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Verhasst und verehrt: Claudia Roth wird jetzt die Bundeskultur lenken

Nachfolgerin von Monika Grütters  

Verhasst und verehrt: Claudia Roth soll jetzt die Bundeskultur lenken

26.11.2021, 15:14 Uhr | AFP

Verhasst und verehrt: Claudia Roth wird jetzt die Bundeskultur lenken . Claudia Roth: Die neue Stelle der 66-Jährige ist direkt an das Bundeskanzleramt angedockt.  (Quelle: imago images/Political Images)

Claudia Roth: Die neue Stelle der 66-Jährige ist direkt an das Bundeskanzleramt angedockt. (Quelle: Political Images/imago images)

Zuletzt leitete Claudia Roth in schrillen Outfits und eigenem Stil als Vizepräsidentin viele Sitzungen im Bundestag. Jetzt soll sie Staatsministerin für Kultur und Medien werden. Damit knüpft sie an ihre Zeit vor der Politik an.

An Claudia Roth scheiden sich die Geister: Vielen ist sie zu schrill und zu emotional, zu demonstrativ betroffen über die Missstände dieser Welt. Viele andere schätzen sie als geradlinig und glaubwürdig, als bunten Vogel im Politikbetrieb, als energische Kämpferin für Menschen- und Bürgerrechte. Jetzt fügt die 66-Jährige ihrer langen Karriere ein neues Kapitel hinzu: Die Grünen-Politikerin soll Staatsministerin für Kultur und Medien werden.

Angesiedelt im Kanzleramt ist sie dann zuständig für die Aktivitäten des Bundes in der Kultur- und Medienpolitik – und knüpft damit an ihre beruflichen Anfänge an: Die gebürtige Ulmerin studierte 1974 Theaterwissenschaften und arbeitete als Theater-Dramaturgin sowie von 1982 bis 1985 als Managerin der Rockband "Ton Steine Scherben", bevor sie Karriere bei den Grünen machte. "Ich will ich sein, anders will ich nicht sein" – das Zitat aus einem Lied der Anarcho-Rocker ist ihr Credo.

Claudia Roth 2001 mit "Lindenstraße"-Star Franz Rampelmann: Die beiden trafen sich bei einem Konzert der Nachfolgeband von "Ton, Steine, Scherben". Roth war Managerin der Erfolgsgruppe.   (Quelle: imago images/Becker&Bredel )Claudia Roth 2001 mit "Lindenstraße"-Star Franz Rampelmann: Die beiden trafen sich bei einem Konzert der Nachfolgeband von "Ton, Steine, Scherben". Roth war Managerin der Erfolgsgruppe. (Quelle: Becker&Bredel /imago images)

Von der Grünen-Basis gefeiert  

Roths politische Karriere begann 1985 ganz unspektakulär: Sie bewarb sich auf eine Annonce als Pressesprecherin für die Grünen-Bundestagsfraktion. 1989 zog sie ins Europaparlament ein, wurde dort 1994 Fraktionsvorsitzende. 1998 kehrte Roth nach Deutschland zurück, um über die bayerische Landesliste erstmals ein Mandat im Bundestag zu übernehmen. Dort leitete sie den Ausschuss für Menschenrechte, bevor sie 2001 Grünen-Parteivorsitzende wurde.

Nachdem sie vergeblich für eine Ausnahmeregelung bei der Trennung von Amt und Mandat geworben hatte, legte Roth den Parteivorsitz schon 2002 wieder nieder, um ihr Bundestagsmandat zu behalten. Anschließend übernahm sie in der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) den Vorsitz des neu geschaffenen Bundestags-Ausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe.

Nach der Urabstimmung bei den Grünen im Mai 2003, als die parteiinterne Trennung von Amt und Mandat gelockert wurde, wollte die Grünen-Basis Roth wieder als ihre Frontfrau. Von Oktober 2004 bis Oktober 2013 war sie erneut Bundesvorsitzende.

Herbe Niederlage und Rücktritt 2013

Die Niederlage bei der von ihr angestoßenen Urwahl zur Grünen-Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2013 markierte einen Tiefpunkt in Roths Parteikarriere. Nach der Bundestagswahl, bei der die Grünen mit 8,4 Prozent hinter ihren Erwartungen zurückblieben, trat die Parteispitze geschlossen zurück.

Im Oktober 2013 erfolgte aber der nächste Karriereschritt: Die Grünen-Politikerin wurde Vizepräsidentin des Bundestags. Ihren Themen blieb Roth auf dem Posten treu, auch wenn sie nicht mehr so im Rampenlicht stand wie zuvor: allen voran die Menschenrechte, aber auch die Ehe für alle oder die Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik.

Claudia Roth als Bundestagsvizepräsidentin: Sie lachte viel, griff aber gerade bei Pöbeleien aus dem rechten Spektrum auch oft durch.  (Quelle: imago images/Political Images )Claudia Roth als Bundestagsvizepräsidentin: Sie lachte viel, griff aber gerade bei Pöbeleien aus dem rechten Spektrum auch oft durch. (Quelle: Political Images /imago images)

Den Einzug der AfD in den Bundestag 2017 nannte Roth als zentrales Motiv, erneut für den Posten zu kandidieren. Es gehe darum, das Parlament "gegen rechten Hass und geschichtsvergessene Hetze" zu verteidigen, betonte sie damals.

Glühender Fußball-Fan

Eng verbunden ist Roth ihrem Wohnort Augsburg – nicht zuletzt als glühender Fan des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg. "Bayerisch Schwaben und mein Wahlkreis Augsburg – das ist Heimat für mich", steht seit Jahren auf ihrer Website. Roth ist – neben vielen weiteren Engagements - Vorsitzende des "Vereins der Freunde und Förderer des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben" sowie Mitglied des Kuratoriums der DFB-Kulturstiftung.

Mit dem Regierungsamt, das sie von der bisherigen CDU-Staatsministerin Monika Grütters übernimmt, betritt Roth dennoch ein völlig neues Terrain: Die Grünen-Politikerin ist dann direkt dem künftigen Kanzler Olaf Scholz (SPD) zugeordnet und nimmt an den Sitzungen des Bundeskabinetts teil. Zugleich ist sie Leiterin einer obersten Bundesbehörde, die aktuell rund 390 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umfasst.

Ende Oktober schrieb Roth in ihrer Bewerbung für eine dritte Amtszeit als Bundestagsvizepräsidentin: "Ich mache dieses Amt aus tiefster Überzeugung, mit Leidenschaft, mit Herz und Haltung für unsere Demokratie." Nun wird sie den Parlamentsposten wieder abgeben und stattdessen vom Kanzleramt aus die Kultur- und Medienpolitik der Ampel-Regierung verantworten. Dass sie sich auch auf diesem Posten treu bleiben wird, ist zu erwarten.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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