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Angela Merkels dritter Zitteranfall: Die zwei Körper der Kanzlerin

Erneuter Zitteranfall  

Die zwei Körper der Angela Merkel

Von Johannes Bebermeier

10.07.2019, 18:45 Uhr
 (Quelle: t-online.de)
Erneuter Zitteranfall bei Angela Merkel

Angela Merkel hat bei Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne in Berlin einen erneuten Zitteranfall erlitten. Die Bundeskanzlerin zitterte deutlich sichtbar am ganzen Körper. (Quelle: t-online.de)

Angela Merkel: Erneuter Zitteranfall der Bundeskanzlerin beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne. (Quelle: t-online.de)


Die Kanzlerin zittert – und will nicht so recht sagen, was los ist. Dabei ist Angela Merkels Zittern eine öffentliche Angelegenheit, die Auswirkungen haben kann. 

Es ist wieder passiert. Angela Merkel zittert. Zum dritten Mal. Als die Bläser der Bundeswehr die deutsche Nationalhymne spielen und Merkel neben dem finnischen Ministerpräsidenten steht, schüttelt es ihren Körper durch. Sekundenlang.

"Mir geht es sehr gut", beteuert sie wenig später. Niemand müsse sich Sorgen machen. Alles okay also? Wenn überhaupt, dann ist es eine reine Privatsache? Lasst doch bloß die arme Frau in Ruhe?

Merkels Zittern ist öffentlich

So einfach ist es nicht. Nicht nur Angela Merkel hat gezittert, Merkel als Privatperson. Gezittert hat die deutsche Bundeskanzlerin, die mächtigste Frau in Europa, sogar der Welt, wenn man der US-Zeitschrift "Forbes" glaubt. Und zwar publik, im Amt und wiederholt. Das macht das Zittern zu einer öffentlichen Angelegenheit.

Es gibt ein Buch des deutschen Historikers Ernst H. Kantorowicz, ein sehr altes Buch aus dem Jahr 1957, welches sich mit der politischen Theologie des Mittelalters beschäftigt. Das ist lange her. Trotzdem wird es auch heute noch herangezogen, wenn berühmte oder mächtige Personen krank sind oder Schwächen zeigen. Der Titel des Buches: "Die zwei Körper des Königs".

Merkel ist keine Königin und sie lebt nicht im Mittelalter. Doch lässt man all das beiseite, kann das Buch auch heute noch etwas erklären. Kantorowicz unterscheidet gewissermaßen zwischen der öffentlichen Funktion eines Menschen und dem konkreten Menschen selbst. Den zwei Körpern eben. Während der eine privat und letztlich vergänglich ist, ist es der andere durch sein Amt gerade nicht.

Die zwei Körper der Angela Merkel

Auch Merkel hat diese zwei Körper. Kluge Menschen können sie in Büchern theoretisch voneinander unterscheiden. In der Realität ist das nicht so einfach. Denn wenn Angela Merkel zittert, dann zittert immer auch die Kanzlerin, gerade wenn es in der Öffentlichkeit passiert.

Und das Zittern kann handfeste politische Auswirkungen haben. Politik ist ein hartes Geschäft. Schwächen werden ausgenutzt, auch körperliche Schwächen. Das weiß Merkel nur zu gut. Sie selbst ist eigentlich für ihre Konstitution und Ausdauer bekannt. In langen Nächten in den Verhandlungssälen weltweit ist sie oft am längsten fit, so erzählt man es sich. Und geht deshalb mit den besten Ergebnissen nach Hause.

In einer Welt der Putins und Trumps, der machohaften Alphamänner, wird diese Art der Körperlichkeit eher noch wichtiger. Auch das hat Merkel schon selbst erfahren. Im Jahr 2007, da war sie gerade zwei Jahre Kanzlerin, reiste Merkel nach Russland, um Präsident Wladimir Putin zu treffen. Der hatte seinen Hund Kony mitgebracht.

Angela Merkel im Jahr 2007 zu Besuch bei Wladimir Putin und Hund Kony: "Und man sieht ja, wie ich mich tapfer bemühe, Richtung Putin zu gucken und nicht Richtung Hund", sagte sie später über das Treffen. (Quelle: imago images/CommonLens)Angela Merkel im Jahr 2007 zu Besuch bei Wladimir Putin und Hund Kony: "Und man sieht ja, wie ich mich tapfer bemühe, Richtung Putin zu gucken und nicht Richtung Hund", sagte sie später über das Treffen. (Quelle: CommonLens/imago images)

Fotos zeigen eine Merkel, die sich unwohl fühlt. Seitdem sie einmal von einem Hund gebissen wurde, ist sie nicht mehr die größte Freundin der Tiere. "Obwohl, wie ich glaube, der russische Präsident genau wusste, dass ich nicht gerade begierig darauf war, seinen Hund zu begrüßen, brachte er ihn mit", sagte sie später. "Aber so war es nun mal."

Eine klassische Machtdemonstration Putins – einerseits. Aber andererseits eben auch der Versuch, sich durch eine Verunsicherung Merkels möglicherweise einen Vorteil in Verhandlungen zu verschaffen.

Es wird weiter spekuliert werden

Merkel betonte nun nach ihrem dritten Zitteranfall, sie sei "ganz fest davon überzeugt, dass ich gut leistungsfähig bin". Sie sei immer noch in der "Verarbeitungsphase" des ersten Anfalls Mitte Juni. "Die ist offensichtlich noch nicht ganz abgeschlossen, aber es gibt Fortschritte." So hatte sie auch schon den zweiten Anfall begründet. Das erste Zittern will sie bei großer Hitze mit ein paar Gläsern Wasser behandelt haben.
 

 
Mehr zu den Hintergründen sagte die Kanzlerin auch heute nicht. Ob sie das lange durchhalten kann, ist ungewiss. Gerüchte können belastender sein als die Wahrheit. Und natürlich wird weiter spekuliert werden, wie es Merkels zwei Körpern geht. Denn Trump und Putin warten schon.

Verwendete Quellen:

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