und unsichtbar machen.

"Einfach nur Mensch zu sein ist Privileg derer, die nichts zu befürchten haben aufgrund ihrer Geburt", sagte Weisband. "Einfach nur Mensch zu sein bedeutet, dass jüdisches Leben in Deutschland unsichtbar gemacht wird" – denn es sei "gefährlich, sichtbar zu sein".

Jüdisches Leben in Deutschland soll "schlichte Selbstverständlichkeit" sein

Die jüngere Generation der Juden in Deutschland stehe vor der Aufgabe, "einen Weg zu finden, das Gedenken weiterzutragen, ohne uns selbst zu einem lebenden Mahnmal zu reduzieren", sagte Weisband. Ziel sei es, dass jüdisches Leben in Deutschland als "schlichte Selbstverständlichkeit" wahrgenommen werde.

Die 1932 geborene Knobloch ist Holocaust-Überlebende. Sie überstand die Shoah versteckt auf einem Bauernhof in Mittelfranken. Die 1987 in Kiew geborene Weisband spricht im Bundestag als Vertreterin der dritten Generation nach dem Holocaust. Seit 2018 ist sie Mitglied der Grünen und engagiert sich dort in den Bereichen Digitalisierung und Bildung.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen AFP

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