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Großer Zapfenstreich: Merkels Abschied von der Kanzlerschaft.

Großer Zapfenstreich  

Merkel winkt zum Abschied, nickt, bedankt sich still

02.12.2021, 20:54 Uhr
Merkel bekommt beim Abschied wässrige Augen

Am Donnerstagabend wurde Angela Merkel mit dem Großen Zapfenstreich in Berlin formell verabschiedet. Mit einer Rede und Liedern von Hildegard Knef und Nina Hagen wurde das Zeremoniell begangen. (Quelle: Reuters)

Kanzlerin mit Zapfenstreich verabschiedet: Bei der Zeremonie bekam Angela Merkel wässrige Augen. (Quelle: Reuters)


Das Ende einer Ära: Mit einem Großen Zapfenstreich ist der Kanzlerin eine besondere Ehre zuteilgeworden. Sie nutzte die Gelegenheit noch ein letztes Mal für einen eindringlichen Appell zur "Fröhlichkeit".

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet worden. Sie hatte nach 16 Jahren im Amt beschlossen, nicht erneut bei der diesjährigen Bundestagswahl anzutreten. "Es ist diese Fröhlichkeit im Herzen, die ich uns allen und im übertragenen Sinne unserem Land auch für die Zukunft wünsche", sagt Merkel in ihrer Ansprache. Während ihrer etwa siebenminütigen Rede ist die Kanzlerin ganz in ihrem Element. Solide trägt sie die ausgearbeiteten und wohlüberlegten Worte vor, die sie womöglich zum letzten Mal an die Bevölkerung Deutschlands richten kann. In wenigen Tagen wird der SPD-Politiker und frühere Finanzminister Olaf Scholz das Amt übernehmen. 

Merkel hat zudem für mehr gegenseitiges Verständnis geworben und zugleich die Leugnung von Fakten und das Verbreiten von Verschwörungstheorien scharf verurteilt. "Unsere Demokratie lebt von der Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung und zur Selbstkorrektur", sagt sie. "Sie lebt vom steten Ausgleich der Interessen und von dem Respekt voreinander. Sie lebt von Solidarität und Vertrauen."

Großer Zapfenstreich für Merkel: Die Soldaten des Wachbataillon der Bundeswehr marschieren mit Fackeln auf.  (Quelle: dpa/Michael Kappeler)Großer Zapfenstreich für Merkel: Die Soldaten des Wachbataillon der Bundeswehr marschieren mit Fackeln auf. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Für ihren Abschied hatte sich Merkel drei Lieder gewünscht, darunter "Für mich soll's rote Rosen regnen" von Hildegard Knef. Im Text des Songs heißt es: "Für mich soll's rote Rosen regnen, mir sollten sämtliche Wunder begegnen, die Welt sollte sich umgestalten, und ihre Sorgen für sich behalten." Die Kanzlerin hat diese Lieder sicher mit Bedacht ausgewählt. Sie sitzt im schwarzen Wintermantel vor dem Orchester. Sie scheint ergriffen zu sein von den sanften Tönen der Musik. 

Schon zuvor hatte das Publikum auf dem Platz vor dem Verteidigungsministerium und an den Bildschirmen zu Hause die instrumentalen Klänge von Nina Hagens "Du hast den Farbfilm vergessen" hören können. Als Merkel die ersten Töne hört, das Lied erkennt, huscht schnell ein Lächeln über ihr Gesicht. Der Song bereitet ihr sichtlich Freude.

"Die Welt mit den Augen des anderen zu sehen"

In ihrer Rede sagt Angela Merkel auch: "Ich möchte dazu ermutigen, auch zukünftig die Welt auch mit den Augen des anderen zu sehen. Also auch die manchmal unbequemen und gegensätzlichen Perspektiven des Gegenübers wahrzunehmen, sich für den Ausgleich der Interessen einzusetzen." Damit bringt sie noch einmal auf den Punkt, was ihre gesamte Kanzlerschaft begleitet hat: Das diplomatische Miteinander, der Respekt und auch das Anerkennen von unterschiedlichen Sichtweisen. Dafür wird sie weltweit geschätzt.

Angela Merkel: Die Kanzlerin wird mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. (Quelle: dpa/Michael Kappeler)Angela Merkel: Die Kanzlerin wird mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. (Quelle: Michael Kappeler/dpa)

Und dann ist Merkel noch einmal zuversichtlich und sagt: "Ich bin überzeugt, dass wir die Zukunft auch weiterhin dann gut gestalten können, wenn wir uns nicht mit Missmut, mit Missgunst, mit Pessimismus, sondern (...) mit Fröhlichkeit im Herzen an die Arbeit machen." So habe sie es selbst stets gehalten, "in meinem Leben in der DDR und erst recht und umso mehr unter den Bedingungen der Freiheit."

Die Soldaten der Bundeswehr, die den Zapfenstreich für die Kanzlerin abgehalten haben, stehen Spalier, ein Oberstleutnant gibt ihnen Kommandos, die Fackelträger lassen die Flammen vor den Augen der Kanzlerin tanzen. Sie betrachtet das Spektakel mit gewohnter Zurückhaltung. Dennoch ist in ihren Augen so etwas wie Rührung erkennbar, eine Konzentration, die man von ihr kennt. 

Am Ende dieses Großen Zapfenstreichs lässt die bescheidene Kanzlerin Merkel, ganz wie man es von ihr kennt, den Blick über das pandemiebedingt ausgedünnte Publikum gleiten, lächelt, winkt, nickt und bedankt sich still. Dann steigt sie in einen Wagen, der sie zurück zum Kanzleramt bringt. Auf ihrem Gesicht ist nichts als ein strahlendes Lächeln zu sehen – und in ihren Augen eine große Zufriedenheit.

Verwendete Quellen:
  • ZDF: Liveübertragung von Merkels Zapfenstreich
  • Mit Material der Nachrichtenagentur AFP

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